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Nach zunehmenden Corona-Fällen

Spielbetrieb in der Fußball-Oberliga droht zur Lotterie zu werden

Die Vorfreude auf die neue Spielzeit in der Fußball-Oberliga war groß. Doch der Ist-Zustand ist ernüchternd. Schon früh in der Saison sorgen Corona-Fälle für Chaos.

Auf dem Boden der Tatsachen: Während Eray Gür (rechts) und der FC Nöttingen in der Fußball-Oberliga bislang von positiven Corona-Fällen verschont geblieben sind, hat der SV Linx bereits einige Nachholpartien zu bestreiten. Foto: Harry Rubner

Die Mannschaft des SV Linx befand sich am vergangenen Samstag schon auf der Autobahn in Richtung Stuttgart, als den Verein die Nachricht des für die Fußball-Oberliga zuständigen Württembergischen Fußball-Verbandes (wfv) ereilte: Die Partie beim SGV Freiberg muss ausfallen.

Bei den Südbadenern hatte es neben einem bestätigten Corona-Fall auch einige Verdachtsfälle im Kader gegeben. Inzwischen sind drei Spieler positiv getestet worden. Zweieinhalb Stunden vor dem Anpfiff hieß es also auch für die Freiberger Spieler: Die Sporttasche kann zu Hause bleiben.

Einen Tag zuvor hatte es bereits den FC Villingen erwischt. Am Freitagabend kam die Nachricht, dass die geplante Samstags-Partie beim SSV Reutlingen aufgrund mehrerer Fälle bei den Schwarzwäldern nicht angepfiffen werden kann. Mittlerweile gibt es drei bestätigte Corona-Fälle und zwei weitere Verdachtsfälle.

Corona-Fälle in der Fußball-Oberliga beim FC Villingen und SV Linx

Wiederum zwei Tage vorher, bei der 0:3-Niederlage gegen den SGV Freiberg, war noch gespielt worden, nachdem dienstags die gesamte Villinger Oberligamannschaft getestet worden war. Erst nach dem Freiberg-Spiel sollen weitere Corona-Verdachtsfälle hinzugekommen sein, sodass die Ligakommission beschloss, die Begegnung in Reutlingen abzusetzen.

Ich will nicht jammern, aber die ganze Situation in der Oberliga ist ja schon wieder auf dem Weg zu einer Farce.
Mirko Schneider, Trainer des 1. FC Bruchsal

In der Tabelle ist längst ein schiefes Bild entstanden. Clubs wie der SSV Reutlingen haben erst fünf, andere Vereine alle neun Spiele bestritten. Der FV Lörrach-Brombach hat seit drei Wochen kein Punktspiel mehr absolviert. Und die Linxer sind mit ihren Auswärtsspielen in Göppingen, Stuttgart und Freiberg schon jetzt unter der Woche dreimal auf Reisen.

Auch der 1. CfR Pforzheim muss sein Spiel in Lörrach-Brombach am Dienstagabend, 28. September (18 Uhr), nachholen. „Ich will nicht jammern, aber die ganze Situation in der Oberliga ist ja schon wieder auf dem Weg zu einer Farce“, sagt Mirko Schneider, Trainer des 1. FC Bruchsal. Torsten Heinemann, Vorstand Sport beim CfR, hofft, die momentane Situation durch mehr Impfungen „vielleicht irgendwann in den Griff“ kriegen zu können. „Es bleibt spannend. Wir waren zum Glück noch nicht betroffen. Aber wir müssen es letztendlich nehmen, wie es kommt.“

Drohen Vereinen in der Fußball-Oberliga mit vermehrt auftretenden Corona-Fällen Punktabzüge?

Kritisiert wird von einigen Vereinen zudem die Kommunikation von Verbandsseite aus. Häufig sei nicht klar, wer was an wen melden müsse und wie letztendlich entschieden werde.

Der Verband soll zudem offenbar vor der Saison betont haben, die Spiele unbedingt durchbringen zu wollen. Die Vereine hätten dafür zu sorgen, dass sich Spieler impfen lassen. Ansonsten könnten, bei zunehmenden coronabedingten Spielausfällen, Punktabzüge drohen.

Vereinsvertreter in Sachen Impfungen unterschiedlicher Meinung

Eine Aussage, die nicht überall gut ankam. So mancher Vereinsvertreter in der Fußball-Oberliga spricht von einer verkappten Impfpflicht.

Mirko Schneider hingegen findet: „Wenn man nicht genügend geimpfte Spieler in seiner Mannschaft hat und deswegen mit zehn Mann in Quarantäne muss, dann sollte man sich überlegen, ob man solchen Mannschaften nicht auch einmal Punkte aberkennen sollte.“

Auch bereits geimpfte Spieler können sich infizieren und andere Teammitglieder anstecken

Dirk Steidl, der Vorsitzende und Gesamt-Geschäftsführer des FC Nöttingen, geht trotz des frühen Corona-Chaos davon aus, dass die Saison normal zu Ende gespielt wird.

„Aber es ist eine schwierige Zeit“, sagt er. Schließlich könnten sich nicht nur ungeimpfte Spieler und Betreuer, die sich dann in Quarantäne begeben müssen, mit dem Virus infizieren, sondern auch bereits geimpfte Akteure. Und auch diese könnten andere wieder anstecken – egal ob im Training, in der Kabine oder im privaten Bereich.

Es wird immer Situationen geben, wo Vereine nicht alles perfekt umsetzen können.
Dirk Steidl, Vorsitzender und Gesamt-Geschäftsführer des FC Nöttingen

„Das ganze Konzept ist nicht immer zu 100 Prozent zu handhaben. Es wird immer Situationen geben, wo Vereine nicht alles perfekt umsetzen können“, sagt Steidl. „Da geht es mehr um Glück oder Pech, ob Clubs betroffen sind oder nicht.“

Es ist eine Lotterie.
Dirk Steidl, Vorsitzender und Gesamt-Geschäftsführer des FC Nöttingen

Wenn Vereine in der Fußball-Oberliga ihre Spieler freitags, also vor Samstagsspielen, testen, ist die Situation – gerade mit Blick auf die Erreichbarkeit der Gesundheitsämter – eine andere als bei Testungen an einem Dienstag, wo frühzeitig entschieden werden kann, wer sich in Quarantäne begeben muss.

„Kein Verband übernimmt für solche Dinge die Verantwortung“, betont Steidl. „Man kann sich noch so gut vorbereiten und noch so viel unternehmen – alles kann innerhalb eines Tages schon wieder ganz anders aussehen. Es ist eine Lotterie.“

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