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Fünf Jahre nach der Übernahme

Wie viel TuS Durmersheim steckt noch in den Baden Volleys?

Mitte 2015 endete in Durmersheim eine Volleyball-Ära. Spielrecht und Mannschaft wechselten in die Karlsruher Waldstadt zum SSC Karlsruhe, der nun den Sprung in die Bundesliga plant. Wichtige Rollen bei den Baden Volleys spielen dabei einige Akteure des Vorgängerteams.

Vergangenheit: In der Saison 2014/15 stellt Fabian Schmidt den Ball für Thorben Sandmeier in der letzten Drittliga-Saison des TuS Durmersheim. Foto: Hans-Jürgen Collet

Jürgen Ruppert blickt mit gemischten Gefühlen in die Karlsruher Waldstadt. Dort spielen noch einige Volleyballer für die Baden Volleys SSC Karlsruhe, die bis 2015 beim TuS Durmersheim auf zweit- und zuletzt drittklassigem Niveau aktiv waren, ehe das Spielrecht und fast der komplette Kader in die Fächerstadt wechselten.

Ruppert war als Abteilungsleiter die treibende Kraft des Durmersheimer Volleyball-Projekts. Ob ihn die erstklassigen Perspektiven in Karlsruhe mit Wehmut oder Stolz erfüllen? „Eher zweiteres“, sagt der 63-Jährige, der mittlerweile – unabhängig vom derzeitigen Zuschauerausschluss – kaum noch bei den Spielen in Karlsruhe vor Ort präsent ist.

Gegenwart: In der laufenden Runde mischen Fabian Schmidt und Thorben Sandmeier (rechts) mit den Baden Volleys des SSC Karlsruhe an der Zweitliga-Spitze mit. Foto: Helge Prang/GES

Bei den Baden Volleys, aktuell Tabellendritter in der Zweiten Bundesliga Süd, sind noch vier Spieler mit Durmersheimer Vergangenheit dabei. Zuspieler Fabian Schmidt, Mittelblocker Thorben Sandmeier und Libero Benjamin Dollhofer kamen 2015 aus Durmersheim zum SSC, Außenangreifer Jens Sandmeier verließ den TuS nach drei Jahren 2014 zum Erstligisten TV Bühl und schloss sich dann 2017 nach dem Zweitliga-Aufstieg den Karlsruhern an.

„Alle vier sind superwichtige Spieler“, sagt Alexander Burchartz, Teammanager der Baden Volleys. „Sie bilden mit der meisten Erfahrung den Kern der Mannschaft und bleiben auch in brenzligen Situationen ruhig.“ Neben dem Spieler-Quartett hat auch SSC-Teamarzt Sören Blaich eine Durmersheimer Vergangenheit. Für den TuS spielte er einst in der Zweiten Liga.

Wir haben alles neu aufgebaut.
Alexander Burchartz, Teammanager der Baden Volleys

Burchartz, heute Kapitän der dritten Mannschaft des SSC in der Verbandsliga, war 2015 Spieler der Oberliga-Mannschaft und übernahm in der Dritten Liga dann die Funktion des Hallensprechers. An die damaligen Verhandlungen zwischen Durmersheim und Karlsruhe erinnert er sich gut. Bereits zwei Jahre zuvor gab es die ersten Gespräche, der SSC bildete ein PR-Team. „Wir haben alles neu aufgebaut“, sagt Burchartz.

Sponsoren seien aus Durmersheim keine mitgekommen. Fehlende Professionalität und finanzielle Mittel hatten dort zum Aus des hochklassigen Volleyballs geführt. Auch Spielrecht und Kader der zweiten Mannschaft, damals in der Regionalliga aktiv, wurden übertragen und bildeten für die TSG Blankenloch das Fundament für deren heutige Präsenz in der Dritten Liga.

