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Internationaler Hype

Weshalb Schach boomt – und wie sich der Aufschwung in Pforzheim bemerkbar macht

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich ein Trend besonders online verstärkt: Immer mehr Menschen spielen Schach. Auch der Schachclub Pforzheim spürt diesen Aufschwung. Ob er sich aber tatsächlich an den Brettern widerspiegeln wird?

Mehr als Fingerfertigkeit: Schach fordert den Spieler in vielerlei Hinsicht. Besonders online verzeichnet die Sportart derzeit einen Boom – und der manifestiert sich auch an der Basis. Foto: Felix König/picture alliance/dpa

Ein Mädchen aus einem Waisenhaus wagt sich in den 1950er-Jahren in eine absolute Männerdomäne: die Schachwelt. Es klingt nach einer simplen Geschichte, doch „Das Damengambit“, eine der zur Zeit meistgeschauten Serien des Dienstes Netflix, scheint vielen Menschen bewiesen zu haben, dass das Schachspiel alles andere als eine langatmige, verstaubt wirkende Altherren-Sportart ist.

Fest steht jedenfalls, dass sie einen regelrechten Hype ausgelöst hat – und der manifestiert sich auch an der Basis.

Christoph Mährlein, Vorsitzender des Schachclubs Pforzheim, weiß von zahlreichen Mail-Anfragen zu berichten. „Derzeit können wir coronabedingt leider keinen Unterricht in persona anbieten. Aber ich denke, dass einige derjenigen, die uns Anfragen geschickt haben, auch kommen werden, wenn alles wieder in geregelten Bahnen läuft“, erklärt er.

Schach boomt besonders online

Zumal der Schachsport in den vergangenen Monaten online ohnehin einen enormen Aufschwung verzeichnet hat und damit sportlich gesehen einer der wohl äußerst wenigen Gewinnern der Krise ist. Laut Nick Barton, Manager der Trainings- und Wettkampfwebsite chess.com, sollen die Mitgliederzahlen schon im März 2020, mit Ausbruch der Corona-Pandemie, enorm gestiegen und mit der Serie gar explosionsartig in die Höhe geschossen sein.

Auch der Schachclub Pforzheim hat die Chancen des Schach-Booms erkannt und auf Initiative von Oliver Linder auf der Plattform Lichess ein eigenes Vereinsheim eingerichtet.

„Schachspieler haben das Glück im Unglück, weiterhin trainieren zu können“, sagt Linder. Die Schach-Plattformen bieten die Möglichkeit, „rund um die Uhr Schach zu spielen, die eigenen Partien analysieren zu lassen, Aufgaben zu lösen oder individuelle Trainingsstunden zu buchen“, so Linder. Vor allem im Jugendbereich, sagt Mährlein, sei die Resonanz groß.

Jeden Dienstagabend treffen sich nun einige der Pforzheimer auf der Internetseite, treten vor allem im Blitz- und der verschärften Form des Blitzschachs, dem Bulletschach, gegeneinander an. Bei letzterem hat jeder Spieler insgesamt nur eine Minute Bedenkzeit pro Partie. „Das ist schon sportlich“, betont Mährlein, „gerade die jungen Spieler können sich da an den Modus gewöhnen.“

Alternativer Spielbetrieb in der Quarantäne-Liga

Zudem nimmt der Club seit Januar an der Quarantäne-Liga teil. „Nach drei Spieltagen sind wir dreimal aufgestiegen und spielen nunmehr in der 13. Liga“, erklärt Linder. Viele der Mitglieder würden diese Möglichkeit allerdings nicht nutzen.

Der Grund: die Geschwindigkeit. „In der Quarantäne-Liga hat man zwischen drei und fünf Minuten Bedenkzeit pro Partie. In normalen Partien hat man so viele Minuten durchschnittlich für einen Zug“, so Linder.

In diesen unterschiedlichen Arten des Spiels scheint der Reiz zu liegen – genau wie in der Tatsache, dass es bis ins hohe Alter betrieben werden kann. Eine breite Masse scheint das erkannt und sich dafür begeistert zu haben.

Zumindest online. Doch „wie sich der Schachboom im Internet auf die Nach-Corona-Zeit auswirkt“, gibt Linder zu bedenken, „ist schwer zu sagen. Ob sich die Online-Spieler auch an richtige Bretter setzen wollen, wird sich erweisen“.

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