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Corona-Pause

Was Vereine und Verband über die Saisonunterbrechung im Handball denken – und wie es weitergeht

Bereits vor zwei Wochen hat der Badische Handballverband frühzeitig entscheiden, den Spielbetrieb bis Ende des Jahres auszusetzen. Für viele die einzig richtige Entscheidung. Doch wann und wie kann es weitergehen? Und wie optimistisch sind die Vereinsverantwortlichen?

Stillstand: In den Dritten Ligen und auf Verbandsebene ist der Handball wieder zum Erliegen gekommen. Wann und wie es weitergehen kann, ist derzeit noch offen. Foto: Rene Weiss/Eibner-Pressefoto

Es ist durchaus etwas kurios, was derzeit in Handball-Deutschland und ganz besonders in Baden-Württemberg passiert. Während der Deutsche Handball-Bund (DHB) am Mittwoch die Aussetzung des Spielbetriebs bis Ende des Kalenderjahres in den Dritten Ligen sowie in der Jugend-Bundesliga Handball (JBLH) verkündete, ließ der Südbadische Handballverband (SHV) am selben Tag verlauten, sich auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Dezember vorzubereiten.

Für die Baden-Württemberg-Oberliga (BWOL) gibt es indes noch gar keine Entscheidung. Und der Badische Handballverband (BHV)? Der hat frühzeitig Fakten geschaffen: Mit dem Teil-Lockdown, der Ende Oktober verkündet wurde, stellte der BHV seinen Spielbetrieb vorerst bis Ende des Kalenderjahres ein.

Vereine reagieren unterschiedlich auf die Unterbrechung

„Es ist jetzt so gekommen, wie wir es vorhergesehen haben“, erklärt Jochen Hörner, Vorsitzender der SG Stutensee-Weingarten. Die SG hatte mit 15 weiteren Vereinen in einem offenen Brief an das Präsidium des BHV dafür plädiert, die Saison erst im November zu beginnen.

Die Runde nun aber nach all den Vorbereitungen – sportlich wie organisatorisch – zu unterbrechen, sei „ein Unding, weil die Vereine Ausgaben hatten für die Umsetzung der Hygienekonzepte“. Die SG hat bislang erst zwei Spiele in der Badenliga bestritten, weil sie die Möglichkeit nutzte, die ersten beiden Spiele zu verlegen. „Wir haben noch Zeit gebraucht, um die Hygienekonzepte für fünf Hallen zu erstellen und umzusetzen“, erklärt Hörner. Die Vereine stünden nun vor finanziellen Herausforderungen, auch weil man auf das Wohlwollen der Sponsoren angewiesen sei.

Diesen Faktor sieht auch Rainer Sorg, Vorsitzender des HC Neuenbürg. „Die Sponsoren halten lange zu einem. Beim Abbruch im Frühjahr war alles okay, die vierwöchige Unterbrechung jetzt haben sie auch geschluckt“, erklärt er. Viele stünden ja selbst vor großen Herausforderungen, die Gegenleistung für die Unterstützung in Form von Werbung fehle, wenn nicht gespielt werden kann.

Teams halten sich individuell fit

An dem offenen Brief an den BHV vor Saisonbeginn war seinerzeit auch der TV Knielingen, Liga-Konkurrent der SG Stutensee-Weingarten, beteiligt. Trainer Jochen Werling hält die Entscheidung des BHV nun aber für korrekt. „Wenn man das Infektionsgeschehen sieht, war es wahrscheinlich richtig, einen Cut zu machen – zumal wir jetzt, wenn wir vier Wochen nicht trainieren können, auch nicht im Dezember sofort wieder spielen könnten“, sagt er. „Für mich ist es nachvollziehbar, dass mit Weitblick ausgesetzt wurde.“

Die Jungs halten sich zwar mit Laufeinheiten fit, aber man muss dann trotzdem nochmals eine kleine Vorbereitung machen und sowohl im Kraftbereich als auch spielerisch manches nacharbeiten
Jochen Werling

Dem schließt sich Kai Neulen, Trainer der SG Odenheim/Unteröwisheim, an. „Für mich war es leider richtig, zu unterbrechen. Für mich persönlich war es aber ebenso richtig, im September zu starten“, sagt er. Nun hoffe er, dass er mit seinem Team im Dezember in die Halle zurückkehren und das Training wieder aufnehmen kann.

