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Vom Hochhaus aus fällt der Blick in Richtung Ettlinger Tor, wo in einigen Jahren der Neubau des rund 70 Meter hohen Komplexes stehen soll. | Foto: Hora

Landratsamt wird abgerissen

Das Ende eines Kulturdenkmals

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Es ist eines der prägendsten Gebäude der Karlsruher Innenstadt. An diesem Donnerstag wird der Kreistag aller Voraussicht nach das Ende des Komplexes besiegeln: Das rund 70 Meter hohe ehemalige Badenwerk-Hochhaus, heute Sitz des Landratsamtes für den Kreis Karlsruhe, steht vor dem Abriss.

Sanierung ließe Denkmalschutz erlöschen

Das in den 60ern erbaute Gebäude ist in die Jahre gekommen. Dass es mindestens einer aufwändigen Sanierung bedarf, stand seit geraumer Zeit fest. Eine Machbarkeitsstudie brachte Licht ins Dunkel: Eine Generalsanierung des Ensembles aus Hochhaus, Langbau und Kasino zöge den Rückbau auf Rohbauniveau nach sich. Weil in diesem Fall keine schützenswerte Substanz mehr übrig bliebe, würde auch der Denkmalschutz erlöschen, den das Hochhaus seit 2012 innehat. Die Aussicht darauf eröffnete der Kreisverwaltung die Möglichkeit, über Abriss und Neubau nachzudenken. Sie beauftragte das Büro Vollack archiTec mit einer Potenzialanalyse, die auch die Möglichkeiten zusätzlicher Flächen und der Wohnbebauung prüfen sollte.

Das neue Landratsamt rückt näher an die künftig autofreie Kriegsstraße heran. Von dort aus sollen es
Besucher dann auch betreten können.

Abriss und Neubau

Ergebnis dieser Studie ist Folgendes: Das Gebäudeensemble soll abgerissen und neu errichtet werden. Die Arbeiten könnten in mindestens zwei Bauabschnitten erfolgen. Zunächst würde der parallel zur Kriegsstraße verlaufende Langbau abgerissen und durch einen neuen Komplex ersetzt werden. Dieser soll aus einem dann achtstöckigen Langbau und einem neuen Hochhaus an der Grundstücksgrenze in Richtung Ettlinger Tor bestehen. Das Badenwerk-Hochhaus würde im zweiten Bauabschnitt abgerissen. Somit stünden – zumindest für kurze Zeit – zwei gleich hohe Wolkenkratzer auf dem rund 11 000 Quadratmeter großen Grundstück. Die Kosten für diese Vorhaben beziffert die Studie auf rund 100 Millionen Euro. Außerdem umfasst sie einen optionalen dritten Bauabschnitt, in dem Wohnungen entlang der westlichen Grundstücksgrenze entstehen könnten. Das allerdings wäre dann Sache eines Investors.

Kreistag soll am Donnerstag zustimmen

Der Kreistag soll am Donnerstagnachmittag in Marxzell über die Planungen entscheiden. Von seiner Zustimmung wird ausgegangen. Im nächsten Schritt soll die Kreisverwaltung gemeinsam mit der Stadt Karlsruhe einen Architektenwettbewerb für 2019 vorbereiten.

Exponierte Lage birgt Diskussionspotenzial

Die bevorstehende Entscheidung stößt allerdings nicht überall auf Verständnis. Die exponierte Lage und die Geschichte des Ensembles bergen Diskussionspotenzial. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Badenwerk AG, die 1996 in der EnBW aufging, wurde im Internationalen Stil erbaut, ist geprägt von einer Aluminium-Glas-Fassade. Es liegt am Ende der sogenannten Via Triumphalis zwischen Schloss und der Verlängerung des Ettlinger Tors. Mit der Fertigstellung des Hauses sollte – wie mit der Bundesgartenschau 1967 – der Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen werden.

Erhalt des Gebäudes gefordert

Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild sorgt sich um das Kulturdenkmal von städtebildprägender Bedeutung und fordert eine klare Position der Stadt zum Erhalt des Gebäudes. Die hat nach Angaben des Landratsamtes aber keine Einwände gegen die Planungen. Sie wünscht sich weiterhin ein Hochhaus auf dem Gelände, sieht aber kein Problem darin, das bestehende abzureißen und einige Meter versetzt ein neues zu errichten. Das Landratsamt selbst verspricht sich eine attraktivere Lage: Das Gebäude soll künftig von der Kriegsstraße betreten werden können.