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Fußball als Bindeglied

Wie vier Sportverbände seit zehn Jahren zur deutsch-französischen Freundschaft beitragen

Seit zehn Jahren bringt der Pamina-Fußballausschuss Vereine aus Baden, der Pfalz und dem Elsass zusammen. Dabei geht es um weit mehr als nur das gemeinsame Spiel auf dem Sportplatz.

Mit Flaggen und Hymnen: Die grenzüberschreitenden Turniere des Pamina-Fußballausschusses werden würdevoll zelebriert, wie hier beim Futsal-Cup in Oberkirch im Dezember 2019. Foto: Johannes Restle/SBFV

Thomas Rößler wählt große Worte, um eine inzwischen zehnjährige Erfolgsgeschichte zusammenzufassen. „Nationen können Verträge schließen, Freundschaften nur Menschen“, sagt der Vorsitzende des Fußballkreises Karlsruhe bei einem virtuellen Treffen anlässlich des Jubiläums des deutsch-französischen Pamina-Fußballausschusses.

Als dieser am 25. Januar 2011 in Lauterburg ins Leben gerufen wurde, zählte Rößler ebenso zu den Gründervätern wie unter anderen sein nordbadischer Kollege Klaus-Dieter Lindner oder Siegbert Lipps aus Südbaden.

Dass sich die grenzüberschreitenden Fußball-Aktivitäten zwischen Badenern, Pfälzern und Elsässern derart positiv entwickelten, liegt in erster Linie an der Begegnung zwischen den Menschen aus den verschiedenen Regionen. Diese leisten einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung, wie Rémi Bertrand betont. „Fußball ist eine eigene Sprache“, sagt der Präsident des Eurodistrikts Pamina. Von Vorteil sei dabei, dass es im Fußball gemeinsame Regeln gibt.

Fußball ermöglicht eine Erstbegegnung, die die schwierige Barriere der Sprache umgeht.
Peter Cleiß, Vizepräsident des Südbadischen Fußball-Verbands

Peter Cleiß, Vizepräsident des Südbadischen Fußball-Verbands, erinnert an die historisch belastete Grenze und die äußerst erfreuliche Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg. „Was in den letzten 70 Jahren im Oberrhein-Raum entwickelt wurde, stellt auf den Kopf, was in den 100 Jahren davor passiert ist.“ Der Fußball habe dabei eine wichtige Rolle übernommen, denn dieser „ermöglicht eine Erstbegegnung, die die schwierige Barriere der Sprache umgeht“.

Städte, Gemeinden und Vereine sind nah beieinander, doch die Bewohner kennen sich nur wenig.
Francis Willig, Vizepräsident des Fußball-Verbands der Region Grand Est

Auch von französischer Seite lobt Francis Willig, Vizepräsident des Fußball-Verbands der Region Grand Est, den „grenzüberschreitenden Geist“, der im Fußball gelebt wird. „Städte, Gemeinden und Vereine sind nah beieinander, doch die Bewohner kennen sich nur wenig“, so Willig. Insofern sei der Pamina-Ausschuss ein logischer Schritt gewesen.

Austausch von Schiedsrichtern seit 40 Jahren

Bereits lange vor dessen Gründung arbeiteten die Verbände auf beiden Rheinseiten zusammen, so existiert beispielsweise seit 40 Jahren ein Austausch von Schiedsrichtern. Im Vordergrund der fußballerischen Pamina-Aktivitäten steht nicht das Resultat auf dem Spielfeld, sondern vielmehr das Geschehen drumherum. „Der Leistungsgedanke hat nicht die höchste Priorität, über dem sportlichen Ehrgeiz steht die Anbahnung persönlicher Kontakte“, erläutert Rößler. Gradmesser bei der Bewertung eines Turniers sei, wie lange die dritte Halbzeit im Clubhaus gedauert hat. „Hier waren wir oft erfolgreich“, meint Rößler schmunzelnd.

Für die sonst eher auf Kreis- oder Bezirksebene aktiven Sportler und Sportlerinnen bietet sich bei den Pamina-Aktionen internationales Flair. So wird bei den verschiedenen Turnieren wie dem Super-Cup, den zuletzt 2019 der Karlsruher Pokalsieger SG Stupferich für sich entschied, vor den Spielen die französische und die deutsche Hymne gespielt.

Angebote für die Jugend und Leuchtturm-Vereine

Auf dem Erreichten ausruhen wollen sich die Macher des Pamina-Projekt keineswegs. Der Auftrag sei nicht, den Fußball zu fördern, sondern die Begegnung zwischen den Menschen. Und da die von Rößler angesprochene „dritte Halbzeit“ zunehmend ihre Mitwirkenden verliere, „wollen wir dem entgegensteuern und unser Angebot erweitern“, berichtet Cleiß, der mit seinen Mitstreitern vor allem den Nachwuchs im Blick hat.

Mit einem musikalischen Rahmenprogramm bei den Turnieren soll bei den jungen Leuten ein Anlass entstehen, um dabei zu bleiben. Zudem sollen in den beteiligten Verbänden sogenannte Leuchtturm-Vereine gefunden werden, die die Pamina-Idee vorantreiben.

Das bislang letzte Pamina-Turnier liegt aufgrund der Corona-Krise bereits ein Jahr zurück. Wann wieder eine Präsenz-Veranstaltung möglich ist, hängt auch davon ab, wann der Spielbetrieb fortgesetzt wird und die Pokalsieger in den beteiligten Verbänden ermittelt werden können.

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