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Niederlage in der Relegation

Aus der Traum: Pforzheim Wilddogs verpassen den Aufstieg denkbar knapp

Es war eine reife Leistung, die die Pforzheim Wilddogs in ihrem Relegationsspiel gegen Gießen an den Tag gelegt haben. Für den Aufstieg in Deutschlands zweithöchste Spielklasse sollte sie allerdings noch nicht reichen.

Gekämpft bis zum Umfallen: Die Wilddogs (graue Trikots) haben gegen Gießen trotz der Niederlage eine reife Leistung gezeigt, die die Verantwortlichen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt. Foto: Jürgen Keller

Es war ein bittersüßer Sonntagnachmittag für die Pforzheim Wilddogs. Um Punkt 16.30 Uhr war der Traum vom Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse, die German Football League 2 (GFL 2), geplatzt. Ohne lauten Knall, dafür aber mit unterstützendem Applaus der gut 700 Zuschauer, die das Stadion im Brötzinger Tal zuvor in eine Football-Arena verwandelt hatten und der Leistung des Pforzheimer Teams Respekt zollten.

In einem denkwürdigen und spannenden Spiel mussten sich die Wilddogs den Gießen Golden Dragons knapp mit 19:20 (13:7) geschlagen geben und den Hessen in Sachen Aufstieg den Vortritt lassen.

Die Enttäuschung? Sie stand den Gastgebern kurz nach Spielschluss natürlich ins Gesicht geschrieben. Die einen zogen ihren Helm ab und hockten nieder, starrten ungläubig ins Leere. Andere lagen oder knieten auf dem Rasen, einige kämpften mit den Tränen.

So auch Headcoach Michael Lang – das gab er unumwunden zu. „Als Kai Höpfinger (Vorsitzender der Pforzheim Wilddogs, Anm. d. Red.) mich gerade auf dem Spielfeld in den Arm genommen und mir zu der tollen Saison gratuliert hat, sind mir auch die Tränen gekommen. Natürlich schmerzt die Niederlage gerade und tut weh. Aber wir haben eine gute Leistung gezeigt, das habe ich der Mannschaft gerade auch gesagt.“

Pforzheim Wilddogs zeigen ein völlig anderes Gesicht als in Ingolstadt

Letztlich war es genau das, was die Wilddogs wollten: Wiedergutmachung für die 0:48-Klatsche, die sie im ersten Relegationsspiel gegen Ingolstadt bekommen hatten. Für die sorgten sie eindrucksvoll.

Gleich in ihrem ersten Drive spielten sich die Pforzheimer bei ihrer Premiere im Brötzinger Tal bis kurz vor die Endzone der Gäste. Anstatt im vierten Versuch die einfacheren drei Punkte durch ein Field Goal mitzunehmen, gingen die Wilddogs auf den Touchdown – sollten ihn allerdings nicht schaffen.

Trotzdem ließen sie sich nicht von ihrem Weg abbringen. So legte Runningback Quinton Brown im zweiten Viertel einen Lauf über 65 Yards hin. Da auch der Extrapunkt glückte, gingen die Gastgeber mit 7:0 in Führung.

Wenn nur noch 30 Sekunden auf der Uhr stehen, müssen wir das cleverer machen.
Michael Lang, Cheftrainer der Wilddogs

Die Wilddogs blieben am Drücker, kamen kaum in Verlegenheit und erhöhten wenig später auf 13:0. Das Blatt aber sollte sich noch vor der Halbzeit langsam wenden. Wenige Sekunden vor der Pause marschierte Gießen zu seinem ersten Touchdown.

Für Michael Lang war es am Ende der entscheidende Moment. „Wenn nur noch 30 Sekunden auf der Uhr stehen, müssen wir das cleverer machen“, sagt er. „So kurz vor der Halbzeit war das ein denkbar schlechter Zeitpunkt, um Punkte zu kassieren.“

Gießen Golden Dragons ziehen das Momentum auf ihre Seite

Tatsächlich kamen die Dragons anschließend mit Rückenwind aus der Kabine und stellten das Spiel mit ihrem Touchdown durch Quarterback AJ Springer plus Extrapunkt zum 14:13 auf den Kopf.

Volles Haus: Theo Michel (am Ball) hat mit den Pforzheim Wilddogs gekämpft bis zum Umfallen und den Zuschauern bei ihrer Premiere im Brötzinger Tal ein Spektakel geboten. Foto: Harry Rubner

Pforzheim konterte noch im dritten Viertel zum 19:14 – es sollten allerdings ihre letzten Punkte der Partie sein. Gießen spielte sich unterdessen noch einmal in Pforzheims Endzone vor und stellte auf 20:19. Zwar blieb es bis zur Schlussminute spannend, diese aber ließen die Gießener am Ende jubelnd herunterlaufen.

„Wir weiten die 24-Stunden-Regel, in der man glücklich oder traurig sein darf, ausnahmsweise auf 48 Stunden aus“, resümierte Lang etwas müde lächelnd.

Wilddogs-Vorsitzender lenkt den Fokus auf das Positive

Kai Höpfinger hingegen war der Stolz auf das gesamte Team und den Staff schon anzusehen – und das war bei der bitteren Niederlage der süße Teil des Nachmittags.

Wir haben unser Potenzial gezeigt und Begeisterung entfacht.
Kai Höpfinger, Vorsitzender der Wilddogs

„Es war ein einzigartiges Spiel und eine tolle Plattform. Wir sind der Stadt und dem CfR dankbar, dass wir hier spielen durften“, sagte er. „Wir haben unser Potenzial gezeigt und Begeisterung entfacht.“

Zumal ein kleiner Blick in die Vergangenheit Mut macht für das, was kommen könnte. 2017, als die Pforzheim Wilddogs erstmals um den Aufstieg in die GFL 2 gespielt hatten, sei man nicht einmal konkurrenzfähig gewesen, meinte Lang. „Dieses Mal waren wir es aber. Und Straubing, gegen die wir damals gespielt hatten, hat drei Anläufe gebraucht, um aufzusteigen. Vielleicht ist das bei uns ja genauso: Beim dritten Mal wird’s was.“

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