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Karlsruher Zweitliga-Basketballer starten in neue Runde

PSK Lions vor dem Saisonauftakt: Kleines Rudel mit viel Erfahrung

Am Wochenende starten die Zweitliga-Basketballer der PSK Lions mit einem fast rundum erneuerten Team in die Saison. Am Ende einer schwierigen Kaderplanung freuten sich die Karlsruher über zwei „Schnäppchen“.

Letzte Anweisungen: Lions-Trainer Samuel DeVoe bei der Generalprobe des Karlsruher Basketball-Zweitligisten, die gegen Münster verloren ging. Foto: Helge Prang/GES

Es ist gut drei Wochen her, da war Danijel Ljubic mit den Nerven kurzzeitig ziemlich am Ende. Die durch die Corona-Auswirkungen ohnehin spezielle Saison- und Kaderplanung hatte da gerade eine so kuriose wie bittere Wendung für die PSK Lions genommen.

Ljubic, Basketball-Abteilungsleiter beim PSK und treibende Lions-Kraft, freute sich über den vermeintlichen „Königstransfer“, als Adam Touray urplötzlich seine Meinung änderte. Der Ex-Schalker hatte im Sommer einen Tryout-Vertrag beim Erstligisten und Vize-Meister Ludwigsburg unterzeichnet.

Als die Schwaben den Kontrakt im September auflösten, unterschrieb Touray kurz danach bei den Lions - nur um dann fast postwendend wieder abzusagen. Nach seinem geplatzten Bundesliga-Wechsel spielte der Center mit dem Gedanken, ganz aufzuhören, sagt Ljubic.

Kader-Arbeiten als Geduldsspiel

Das Geduldsspiel bei den Puzzle-Arbeiten für den Kader, mit dem die Trainer Drazan Salavarda und Samuel DeVoe am Samstag (19.30) gegen die Artland Dragons in die neue Saison starten, ging also weiter. „Du musst da auch zocken“, hatte Ljubic schon im Sommer angesichts eines diffusen Marktes festgestellt.

Und er hatte dann doch noch ein glückliches Händchen, die Transferbemühungen der Karlsruher endeten jedenfalls mit zwei „Schnäppchen“ (Ljubic): Center Adam Pecháček und Power Forward Kavin Tilbury. Zwei Akteure, „die wir nur coronabedingt bekommen haben“, sagt Ljubic mit Blick auf die vielerorts knapp bestückten Club-Kassen.

Trainer überzeugt: Mannschaft kann positiv überraschen

Pecháček und Tilbury waren die beiden letzten Verpflichtungen und sie beruhigten die zwischenzeitlich angeschlagenen Nervenkostüme der Lions-Verantwortlichen mehr als nur ein bisschen. „Die Mannschaft ist für eine Überraschung gut“, sagt US-Coach DeVoe und meint: positive Überraschung. „Wir haben eine Gruppe von Spielern zusammen, die Sieger-Mentalität mitbringt. Und auch die Team-Chemie passt“, stellt DeVoe fest.

Festhalten lässt sich vor dem ersten Anwurf zumindest, dass die erneut fast ganz neu aufgestellten Lions anders als vor einem Jahr viel Erfahrung aufs Parkett bringen. Der 26 Jahre alte Tilbury war beim Ligakonkurrenten Chemnitz „überragend“, den 25 Jahre alte Tschechen Pecháček hatten die Lions schon 2019 auf dem Zettel, damals machte Phoenix Hagen noch das Rennen.

Der 2,06-Meter Mann kann sowohl mit Center-Kollege Maurice Pluskota, der in sein viertes Lions-Jahr geht, auf dem Parkett stehen oder eben selbst die Position unter dem Korb übernehmen.

