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Vor dem Auftakt

Pforzheim Bisons: Saisonstart und Energiekrise – wie der Eishockey-Regionalligist den Spagat schaffen will

Die neue Eiszeit beginnt für die Pforzheim Bisons mit einem Heimspiel gegen Stuttgart. Die Partie verspricht spannend zu werden – ebenso wie die komplette Saison.

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Wichtige Stütze: Tim Brenner (Bildmitte, in blau) hält dem 1. CfR Pforzheim weiterhin die Treue. Zum Auftakt gibt’s ein Wiedersehen mit den Stuttgart Rebels. Foto: Harry Rubner

Die Saisonvorbereitung ist für die Pforzheim Bisons wieder mal eine ereignisreiche gewesen. So wurde erst vor rund einem Monat, inmitten der Einstimmung auf die neue Runde, die Trennung von Trainer John Kraiss bekannt gegeben. Doch aufkommende Unruhe vor Beginn der neuen Eiszeit ist nichts, was man bei der Eishockeyabteilung des 1. CfR Pforzheim nicht schon kennen würde.

Schließlich war bereits der vergangene Sommer turbulent verlaufen. Sehr spät, Ende September, und erst nachdem das Kreisimpfzentrum in der heimischen St.-Maur-Halle abgebaut war, konnten die Kufencracks, die zwischenzeitlich ihre Trainingseinheiten in Bad Liebenzell absolvierten, zurück aufs eigene Eis.

Sportlich betrachtet ließ sich der Verein durch all die Querelen damals nicht aus der Bahn werfen. Im Gegenteil. Die Pforzheim Bisons sicherten sich in der Regionalliga Südwest nach der Hauptrunde Platz eins und scheiterten in den Play-offs erst im Halbfinale.

Dass es in der neuen Eiszeit – die Saison 2022/23 wird am Sonntag (19 Uhr) mit dem Heimspiel gegen die Stuttgart Rebels eingeläutet – ähnlich rund laufen wird, ist Stand heute nicht zu erwarten. Und das hat gleich mehrere Gründe.

Wir beschäftigen uns jeden Tag damit, wie man Energie sparen kann.
Tobias Nuffer, Eissport-Abteilungsleiter

Vor Sparmaßnahmen rund um die St.-Maur-Halle, die der Parkhotel Pforzheim GmbH & Co KG gehört und deren Anlage insgesamt eine Fläche von 3.000 Quadratmetern umfasst, ist auch die Eishockeyabteilung des 1. CfR Pforzheim nicht gefeit. „Wir beschäftigen uns jeden Tag damit, wie man Energie sparen kann“, sagt Tobias Nuffer.

Er ist Abteilungsleiter und gemeinsam mit Markus Geiser und Wolfgang Fischer Geschäftsführer der Blue Evolution GmbH, die seit 2021 als Betreibergesellschaft agiert. Das Eis ist inzwischen nur noch zwischen drei und dreieinhalb Zentimeter dick. „Jeder Zentimeter Eis kostet Geld, ungefähr 10.000 Euro im Jahr“, rechnet Nuffer vor.

Eisqualität leidet unter den höheren Temperaturen

Die Temperaturen wurden ebenfalls massiv geändert. Lagen diese vergangenes Jahr noch bei minus zwölf Grad in der Nacht und bei minus neun bis zehn Grad tagsüber, so wird aktuell nachts nur noch auf minus drei Grad und tagsüber auf minus sechs Grad heruntergekühlt. „So muss der Verdichter nicht allzu viel leisten, auch wenn sich das natürlich negativ auf die Eisqualität auswirkt“, so Nuffer. „Wir waren mit unseren Temperaturen noch nie so hoch.“

Die Pforzheim Bisons sind mit ihren Sorgen in diesen Zeiten nicht allein. Die Baden Rhinos aus Hügelsheim, Ligarivale der Pforzheimer und zuletzt ebenfalls kreativ, wenn es darum ging, Sparmaßnahmen umzusetzen, bezifferten ihre Kosten für 500.000 Kilowattstunden Strom dieser Tage auf 12.000 bis 15.000 Euro pro Monat. Da der Vertrag mit dem Stromanbieter auslief, berichtete der Vorsitzende Peter Seywald von Angeboten, die längst das fünf- oder sechsfache des bisherigen Preises betragen würden.

Auch die Pforzheim Bisons wurden, so Nuffer, erst vor Kurzem von den Stadtwerken Pforzheim darüber informiert, vom Eigentümer aus dem Stromvertrag herausgenommen worden zu sein. „Dann wurde uns ein Angebot gemacht, bei dem ich erst einmal geschluckt habe“, sagt er. Nun wurde ein Kontrakt mit einem anderen Lieferanten abgeschlossen. Gehofft wird, mit einem Strombedarf von rund 350.000 Kilowattstunden auszukommen.

