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Serie über Größen aus dem Sportkreis Bruchsal

Hockey-Torhüter Christian Bassemir: Vom Olympia-Teilnehmer zum Orthopäden

Christian Bassemir beendete seine sportliche Laufbahn auf seinem Höhepunkt. Nach dem zweiten Platz bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles ging er persönlich den nächsten Schritt und wurde Orthopäde. In Bruchsal und Umgebung ist der 64-Jährige in dieser Funktion bestens bekannt.

Gut gehalten: Christian Bassemir feierte als Hockey-Torhüter große Erfolge. Unter anderem gewann er die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1984. Foto: Bassemir

Ein Bänderriss beim Sport, ein eingeklemmter Nerv im Rücken oder ein Bandscheibenvorfall – wer in und um Bruchsal schon einmal unter Beschwerden dieser Art litt, dem ist Christian Bassemir sicher ein Begriff.

Wie der Orthopäde mit der Praxis in Bahnhofsnähe aber zu dem wurde, der er heute ist, das wissen nur die Wenigsten seiner Patienten. Seine Karriere als erfolgreicher Hockey-Torhüter prägte den heute 64-Jährigen auch für die Zeit nach dem Sport.

Der berufliche Werdegang lag in der Familie

Dabei lag dem geborenen Bad Peterstaler die Laufbahn als Arzt schon immer näher als die auf dem Hockeyfeld – wobei Bassemir letztlich beides gelingen sollte. Mit seinem Vater, der Chefarzt im Sanatorium der Schwarzwaldgemeinde war, ging der junge Christian Bassemir schon als Kind mit zu Hausbesuchen.

„Der Weg war also schon vorgeprägt”, berichtet der promovierte Orthopäde im Behandlungszimmer seiner Praxis. Er hat sich viel Zeit für das Gespräch genommen – es gibt ja auch einiges zu erzählen, was Bassemir auf seine stets freundliche und verbindliche Art tut.

Zum Beispiel, dass er sich aus sportlicher Sicht zunächst dem Fußball hingezogen fühlte. Selbst nach seinem Umzug im Jugendalter nach Dossenheim jagte er zunächst weiter dem runden Leder nach, unter anderem gemeinsam mit der späteren Frankfurter Fußball-Legende Charly Körbel. Während dieser später aber zum Eintracht-Rekordspieler auf dem Fußballplatz wurde, änderte Bassemir mit 13 Jahren seine Präferenzen.

Als guter Fußballer ins Hockey-Tor

Beim Schul-Hockey fand er gefallen an der anderen Sportart. Und weil gerade der Torhüter gute Fähigkeiten mit den Füßen braucht und Bassemir beidfüßig gut kicken konnte, was in der Spieleröffnung wichtig ist, ging er eben ins Tor, was er nicht bereuen sollte. Der Aufstieg ging schnell. Bereits 1976 – mit 20 Jahren – kam Bassemir, der mittlerweile in Heidelberg Medizin studierte, in die Nationalmannschaft.

Einen Rückschlag musste er bald aber verkraften. Durch den Boykott der Bundesrepublik Deutschland wurde ihm und seinem Team die Möglichkeit der Teilnahme an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau genommen.

„Ich kann daher gut mitfühlen, wie es den Athleten in diesem Jahr nach der Absage von Tokio geht”, sagt Bassemir. Man trainiere vier Jahre auf solch ein Ereignis hin, „so etwas darf man einem Sportler nicht nehmen.” Bassemir bekam aber seine zweite Chance.

Nachdem er 1982 mit seinem Heimatverein, dem HC Heidelberg, als Kapitän Deutscher Meister geworden war und im selben Jahr bei der WM in Bombay die Silbermedaille gewonnen hatte, stand 1984 Olympia in Los Angeles auf dem Programm – und der Bad Peterstaler im Tor der deutschen Hockey-Nationalmannschaft.