Neuer Point Guard ist Gregory Foster

Viel Erfahrung aus vielen Ländern bringt Spielmacher Gregory Foster mit. Der 31 Jahre alte US-Amerikaner ist für das Trainer-Team, das mit Andrew Sauer (Indianapolis) verstärkt wurde, auch eine Art Coach auf dem Feld. „Er hat absolute Leader-Qualitäten“, stellen Ljubic wie DeVoe unisono fest. Auch das war eine Erkenntnis aus der Vorsaison, in die die PSK-Korbjäger mit einem Kader gegangen waren, dem es an Balance und einer Führungsfigur fehlte.

Gregory Clay Foster (Lions) im Zweikampf mit Jasper Guenther (Muenster). GES/ Basketball/ ProA: PSK Lions - WWU Baskets Muenster, 10.10.2020 -- Foto: Helge Prang/GES

Hoffnungen ruhen auch auf Shooting Guard Daniel Norl, auf den nicht nur DeVoe große Stücke hält. In der bis zum Abbruch schwierigen Vor-Saison fehlte dem Deutsch-Amerikaner zwar die Konstanz - sein Talent bewies er in einigen Partien aber sehr wohl. „Er hat einen großen Schritt nach vorne gemacht“, sagt DeVoe, dem mit Salavarda zudem in Power Forward Antonio Pilipovic und Shooting Guard Tyseem Lyles zwei weitere Profis zur Verfügung stehen, die mit den jungen Emil Marshall und Nils Schmitz für die Rotation infrage kommen werden.

Lions-Etat ist im Vergleich zur Vorsaison erneut gesunken

Klar ist aber auch: Größere Verletzungssorgen dürfen die Lions nicht treffen. Ein längerer Ausfall gerade von Foster wäre kaum zu verkraften. Dass bei der Planung auf mehr Qualität und weniger Quantität geachtet wurde, das hängt auch mit dem geringeren Etat zusammen. „Wir haben darauf geachtet, jeden Cent richtig einzusetzen“, sagt Ljubic.

Der Lions-Etat ist im Vergleich zur Vorsaison noch einmal gesunken und dürfte bei um die 500.000 Euro liegen - der Durchschnitt lag zuletzt in der Zweiten Liga bei mehr als einer Million Euro. „Wir haben ein paar Sponsoren verloren. Aber wir sind froh und dankbar, dass uns letztlich doch ein Großteil erhalten geblieben ist“, sagt Ljubic. Auch in dieser Hinsicht war Geduld gefragt: „Jeder hat ja abgewartet, wie sich die Situation entwickelt.“

Mehr Zuschauer hätte diese Mannschaft auf jeden Fall verdient
Danijel Ljubic / Abteilungsleiter PSK Lions

Wie sich die Situation angesichts der grassierenden Pandemie weiter entwickelt, ist mindestens so spannend, wie die Frage, wie stark der Lions-Kader sich im Liga-Alltag präsentiert. „Mehr Zuschauer hätte diese Mannschaft auf jeden Fall verdient“, sagt Ljubic angesichts der Corona-Beschränkungen. Gästefans sind in dieser Saison gar nicht zugelassen.

Eine der Neuen: Shooting Guard Tyseem Lyles kam vom Regionalligisten ETV Hamburg zu den PSK Lions nach Karlsruhe und will sich dort in der Zweiten Liga durchsetzen. Foto: Helge Prang/GES

Knapp 350 Zuschauer dürfen die Heimspiele in der Europahalle sehen. Rund 140 Dauerkarten setzte der Club ab, der Vorverkauf der Resttickets für Heimspiele wird immer erst am Donnerstag vor der Partie freigeschaltet. Knapp 100 Plätze sind für Sponsoren und Partner reserviert, die vergangenen Samstag exklusiv auch die Lions-Generalprobe gegen den Drittligisten Münster erlebten - und dabei die einzige Lions-Niederlage in der Vorbereitung.

Beim Gegner stand übrigens Adam Touray mit auf dem Feld: Er hat sich schließlich für die Dritte Liga und den Verein entschieden, bei dem er einst seine Karriere begonnen hatte.

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