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Bundesliga will starten, DRL pausiert weiter

Sieg vor Gericht hilft Ringervereinen in Ispringen und Weingarten nicht weiter

Vor Gericht hat sich die Ringerliga gegen die Verbände durchgesetzt, doch profitieren wird die DRL vom Urteil vorerst nicht auf der Matte – allenfalls in finanzieller Hinsicht. Und weitere Störfeuer vom Ringer-Bund sind nicht ausgeschlossen.

Der Streit zwischen dem Deutschen Ringer-Bund und der Deutschen Ringerliga könnte bald auch juristisch weitergehen. Foto: Markus Gilliar/GES

Eigentlich könnten der SV Germania Weingarten, der KSV Ispringen und deren Mitstreiter in diesem Herbst zum ganz großen Wurf ansetzen. In rechtlicher Hinsicht ist der Weg jedenfalls frei, um eine neue Ringerliga-Saison mit internationalen wie hiesigen Top-Athleten zu starten und womöglich auch mit dem einen oder anderen neuen Club.

Zumindest vorerst drohen vom großen DRL-Widersacher, dem Deutschen Ringer-Bund, keine weiteren Repressalien mehr, nachdem das Oberlandesgericht Nürnberg vor wenigen Tagen ein Urteil bestätigte, das Sanktionen des Verbandes gegen DRL-Ringer untersagt.

In näherer Zukunft wird die Ringerliga daraus aber allenfalls in finanzieller Hinsicht Kapital schlagen. Vor wenigen Tagen bekräftigte DRL-Anwalt Jörg Gstöttner noch einmal das Vorhaben, Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Auf der Matte sind 2021 genau wie im Vorjahr aufgrund der Corona-Umstände keine Kämpfe geplant.

In Weingarten plant man erst einmal nur für die Oberliga

„Schade, dass wir gerade nicht mehr Nutzen aus dem Urteil schlagen können“, sagt Weingartens Vorsitzender Ralph Oberacker. Bei den Germanen bereitet man sich aktuell nur auf eine mögliche Oberliga-Saison vor, die nicht vom DRB, sondern vom nordbadischen Landesverband ausgerichtet wird. Das Ziel des SVG: der Aufstieg in die Regionalliga.

Oberacker will zwar nicht ausschließen, dass man auch kurzfristig noch eine DRL-Runde auf die Beine stellen könnte. Doch die Schwierigkeiten liegen auf der Hand: Angesichts der Pandemie fehlt die Planungssicherheit und zuletzt waren nur sechs Teams auf die Matte gegangen.

Wir müssen verlässliche Strukturen schaffen und verlässliche Personen um den Präsidenten Koch scharen.
Ralph Oberacker, Vorsitzender des SV Germania Weingarten

Zum Gründungs-Quintett war lediglich der belgische Club Saitiev Eupen hinzugestoßen, der sich allerdings als nicht wirklich konkurrenzfähig erwiesen hatte. Zudem waren die Teams aus Schifferstadt und Eisleben im Verlauf der Saison 2019/20 aus finanziellen Gründen abgesprungen.

„Wir müssen verlässliche Strukturen schaffen und verlässliche Personen um den Präsidenten Koch scharen“, fordert Oberacker, der eine Rückkehr unter das DRB-Dach zumindest zum jetzigen Zeitpunkt weiter ausschließt: „Wir wollen in Weingarten natürlich erstklassigen Ringersport bieten, aber nicht um jeden Preis.“

Gericht rügte DRB-Regelwerk

Eine Annäherung in der Dauer-Fehde ist erst einmal nicht in Sicht. Die Ankündigung der Ringerliga, den DRB zur Kasse zu bitten – Koch sprach zuletzt von einem sechsstelligen Betrag –, dürfte eher zu einer Verschärfung des Konflikts beitragen.

Und weitere Störfeuer vom Verband sind nicht ausgeschlossen. Das Urteil aus Nürnberg besagt nur, dass die Vorgehensweise des DRB gegenüber der Ringerliga in dieser Form nicht rechtmäßig war. Die Statuten seien laut Gericht nicht hinreichend transparent und diskriminierungsfrei gewesen.

Gerichtliche Auseinandersetzung könnte für DRB teuer werden

Inzwischen hat der Ringer-Bund ein neues Regelwerk aufgesetzt und ob Sanktionen, die auf diesem basieren, ebenfalls juristisch nicht haltbar sind, müsste gegebenenfalls neu geprüft werden.

Den DRB könnten allerdings finanzielle Abwägungen davon abhalten, dem Widersacher weitere Steine in den Weg zu legen. Die Gerichtskosten müssen der DRB und der Weltverband UWW zu gleichen Teilen tragen, der Streitwert für das Berufungsverfahren wurde auf 400.000 Euro festgesetzt. Zudem droht wie berichtet eine Schadensersatzklage.

Bundesliga will im Herbst an den Start gehen

Indes treibt der DRB die Pläne für eine Bundesliga-Saison im Herbst weiter voran. 26 Clubs stehen bereit. In welchem Modus gerungen wird, soll sich bis Mitte Februar entscheiden. Im Oktober 2020 war die laufende Runde nach mehreren Corona-Fällen und daraus resultierenden Kampfabsagen abgebrochen worden.

„Wir haben uns dennoch der Herausforderung gestellt. Und die Hygienekonzepte der Vereine waren gut“, versucht DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis, dem Saisonabbruch auch Positives abzugewinnen. Zum Konflikt mit den DRL-Clubs erklärt er: „Ich kann nicht sagen, wo da die Reise hingeht. Im Olympia-Jahr liegen die Prioritäten aber woanders. Nebenkriegsschauplätze dürfen da nicht unser Thema sein.“

Präsidentenwahl beim DRB könnte Bewegung in den Ringer-Streit bringen

Gegen Ende des Jahres könnte allerdings Bewegung in den Ringer-Streit kommen: Dann wird beim DRB ein neuer Präsident gewählt. Der bisherige Amtsinhaber Manfred Werner, eine der Schlüsselfiguren in der Fehde zwischen Verband und DRL-Clubs, tritt nicht mehr an.

Bisher haben der aus dem Saarland stammende Sportmediziner Klaus Johann, Vorsitzender der DRB-Ärztekommission, und der Politiker Jens Nettekoven, Präsident des nordrhein-westfälischen Ringerverbandes, ihren Hut in den Ring geworfen. Nettekoven hat bereits verlauten lassen, dass eine Lösung im Ringer-Streit ganz weit oben auf seiner Agenda steht.

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