Pforzheim Bisons stellen alles auf den Prüfstand

„Wir stellen wirklich alles auf den Prüfstand. Ist das Licht überall aus? Sind alle Türen, auch an der Bande, zu? Auch das warme Wasser für die Eismaschine wurde dosiert“, berichtet Nuffer, dem gemeinsam mit seinen Mitstreitern ein Stück weit auch die Hände gebunden sind, wenn es darum geht, weitere Herausforderungen anzugehen. „Die Verdichter sind 30 Jahre alt. Auch unter Regie der Stadt gab es nie eine Generalüberholung. Der Wartungszustand ist extrem schlecht. Aber nicht wir, sondern nur der Eigentümer kann Entscheidungen treffen. Es ist für alle eine schwierige Zeit.“

Es gibt einige Teams, die in die Play-offs wollen.
Stefan Schmitt, stellvertretender Abteilungsleiter

Auf eine solche stellt sich auch die erste Mannschaft um das neue Trainergespann Marc Hemmerich und Christian Pratnemer auf dem Eis ein. Zumindest in der Hauptrunde rechnet die Eishockeyabteilung des 1. CfR Pforzheim, die trotz der fordernden Zeiten die Mitgliedsbeiträge gesenkt hat, mit weniger Zuschauern.

Neue Saison verspricht sportlich eine spannende zu werden

„Die Vorfreude beim Team ist trotzdem gegeben. Wir wissen, dass es keine einfache Saison wird und auch wir den Gürtel enger schnallen müssen. Aber spannend wird es allemal, da es einige Teams gibt, die in die Play-offs wollen“, sagt Stefan Schmitt, stellvertretender Abteilungsleiter und zuständig für den sportlichen Bereich.

Die ersten vier Teams in der Eishockey-Regionalliga ziehen in die Play-offs ein

Der Modus, statt zuletzt zehn Teams gehen nur noch sieben Clubs ins Rennen, sieht eine 1,5-fache Hauptrunde vor. Die ersten vier Vereine bestreiten die Play-offs. Für Schmitt sind die Stuttgarter der klare Favorit, „danach werden die Plätze zwei bis vier umkämpft sein. Auch wir wollen da ein Wörtchen mitreden“, sagt er.

Dem Kader der Pforzheim Bisons fehlt ein wenig die Breite

Zwar würde dem Kader der Pforzheim Bisons, den in Marco Trenholm (Zweibrücken Hornets) und Martin Juricek (Auszeit) zwei wichtige Akteure verlassen haben, ein wenig die Breite fehlen. „Wir haben aber den Stamm rund um unsere guten Torhüter, die uns oft gerettet haben, gehalten und müssen uns nicht verstecken“, sagt Schmitt. Zumal auch die Neuzugänge vielversprechend und eine Verstärkung seien.

Bisons Pforzheim wollen Augenmerk verstärkt auf Nachwuchsarbeit richten

Ein weiteres Anliegen beim 1. CfR Pforzheim ist und bleibt die Jugendarbeit. „Wir können mit der ersten Mannschaft auch DEL (höchste Spielklasse im deutschen Eishockey/Anm. d. Red.) spielen. Aber wenn wir keinen Nachwuchs aufbauen, wird der Verein langfristig nicht so bleiben können, wie er ist“, sagt Nuffer.

„Dann werden wir ein Eiskunstlauf-Verein. Die haben mittlerweile mehr Kinder als wir beim Eishockey. Bei denen kommen jede Woche 10 bis 20 Neuanfragen. Im Eishockey reden wir von ein bis zwei.“ Nuffer: „Da werden wir was machen, beispielsweise Nachwuchscamps anbieten.“

Ein erster Platz bringt gar nichts, wenn am Ende das Konto leer ist.
Tobias Nuffer über den Spagat zwischen Sport und Wirtschaftlichkeit

Den Spagat zwischen wirtschaftlichen Sparzwängen und sportlichem Anspruchsdenken gelte es gemeinsam zu meistern. Da die klassenhöhere Oberliga zeitnah ohnehin kein Thema beim 1. CfR Pforzheim ist, müsse man sich selber keinen Druck auferlegen. Nuffer stellt klar: „Mir geht es nicht darum, jedes Jahr Erster zu werden. Ein erster Platz bringt gar nichts, wenn am Ende das Konto leer ist. Ich will irgendwann dahin kommen, dass jeder Spieler, der aus Pforzheim weggeht, sagt: ,Pforzheim war eine coole Zeit. Die haben alles gehalten, was versprochen wurde, wir haben gut mitgespielt. Es war schön’.“

Die Regionalliga, ergänzt er, sei für die Pforzheim Bisons aktuell „optimal. Es gibt viele Derbys, wir können gut mitspielen. Die Zuschauer sehen ordentliches Eishockey. Das ist für die nächsten drei bis fünf Jahre der richtige Weg“.

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