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Bunte Schlägerbeläge erlaubt

Tischtennis wird bunter, doch nicht allen gefällt das

Seit 1986 ist vorgeschrieben, dass ein Tischtennisschläger einen roten und einen schwarzen Belag haben muss. Ab dem kommendem Jahr dürfte es hier bunter werden, denn der Weltverband erlaubt nun auch andere Farben.

Der Klassiker: Aktuell ist der rote Belag Standard. Das wird sich zukünftig ändern. Bälle in Orange sorgen schon länger für Farbtupfer. Foto: David Kluthe/dpa

Egal wie gut oder schlecht Tischtennisspieler bislang waren. Ob sie Angriff oder Verteidigung spielten, ob im Penholder- oder Shakehand-Spielstil, eines hatten alle gemeinsam: Die eine Schlägerseite war schwarz, die andere rot. So stand es geschrieben, seit den 80er-Jahren in den Regularien des Weltverbandes ITTF.

Das wird sich 2021 ändern. Voraussichtlich ab Oktober darf neben einem schwarzen Belag, der weiterhin Pflicht ist, auf der anderen Schlägerseite jede beliebige andere Farbe verwendet werden, sofern sie sich vom Ball unterscheidet und nicht zu dunkel ist. Nachdem vor einigen Jahren bereits orangene Bälle erlaubt wurden, wird der Tischtennis-Sport also noch bunter.

Wahrscheinlich war da wieder einem Sport-Funktionär langweilig.
Andreas Müller, Spieler beim TSV Karlsdorf

Während sich zahlreiche Spieler bereits freuen, das Spielgerät farblich mit den Schuhen abzustimmen oder die Kelle in ihren Vereinsfarben zu bekleben, gibt es auf der anderen Seite auch Vorbehalte gegen die neuen Möglichkeiten. „Ich persönlich halte nicht viel davon“, sagt Andreas Müller, der in der Badenliga für den TSV Karlsdorf an der Platte steht: „Da war wahrscheinlich wieder einem Sportfunktionär langweilig“, mutmaßt er sarkastisch.

Bleibt bei rot: Andreas Müller (links) vom TSV Karlsdorf, hier im Doppel mit seinem Teamkollegen Martin Stusek. Foto: Simone Kochanek

Zum einen sei aus sportlicher Sicht überhaupt kein Nutzen erkennbar und zum anderen glaubt Müller auch nicht, dass die Maßnahme imagetechnisch irgendetwas für den Sport bringt. Im Gegenteil: „Für mich kommen wir da eher wieder auf Schwimmbad-Niveau, wo mit dem bunten Schläger auf der Steinplatte gespielt wird“, findet der Karlsdorfer: „Die Sinnhaftigkeit fehlt mir da komplett.“

In den unteren Spielklassen dürfte das Interesse größer sein

Christian Back, Spielertrainer des TTC Odenheim in der Oberliga, glaubt nicht, dass sich bunte Schlägerbeläge in der breiten Masse durchsetzen. „Als Spaß in den unteren Ligen kann ich mir das schon vorstellen“, sagt er. Gerade in den höheren Spielklassen hätten die Sportler ihr Material aber sorgfältig ausgewählt. Dass jeder Belag bald in jeder beliebigen Farbe erhältlich sein wird, steht ohnehin nicht zu erwarten. „Für die allermeisten bei uns im Verein ist das kein Thema“, schätzt Back.

Eher zwiegespalten ist der Vorsitzende des Tischtennisbezirks Bruchsal, Alexander Schuhmacher, der in Kirrlach einen Tischtennis-Shop betreibt. „Aus Händlersicht kann ich sagen, dass sich die Freude darüber in Grenzen hält. Mehr Artikel bedeuten gleichzeitig einen höheren Lagerbedarf. Wir können sicher nicht alles vorhalten. Außerdem haben wir ja keine Ahnung, wie die Nachfrage sein wird“, sagt er.

Neuerung könnte für Schmunzeln in den Hallen sorgen

Von einigen habe er aber schon gehört, die sich darauf freuen, mit einem andersfarbigen Belag zu spielen. „Die Neuerung wird schon für das ein oder andere Schmunzeln in den Hallen sorgen“, glaubt Schuhmacher. Für sich selbst schließt er auch nicht aus, mal was anderes zu probieren, auch wenn ihm persönlich die Farben rot und schwarz weiter gereicht hätten.

Um Kritiker zu besänftigen, hat der ITTF in seiner Begründung bereits vorgebaut. Es handele sich keinesfalls um eine Ablösung der roten Farbe, sondern nur um ein zusätzliches Angebot, heißt es da. So sieht es auch Andreas Müller vom TSV Karlsdorf, der von der Regeländerung ansonsten nicht viel hält: „Es ist ja niemand gezwungen, mit einem pinken oder neongrünen Belag zu spielen“, sagt er.

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