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Sportvereinen macht Pandemie zu schaffen

Das Ehrenamt leidet unter dem Coronavirus

Unter Corona-Bedingungen geht bei Sportvereinen die Sorge um, dass die wenigen Funktionsträger die Lust verlieren könnten.

Die Spieler des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC zeigten am 11. Dezember 2020 im Training Flagge für das Ehrenamt mit dem DFL/DFB-Banner. Foto: Helge Prang GES/Helge Prang

„In diesen Zeiten ist Ehrenamt Krisenmanagement-Amt. Die Hoffnung nicht aufgeben, ist für uns Ehrenamtliche das Eine, der Erhalt der sehr guten Strukturen der Vereinslandschaft das Andere. Gerechtfertigt ist alle Unterstützung, sei es von privater, sei es von öffentlicher Seite.“

Das sagte Martin Lenz, Präsident des Badischen Sport-Bunds, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die größte Anerkennung geht von den Mitgliedern aus, die zu ihren Vereinen und damit zu den Ehrenamtlichen stehen.“

Es war eine erstaunliche Anzahl an Gästen, die DFB-Präsident Fritz Keller am 2. Dezember 2020 bei seinem Videocall aus der Verbandszentrale begrüßen konnte. 37 Journalisten hatten sich zugeschaltet, doch deren Erwartung wurde enttäuscht.

Statt den Teilnehmern reinen Wein einzuschenken zu seinem abgekühlten Verhältnis mit Bundestrainer Joachim Löw, beschränkte sich der Winzer vom Kaiserstuhl auf den eigentlichen Anlass der Veranstaltung, der ohne die DFB-Querelen geringeres Interesse hervorgerufen hätte. So aber bekam das Thema Ehrenamt den gebührenden Grad an Aufmerksamkeit.

Wertschöpfung durch Ehrenamtliche im Amateurfußball: 2,18 Milliarden Euro

Keller und Uefa-Vizepräsident Karl-Erik Nilsson präsentierten beeindruckende Zahlen. Knapp 1,7 Millionen Menschen engagieren sich in den 24.500 deutschen Amateurfußballvereinen mit fast 7,2 Millionen Mitgliedern ehrenamtlich oder freiwillig.

Laut einer wissenschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse beträgt die soziale und ökonomische Wertschöpfung des Amateurfußballs 13,9 Milliarden Euro pro Jahr. Bei marktgemäßer Entlohnung summiere sich allein der Wert der Arbeit der im Fußball ehrenamtlich Engagierten auf jährlich 2,18 Milliarden Euro.

Auch der Deutsche Olympische Sport-Bund kennt Zahlen. Von den rund 27 Millionen Mitgliedern unterm Dach des DOSB engagieren sich etwa acht Millionen Freiwillige, davon haben 750.000 ein Amt auf Vorstandsebene inne und 950.000 bringen sich als Übungsleiter oder Platzwarte ein.

Die übrigen Freiwilligen helfen punktuell mit. Laut den Sportentwicklungsberichten der Deutschen Sporthochschule arbeiten Ehrenamtliche im Sport deutschlandweit monatlich 10,8 Millionen Stunden. Eine Entlohnung von 15 Euro pro Stunde zugrunde gelegt, kommt die Studie zu einer jährlichen Wertschöpfung von knapp 4,3 Milliarden Euro.

300.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Monat in der Sportregion

In den baden-württembergischen Sportvereinen sind 245.000 Mitglieder ehrenamtlich und durchschnittlich 13 Stunden pro Monat tätig. Weitere 900.000 Menschen helfen sporadisch mit. Bezogen auf die Sportkreise Karlsruhe, Bruchsal und Pforzheim-Enzkreis erbringen rund 20.000 Mitglieder pro Monat 300.000 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit.

Es sind all dies Daten aus einer Zeit vor Corona. Wegen der beiden Lockdowns und weiterer Restriktionen mussten auch die Vereins-Freiwilligen ihre Ämter wochenlang ruhen lassen.

Aus Sorge, dass sich die Pandemie negativ auf die ohnehin rückläufige Zahl an Ehrenamtlichen auswirken könnte, appellierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann im Herbst per offenem Brief an die im Sport Engagierten: „Bitte bleibt mit uns zusammen aktiv, die E-Jugendgruppe gleichermaßen wie die Seniorensportler und alle diejenigen, die vom Sport profitieren brauchen Euch gerade in Zeiten wie diesen mehr denn je.“

Florian Dürr, beim Badischen Sport-Bund für den Bereich Ehrenamt zuständiger Mitarbeiter, sagt: „Im und nach dem ersten Lockdown war die Kreativität und das Verantwortungsbewusstsein der Vereinsvertreter und Vertreterinnen bewegend und sehr beeindruckend. Der neuerliche Lockdown hat aber bei aller Akzeptanz der politischen Entscheidungen erkennbar zu Frust und Sorgen geführt.“

Ehrenamtliche zu gewinnen ist für viele Vereine ein existenzielles Problem

Stefan Habermann, der Vorsitzende des FC Untergrombach fasst die Sorgen nicht weniger Kollegen in Worte: „Als die Leute beim ersten Lockdown zwei Monate lang weg waren, war es gar nicht so einfach für sie, sich wieder rein zu finden. Da hat sich so mancher die Frage gestellt: Muss ich mir die Arbeit wieder antun? Jetzt dürfte es noch schwieriger werden, die Leute bei der Stange zu halten.“

Und die Bindung und Gewinnung von Ehrenamtlichen hatte zuvor schon 16 Prozent der Vereine so schwer zu schaffen gemacht, dass sie von einem existenziellen Problem berichteten.

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