"Fake News"
Die EU macht sich Sorgen wegen der russischen Propaganda im Internet. | Foto: Marijan Murat

Kommentar

Den Trollen trotzen

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Wer die zumeist lebhaften politischen Russland-Diskussionen in den sozialen Medien verfolgt, kennt dieses Phänomen: Irgendwann mehren sich im Forum aggressive Pro-Putin-Stimmen, denen es scheinbar nur darum geht, sich in den Vordergrund zu drängen, sachliche Diskussionen zu ersticken und das Gesprächsklima zu vergiften. Oft werden dann noch Falschinformationen eingestreut, Erkenntnisse von Soziologen verzerrt wiedergegeben und den Politikern frei erfundene Zitate in den Mund gelegt.

Am Ende wird noch gründlich Misstrauen gegen die freie Presse und die demokratischen Institutionen im Westen geschürt – fertig ist die digitale Propaganda-Saat, die ihre destruktive Wirkung schon bei der nächsten Wahl voll entfalten kann.

Das Internet ist nicht nur ein Segen für die Gesellschaft, sondern auch ein Nährboden für allerlei fanatische Trolle, Bots, Manipulierer und bezahlte Fake-News-Verbreiter, die oft politische Ziele verfolgen. Das hat die EU erkannt, die angesichts der Europawahl 2019 ein Programm gegen russische Propaganda auflegt. Es ist eine vernünftige Idee, die Demokratie zu schützen. Es ist auch nicht verkehrt, im Kampf gegen Fake News journalistische Kompetenz heranzuziehen.

Allerdings darf man von dem Aktionsplan auch keine Wunder erwarten, zumal die Front der digitalen Kämpfe breit ist. Die Europäer sollten sich darauf einstellen, dass der Kreml die Europawahl beeinflussen wird – und sich schon jetzt eine politische Antwort darauf überlegen.