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Erfolgsmodell mit Alleinstellungsmerkmal

Warum die SG Pforzheim/Eutingen seit Jahren mit ihrer Nachwuchsarbeit glänzt

Zwischen zahlreichen Jugendteams von etablierten Erst- und Zweitligisten trumpft die SG Pforzheim/Eutingen Jahr für Jahr in der Jugend-Bundesliga Handball (JBLH) groß auf. Erfolgsfaktoren sind gleich mehrere auszumachen.

Echte Macher: Alexander Lipps (blaues Poloshirt) und sein Co-Trainer Markus Rauch (links daneben) führen de SG-A-Junioren seit Jahren zu Top-Resultaten. Derzeit führen sie die Tabelle der Südstaffel der JBLH an. Foto: Harry Rubner

Ein einziger Blick auf die Tabelle der Südstaffel der Jugend-Bundesliga Handball (JBLH) reicht aus, um eine Besonderheit zu erkennen. Zwischen zahlreichen etablierten Bundesligisten im Aktivenbereich – den Rhein-Neckar Löwen, dem TV Bittenfeld (TVB Stuttgart) oder auch Frisch Auf Göppingen – steht seit Jahren ein Name, der heraussticht: nämlich der, der SG Pforzheim/Eutingen. Und momentan, da die Saison coronabedingt unterbrochen ist, führt genau dieser Name die Tabelle an.

Es ist ein Erfolgsmodell, das sich die SG über die vergangenen Jahre hinweg erarbeitet hat. Es ist jedoch gleichzeitig das Ergebnis konsequenter Arbeit und kompromissloser Anpassungsfähigkeit an die Dynamik, der der Sport unterworfen ist. „Wir haben unsere Nische gefunden“, sagt Alexander Lipps mit fester Stimme, „und ich denke, wir haben uns inzwischen einen Namen erarbeitet“.

Professionalisierte Strukturen

Lipps ist seit 2011 hauptamtlicher Jugendkoordinator der SG Pforzheim/Eutingen, trainiert sowohl die A-Jugend als auch die erste Mannschaft in der Dritten Liga Süd, ist Teil des Vereins, seitdem er denken kann. Und er ist ein großes Puzzleteil im Gesamtkunstwerk, das den Erfolg der SG-Nachwuchsarbeit ausmacht.

Allein, auch das steht fest, lässt sich ein solches Konstrukt allerdings nicht auf die Beine stellen. „Ein Faktor ist sicherlich die Tatsache, dass wir sehr viel Konstanz in unserer Jugendarbeit und eingespielte Trainerteams haben“, betont Lipps.

Beate Lupus und Alexander Bossert, die beide ebenfalls seit Jahren im Verein engagiert sind, bilden gemeinsam mit Lipps als Jugendleiter-Dreigestirn und zahlreichen weiteren Trainern das Grundgerüst der Nachwuchsförderung.

Ein Faktor ist sicherlich die Tatsache, dass wir sehr viel Konstanz in unserer Jugendarbeit und eingespielte Trainerteams haben.
Alexander Lipps, Jugendkoordinator und Trainer der SG Pforzheim/Eutingen

Und die beginnt ganz unten: Die SG setzt im Kindergartenalter an, unterhält aber nicht nur mit Kindergärten, sondern auch mit Grundschulen zahlreiche Kooperationen, um einen möglichst breiten Stamm an jungen Spielern mit Potenzial für den Handballsport zu begeistern. „Man sagt nicht umsonst so schön, die besten Trainer müssen unten bei den Jüngsten sein“, so Lipps.

„Die Kinder sollen von klein auf eine gute Ausbildung genießen, sich aber in diesem jungen Alter noch nicht entscheiden müssen“, betont Lipps. Schließlich würden viele Kinder noch andere Sportarten betreiben, oft ist es der Fußball. Das aber, so die Auffassung bei der SG, soll sich in jungen Jahren noch nicht gegenseitig im Weg stehen.

Leistungsgedanke ist früh Thema

Gleichwohl ist der Leistungsgedanke bei der SG Pforzheim/Eutingen von Beginn an präsent. Auch wenn das von außen, so Lipps, ab und an auch für Kritik sorge – beispielsweise dann, wenn ein Spiel 40:5 ausgeht. An deutliche Spiele kann sich auch Nico Schöttle erinnern.

Der 17-Jährige stammt aus Birkenfeld, wechselte in der E-Jugend zur SG, nachdem sein älterer Bruder bereits zwei Jahre zuvor den Weg Richtung Eutingen eingeschlagen hatte. „Die Jugendarbeit der SG hat ja schon seit Jahren einen extrem guten Ruf, das weiß man natürlich“, erklärt Schöttle, „gerade wenn man höherklassig und professionell spielen möchte, ist das hier im Kreis die beste Adresse“.

Gerade wenn man höherklassig und professionell spielen möchte, ist die SG hier im Kreis die beste Adresse.
Nico Schöttle, A-Jugend-Spieler der SG Pforzheim/Eutingen

Deshalb sei für ihn auch nie in Frage gekommen, an ein Internat oder Nachwuchsleistungszentrum zu wechseln, obwohl es bei seinem Talent sicherlich eine Option gewesen wäre. Denn Schöttle steht nicht nur in der Torschützenliste der Südstaffel der JBLH derzeit ganz oben, er spielt seit dieser Saison zudem mit der Ersten Mannschaft in der Dritten Liga Süd und nahm bereits an Lehrgängen der U19-Nationalmannschaft teil.

„Ein Wechsel stand für mich aber tatsächlich nie zur Debatte, weil einfach nichts dafür gesprochen hat“, sagt er. „Ich habe mit der SG immer in den höchstmöglichen Ligen gespielt, konnte bei meiner Familie bleiben und mein Umfeld, meine Freunde behalten“, so der 17-Jährige. Es ist eine Art Alleinstellungsmerkmal – zumindest wenn man die Namen in der oberen Tabellenhälfte der JBLH-Staffeln betrachtet.

Familiäre Verhältnisse

Genau dieser Umstand und das Familiäre im Verein selbst birgt jede Menge Chancen, das sieht auch Lipps. „Unsere Spieler kommen inzwischen aus einem Radius von 40, 50 Kilometern rund um Pforzheim“, sagt er. „Wir haben viele Spieler aus dem Karlsruher Raum, aber auch einige Talente aus der Rastatter Gegend, teilweise aus der Pfalz.“

Ob man dann aber nicht in Konkurrenz mit den Rhein-Neckar Löwen und deren Leistungszentrum gerät? „Im untersten Bereich vielleicht“, sagt Lipps, „wenn wir Richtung B- und A-Jugend blicken aber nicht.

Da fischen wir nicht mehr im gleichen Teich“, erklärt er. „Wir sind auch für diejenigen eine Option, die hochklassig Handball spielen, aber nicht zwangsläufig in den Profibereich, die Erste oder Zweite Bundesliga, wollen – auch wenn das natürlich möglich ist“, sagt Lipps.

Lange Liste an Erfolgsgeschichten

Dass dem tatsächlich so ist, das zeigt eine lange Liste an ehemaligen SG-Spielern, die den Sprung geschafft haben: Ob Patrick Groetzki, Jannik Hofmann oder auch Sascha Pfattheicher – in der Vita all dieser Spieler taucht Pforzheim als Station auf. Es ist das Resultat harter und konsequenter Arbeit. Und die trägt kontinuierlich Früchte.

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