„Die Jungs halten sich zwar mit Laufeinheiten fit, aber man muss dann trotzdem nochmals eine kleine Vorbereitung machen und sowohl im Kraftbereich als auch spielerisch manches nacharbeiten“, erklärt derweil Werling. Ein Wunsch-Szenario, wie es weitergehen soll, hat er nicht. Dafür sei die Lage zu unsicher. „Ich hoffe aber natürlich, dass wir im Januar wieder spielen können.“

Gleiches hofft Jürgen Förster, Vorstand Spielbetrieb bei der SG Heidelsheim/Helmsheim. So richtig daran glauben kann er jedoch noch nicht. „Es weiß niemand, wie sich die Dinge entwickeln. Man muss einfach abwarten.“ Als „unausweichlich“ empfand Philip Kunz, Abteilungsleiter Handball des Landesligisten TV Ispringen, die Entscheidung des BHV. Allerdings kann auch er sich – genau wie Rainer Sorg und Kai Neulen – bei allem Optimismus noch nicht wirklich vorstellen, dass es im Januar weitergeht.

BHV zieht sämtliche Szenarien in Betracht

Auch Ramona Müller, Geschäftsführerin des BHV, wagt derzeit keine Prognose abzugeben. „Das wäre reinste Spekulation“, sagt sie am Freitag auf Nachfrage. „Unsere Planung für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs orientiert sich jedoch weiterhin am Restart im Januar.“ Miteinbezogen in die Entscheidungsfindung werden derzeit alle möglichen Optionen: nur Hinrunde, nur Rückrunde, Hin- und Rückrunde, Saisonabbruch, Verzicht auf Meisterschaften.

Neben der Berücksichtigung des Aufwandes für die Vereine, ist die Rechtssicherheit mit die wichtigste Begründung für die Auswahl unseres Szenarios.
Ramona Müller

Bis eine Entscheidung fällt, wird aber noch etwas Zeit verstreichen. „Bereits vergangene Woche hat die Spielkommission, die durch das Präsidium beauftragt wurde, mehrere Szenarien besprochen und auf ihre Umsetzbarkeit begutachtet“, sagt Ramona Müller zum derzeitigen Stand der Dinge. „Nun werden diese Szenarien von den Rechtsvertretern im BHV geprüft. Es ist Voraussetzung, dass wir nur ein solches Szenario weiterführen können, welches uns ein sportrechtssicheres Vorgehen ermöglicht.“

Neben der Berücksichtigung des Aufwandes für die Vereine sei die Rechtssicherheit mit die wichtigste Begründung für die Auswahl des Szenarios, erklärt sie weiter. „Aus diesem Grund laufen die Besprechungen derweil BHV-intern. Bis die finale Abstimmung im Dezember vom Präsidium des BHV beschlossen wird, muss das Szenario im Jugendbereich vom Verbandsjugendausschuss beschlossen werden. Diese Sitzung findet noch im November statt.“

Wir würden uns mit allem anfreunden, so lange wir wieder in die Hallen dürfen.
Philip Kunz

Eines steht aber fest: Alle wird man nicht zufrieden stellen können. Schon wenn es um eine Einfachrunde geht, scheiden sich die Geister. Während die einen sich mit einer Einfachrunde anfreunden könnten, halten die anderen, wie beispielsweise Jochen Werling, sie nicht für „die fairste Lösung“. Derweil steht für Philip Kunz vom TV Ispringen im Vordergrund, überhaupt wieder Handball spielen zu können.

„Wir würden uns mit allem anfreunden, so lange wir wieder in die Hallen dürfen.“ Denn in dieser Sache sind sich alle einig: Das Handballherz blutet – und das Miteinander, der persönliche Austausch innerhalb des Teams und mit den Handball-Begeisterten, fehlt.

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