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European League of Football

Vier Karlsruher Ex-Footballer suchen ihr Glück im ELF-Team Stuttgart Surge

Von unterklassigen Clubs in die European League of Football: Vier ehemalige Spieler der KIT Engineers und der Baden Greifs haben es ins Team der Stuttgart Surge aus der neuen Profiliga ELF geschafft. Sie sehen sich auf einer Mission und mancher träumt gar vom Sprung in die NFL.

Drei-, viermal die Woche treffen sich am Parkplatz an der Autobahnausfahrt Karlsbad kräftige Kerle. Mit ihren breiten Schultern könnten es Möbelpacker sein, die sich hier regelmäßig einfinden. Tatsächlich haben aber drei Footballspieler jeden Donnerstag, Freitag und Samstag eine Verabredung am Rande der A8, um nach einem kurzen Stopp gemeinsam nach Stuttgart zu pendeln.

In Fahrgemeinschaft nach Degerloch

Marvin Pludra aus Karlsruhe, der aus Gaggenau stammende Dennis Gratza und der Bruchsaler Serdar Kiraz bilden die Respekt einflößende Fahrgemeinschaft. Für den früheren Freiburger Felix Haufe als viertem im Bunde aus der Fächerstadt ist im Kleinwagen kein Platz.

„Zusammen mit unserer Ausrüstung wäre es dann doch zu kuschelig“, erklärt Gratza, warum der 135-Kilo-Koloss in einem separaten Auto fährt. Das Ziel ist das gleiche: der Sportplatz unterm Fernsehturm in Degerloch – und ein Stammplatz im Team von Stuttgart Surge aus der neu gegründeten European League of Football (ELF).

Quartett hat in Karlsruhe Football gespielt

Das Quartett hat eine gemeinsame Vergangenheit, alle vier Kraftpakete haben in Karlsruhe American Football gespielt: Pludra und Kiraz bei den Badener Greifs, Gratza und Haufe bei den KIT Engineers. Als sich ihnen die Chance bot, statt unterklassig auf deutlich höherem Leistungslevel dem Ei nachzujagen, haben sie buchstäblich zugegriffen.

Gratza spricht auch für die Kollegen, wenn er sagt, dass er sich bei der so genannten „Combine“, dem Rekrutierungs-Wettbewerb des neuen Stuttgarter Clubs Anfang des Jahres 2021, empfehlen konnte. „Dafür habe ich aber auch viel trainiert“, betont Gratza. Als Berufssportler war ihm das auch während des Lockdowns möglich.

Surge statt Scorpions

Eigentlich hatte sich der 26 Jahre alte Linebacker, der von 2016 bis 2019 bei den Engineers die gegnerischen Angreifer stoppte, nach der pandemiebedingten Absage der vergangenen Saison auf seine ersten Spiele im Trikot der Stuttgart Scorpions aus der German Football League (GFL) vorbereiten wollen.

Doch dann wurde mit Unterstützung der National Football League (NFL) aus den USA die Europaliga eingeführt, die auch in Stuttgart einen Standort etablierte. Nach Differenzen mit der Scorpions-Führung wurde die Surge gegründet – der Name lässt sich mit Spannungsstoß übersetzen. Zahlreiche Spieler der Scorpions und potenzielle Zugänge des GFL-Vereins wie Pludra wechselten dann zur Surge, um bei der Nachfolge-Liga der ehemaligen NFL Europe ihr Glück zu versuchen.

NFL Kooperationspartner der ELF

Die ELF, in der neben sechs deutschen Mannschaften auch Teams aus Barcelona und Warschau spielen, ist Kooperationspartner der NFL. Die Spiele werden professionell vermarktet, im Fernsehen übertragen und von den Scouts des US-Unternehmens ausgewertet. Pludra, der von 2012 bis 2020 als Tight End bei den Greifs angriff, hofft insgeheim auf die ELF als Sprungbrett. „Die NFL ist schon der größte Traum. Da so nah dran zu sein, ist unglaublich“, schwärmt der 20-Jährige, der 117 Kilo auf 1,99 Meter verteilt.

An die theoretische Möglichkeit einer Karriere in der reichsten Liga der Welt denken Kiraz, Gratza und Haufe weniger. Sie sehen sich eher auf einer Mission. Die German Football League sei sportlich auch attraktiv. „Aber die Vision der ELF ist viel ansprechender. Wir sind die Pioniere der Liga und wollen dieser Verantwortung gerecht werden“, sagt der 27 Jahre alte Kiraz. Der Running Back, der von 2015 bis 2019 das Greifs-Trikot getragen hat, betont: „.Wenn ich die Möglichkeit habe, Teil von etwas Großem zu werden, mache ich da gerne mit.“

Schneller, athletischer, interessanter

Mit seinen 27 Jahren ist Ex-Engineer Haufe schon ein alter Hase. Er lobt wie die Kollegen die Qualität der ELF-Teams im Vergleich zu den dritt- oder viertklassigen Mannschaften: „Die Leute sind besser, größer, stärker und das Spiel ist schneller, viel athletischer und interessanter.“

Haufe erklärt: „Wir haben jetzt die Chance, den Sport in Europa weiterzubringen.“ Für sich selbst hat sich der Mann aus der Defensive Line zum Ziel gesetzt, „ein besserer Spieler zu werden und mit der Aufgabe zu wachsen“.

Saisonstart mit Sieg und Niederlage

Kollege Gratza ist 25 Jahre alt und als Student am KIT über den Uni-Sport zum Football gekommen. „Ich habe erst spät angefangen und bin jetzt froh, dass ich es durch harte Arbeit in die ELF geschafft habe.“ Es sei „ein Privileg“, Teil dieses Projekts zu sein und der nachfolgenden Generation die Möglichkeit zu eröffnen, leichter den Sprung in die NFL zu schaffen.

Er wolle längerfristig Leistung abliefern und Teil der Surge sein, die zum Saisonauftakt in Barcelona gewannen, danach zu Hause im Gazi-Stadion gegen die Frankfurt Galaxy verloren und am Sonntag bei Berlin Thunder gastieren: „Das Team ist mir ans Herz gewachsen. Football is family.“

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