Olympische Spiele 1984 als Höhepunkt der Karriere

„Die Olympischen Spiele sind mit das Schönste, was ein Sportler erleben kann”, schwärmt Bassemir noch heute. Die Teilnahme an einem solchen Ereignis sollte aus seiner Sicht für jeden Athleten ein Ansporn sein. Die ganz große Krönung blieb zwar aus. Wie schon bei der WM 1982 unterlag das deutsche Team der Hockey-Nation Pakistan im Endspiel. Für Bassemir war es dennoch der Höhepunkt seiner Karriere, die er bald darauf beendete, um persönlich den nächsten Schritt zu gehen.

Kapitän mit Pokal: 1982 wurde Christian Bassemir mit dem HC Heidelberg deutscher Meister im Feldhockey. Foto: Bassemir

Die Nachtdienste als Assistenzarzt ließen Leistungssport nicht mehr zu. Und so tauschte Bassemir die eine Leidenschaft gegen die andere. Der Weg zum Orthopäden war für ihn naheliegend. „Die Erfahrung als Sportler kommt mir in der Sportmedizin sehr zugute”, beschreibt der 64-Jährige seinen weiteren Weg. 1992 kam er schließlich nach Bruchsal und bezog gemeinsam mit seiner Frau Carola, die er beim Studium in Heidelberg kennengelernt hatte, seine Praxis, in die er nach eigener Aussage bis heute jeden Tag sehr gerne geht.

Bassemir ist noch bei der Sporthilfe aktiv

Der Sport hat Bassemir aber nie losgelassen. Als Mitglied des Gutachterausschusses der Deutschen Sporthilfe setzt er sich für eine gerechte Verteilung von Fördermitteln ein. „Ich gebe damit gerne etwas zurück, weil ich selbst eine gute Förderung hatte”, sagt er. Auch den Hockey-Sport beobachtet er mit Interesse – im Großen wie im Kleinen.

„Die TSG Bruchsal macht eine sehr gute Jugendarbeit im Hockeybereich”, findet er. Der Kunstrasenplatz sei dabei ein riesiger Fortschritt gewesen. Nicht zuletzt durch das Pfingsthockeyturnier, das über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist, habe Hockey einen festen Platz in der Barockstadt.

Zur Person: Christian Bassemir Am 13. März 1956 in Bad Peterstal im Schwarzwald geboren, probierte es Bassemir zunächst mit dem Fußball, ehe er nach einem Umzug nach Dossenheim zum Hockey fand. Seine größten Erfolge waren der deutsche Meistertitel 1982 mit dem HC Heidelberg sowie die Silbermedaille bei der WM 1982 im Bombay und 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Bassemir ist promovierter Orthopäde und hat seit 1992 eine Praxis in Bruchsal. Foto: Bassemir

Auch auf nationaler Ebene sieht Bassemir seinen Sport gut aufgestellt. „Deutschland gehört bei den Männern und Frauen noch immer zu den Top-4 der Welt”, findet er. Die Probleme seien aber noch die alten: „Hockey hat es in der Sichtbarkeit nach außen immer sehr schwer gehabt.” Die Popularität leide darunter, dass der Sport nur alle vier Jahre Präsenz im Fernsehen habe – eben bei den Olympischen Spielen. Dabei sei Hockey bis heute eine der erfolgreichsten Mannschaftssportarten des Landes.

Ausgleich findet der Orthopäde beim Golf

Familiär schließt sich bei den Bassemirs der Kreis, wie der dreifache Vater nicht ohne Stolz erzählt. Sein Sohn Dominik macht gerade seine Ausbildung zum Orthopäden und Unfallchirurgen und kann sich gut vorstellen, bald die elterliche Praxis zu übernehmen. Darüber hinaus ist der 30-Jährige selbst Hockey-Torhüter.

Sportlich hat sich Vater Bassemir mittlerweile etwas umorientiert. Den mentalen und körperlichen Ausgleich, den er seinen Patienten auch immer ans Herz legt, findet er beim Golfclub Bruchsal. Dem Schläger ist der Olympia-Zweite von 1984 also bis heute treu geblieben. Er lässt es inzwischen nur etwas ruhiger angehen.

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