Es steckte viel Herzblut drin, war aber nicht wahnsinnig professionell.
Markus Wintergerst, Ex-Spieler TuS Durmersheim

„Es steckte viel Herzblut drin, war aber nicht wahnsinnig professionell“, sagt Markus Wintergerst, der 2015 aus Durmersheim nach Karlsruhe wechselte und gemeinsam mit Mitspieler Benjamin Loritz als Teamsprecher fungierte. Loritz war es auch, der Wintergersts Positionswechsel vom Mittelblock in den Außenangriff unter dem neuen Trainer Diego Ronconi (kam vom Zweitliga-Meister SV Fellbach) forcierte.

Was wir in Durmersheim gemacht haben, war auf Dauer nicht haltbar.
Jürgen Ruppert, Abteilungsleiter TuS Durmersheim

„Was wir in Durmersheim gemacht haben, war auf Dauer nicht haltbar“, sagt der einstige TuS-Macher Ruppert und spricht von einer Trennung in Freundschaft. „Die Übergabe war sehr sanft und problemlos“, erinnert er sich. Geld habe der TuS nicht bekommen, dafür Freikarten für die SSC-Spiele. Den Aufwärtstrend der Baden Volleys, die mit neuer Halle mittelfristig die Bundesliga anpeilen, verfolgt Ruppert mit Wohlwollen. „Ich gönne es den Karlsruhern, die Erste Liga wäre aber nochmal ein gewaltiger Schritt.“ Vor allem in wirtschaftlichen Belangen.

Wiedersehen als Vision

Bei einer SSC-Abteilungsversammlung vor der Übernahme des Durmersheimer Spielrechts war es einst noch darum gegangen, ob die Spieler die obligatorische Pizza nach den Partien selbst finanzieren müssen. Bis zum Aufstieg in die Zweite Liga vor gut drei Jahren war dies noch der Fall. Mit derlei Themen muss sich Jürgen Ruppert, der momentan für das 125. Jubiläum des Gesamtvereins im Archiv wühlt, in Durmersheim nicht mehr beschäftigen.

Der TuS stellt keine Mannschaft mehr im Spielbetrieb, zuletzt löste sich das Frauenteam auf. „Das war zu befürchten“, sagt dazu Wintergerst, der wie zahlreiche weitere Ex-Durmersheimer inzwischen beim Drittligisten TSG Blankenloch spielt und für die Zeit nach der Corona-Pandemie eine Vision hat. Bei einem Vorbereitungsturnier plant er ein Revival der alten TuS-Truppe, beispielsweise unter dem Titel „Durmersheim & Friends“. Nicht ausgeschlossen, dass dann auch Erstliga-Akteure am Start sind.

2014/15 und heute

Nach der Saison 2014/15 wechselten zwölf Spieler vom damaligen Volleyball-Drittligisten TuS Durmersheim zum SSC Karlsruhe, der auch das Spielrecht des TuS übernahm. Die meisten Akteure stiegen 2017 mit dem SSC in die Zweite Bundesliga auf, drei sind heute noch dabei.

Fabian Schmidt (bis heute SSC Karlsruhe)

Thorben Sandmeier (bis heute SSC Karlsruhe)

Benjamin Dollhofer (bis heute SSC Karlsruhe)

Markus Wintergerst (bis 2018 SSC Karlsruhe, seitdem TSG Blankenloch)

Marco Kienast (bis 2017 SSC Karlsruhe, nach einer Pause heute bei TSG Blankenloch)

Benjamin Loritz (bis 2019 SSC Karlsruhe, seitdem TSG Blankenloch)

Thomas Heidebrecht (bis 2020 SSC Karlsruhe, seitdem TSG Blankenloch)

Christian Koch (bis 2016 SSC Karlsruhe, dann beruflich bedingt nach Bremen)

Julian Kallfaß (bis 2016 SSC Karlsruhe, danach bis 2020 TSG Blankenloch, Karriereende)

Daniel Heidak (bis 2018 SSC Karlsruhe, Karriereende)

Timo Goes (bis 2019 SSC Karlsruhe, Karriereende)

Andrej German (bis 2016 SSC Karlsruhe, 2017 bis 2020 TSV Niederviehbach, seit 2020 Eimsbütteler TV)

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