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EM-Norm für München 2022 als Ziel

Rastatter Hürdensprinter Yannick Spissinger will sich in der nationalen Spitze etablieren

Yannick Spissinger aus dem Rastatter Stadtteil Niederbühl, der für die MTG Mannheim startet, gehört zu den besten deutschen Hürdensprintern. Der 25-Jährige sieht sein Potenzial jedoch noch längst nicht ausgeschöpft.

Technisch anspruchsvoll: Yannick Spissinger (links), der seinem Kontrahenten Gregory Minoue enteilt, sicherte sich bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund die Bronzemedaille. Foto: Axel Kohring/imago images

Spissinger – das klingt nach Murgtal. Der Name von Yannick Spissinger verrät in der Tat, wo väterlicherseits die Wurzeln liegen, nämlich in Forbach-Langenbrand.

Dass Opa Franz und Vater Peter beim dortigen Turnverein beziehungsweise bei der LAG Obere Murg erfolgreiche Leichtathleten waren, hat den Weg von Yannick Spissinger vorgezeichnet.

Am sportlichen Werdegang änderte auch die Tatsache nichts, dass Mutter Lore im heimischen Niederbühl als Handballerin aktiv war. Der Sohn zog den Individual- dem Mannschaftssport vor.

Anfänge beim Rastatter TV

Spissinger schloss sich der Leichtathletik-Abteilung des Rastatter TV an und entwickelte dort unter der Anleitung des Vaters sein Bewegungstalent, das ihn in jungen Jahren zu einem sehr guten Mehrkämpfer werden ließ.

Dass er unter anderem im Stabhochsprung beachtliche 4,85 Meter überquerte, unterstreicht die koordinativen Fähigkeiten. Die filigranen Qualitäten sind auch verstärkt im Hürdensprint gefragt, für den sich Spissinger letztlich entschieden hat.

Auf dem Weg nach oben: Yannick Spissinger, der aus den Reihen des Rastatter TV hervorgegangen ist, hat sich bei der MTG Mannheim zu einem der besten deutschen Hürdensprinter entwickelt. Foto: KJPeters/imago images

Es war eine gute Wahl, wie sich wieder einmal jüngst bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund gezeigt hat. Im Trikot der MTG Mannheim, das er seit fünf Jahren trägt, sicherte sich der 25-Jährige in 7,87 Sekunden die Bronzemedaille über 60 Meter Hürden.

Nur Erik Balnuweit (7,70, TV Wattenscheid) und Georg Fleischhauer (7,77, Eintracht Frankfurt) waren schneller.

DM-Bronzemedaille war der bislang größte Erfolg

„Das war mein bisher größter Erfolg“, sagt der angehende Industriekaufmann, der schon im vergangenen Jahr bei den nationalen Titelkämpfen mit vierten Plätzen im Freien und in der Halle seine Zugehörigkeit zum Kreis der besten deutschen Hürdensprinter dokumentiert hat.

Nach der kurzen Hallensaison gilt die Konzentration nun den Freiluft-Wettkämpfen, wobei auch diese im Zeichen von Corona stehen. „Es ist nicht sicher, was überhaupt stattfindet. Höhepunkt sind auf jeden Fall die deutschen Meisterschaften am 5./6. Juni in Braunschweig“, sagt Spissinger, der eine klare Vorgabe vor Augen hat. „Top drei“, lautet die Ansage.

Dabei hat der Schützling von Trainer Michael Manke-Reimers auch die Stoppuhr im Blick. Die persönliche Bestzeit von 14,06 Sekunden über 110 Meter Hürden soll gedrückt werden. „Nicht schlecht wäre es, gut unter die 14-Sekunden-Marke zu kommen.“

In diesem Fall könnte er auch an höhere Aufgaben denken. Es muss ja nicht gleich Olympia mit der zu erfüllenden Norm von 13,32 Sekunden sein. Nicht unrealistisch erscheint es indes, die Qualifikation für die Europameisterschaften in Angriff zu nehmen, die im nächsten Jahr in München stattfinden.

EM liegt bei 13,60 Sekunden

Die EM-Norm steht bei 13,60 Sekunden. „Mein Ziel ist, schon in dieser Saison möglichst nahe an diese Zeit heranzukommen“, meint er. Insofern ist 2021 ein Jahr, in dem Spissinger ohne den großen Erfolgsdruck daran arbeiten will, zur absoluten deutschen Spitze aufzuschließen.

Ich denke, das beste Alter liegt zwischen 27 und 30.
Yannick Spissinger, Hürdensprinter

Musste er in den Jahren 2017 und 2018 verletzungsbedingt kürzertreten, sieht er sich momentan auf einem guten Kurs. Zumal er die erfolgversprechendsten Jahre eines Hürdensprinters noch vor sich hat.

„Ich denke, das beste Alter liegt zwischen 27 und 30“, schätzt Spissinger, der neben seinen Aktivitäten im Verein einmal wöchentlich bei Landestrainer Marlon Odom am baden-württembergischen Stützpunkt in Stuttgart zugange ist.

Die positive Leistungsentwicklung führt er einerseits auf Veränderungen im Trainingsaufbau zurück, andererseits auf eine Umstellung in den Essgewohnheiten.

Spissinger: „Ich habe mich in den vergangenen eineinhalb Jahren eingehend mit dem Thema Ernährung beschäftigt und weiß jetzt, was mein Körper wann braucht. Das Wichtigste ist dabei ein ausgewogener Ernährungsplan, den ich mir angeeignet habe.“ Mit dem erfreulichen Resultat, dass die Verletzungsanfälligkeit drastisch gesunken ist.

Endlauf bei der DM in Dortmund verlief nicht optimal

Peter Spissinger, der die Laufbahn seines Sohnes auch nach dessen Umzug nach Mannheim aufmerksam verfolgt und begleitet, lässt keinen Zweifel daran, dass „da noch Reserven schlummern“.

Die Videoaufzeichnungen vom Endlauf in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle hat er sich genau angeschaut und festgestellt: „Das war alles andere als optimal.“ Der Schluss daraus: „Es ist ganz sicher noch Steigerungspotenzial vorhanden.“

Derweil geht Yannick Spissinger fokussiert seine Ziele an und lässt sich dabei auch von den aktuellen coronabedingten Einschränkungen nicht aus der Ruhe bringen.

„Neben dem ausgefüllten Arbeitsalltag und dem täglichen Training habe ich gar keine Zeit, darüber nachzudenken“, sagt er. Außerdem: „Es ist ein großes Glück, dass wir trainieren dürfen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir uns damit in einer privilegierten Situation befinden und dafür bin ich dankbar.“

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