Patient auf Intensivstation
Ärzte schlagen Alarm, weil viele Patienten gegen Antibiotika resistent sind.

Kommentar

Die Zukunft birgt Todesgefahr

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Wer hat nicht schon einmal diesen Satz gehört oder ihn selbst gesagt: „Wenn die Erkältung nicht besser wird, muss ich wohl Antibiotika nehmen“. Dass die Wunderwaffe der Medizin gegen virale Infektionen machtlos ist, weil sie nur Bakterien bekämpfen kann, muss bisweilen sogar den Medizinern eingeschärft werden – in Großbritannien etwa gehört dies zum festen Ritual der obersten Gesundheitsberater der jeweiligen Regierungen. Dass Antibiotika heute fälschlich, zu oft oder zu spät genommen werden, ist einer der Gründe dafür, dass sie vielen Menschen in Not nicht länger zuverlässig helfen.

Die sogenannte Antibiotika-Resistenz (AR) ist schon jetzt ein Riesenproblem, das in Zukunft schier katastrophale Ausmaße annehmen könnte. Nach offiziellen, eher konservativen Schätzungen, verursacht sie weltweit jährlich 700 000 Tode. Hält der Trend an, erwarten EU-Experten im Jahr 2050 bereits zehn Millionen Todesfälle, vor allem in Afrika und Asien. Doch auch in Europa würde sich die derzeit geschätzte Zahl von 33 000 tödlichen AR-Fällen verzehnfachen. Wenn keine Antibiotika mehr wirken, werden Routine-Operationen lebensgefährlich, und selbst banale Verletzungen wie ein Schnitt in den Finger könnten schlimmste Folgen nach sich ziehen. Die Menschheit wäre womöglich wieder in die Zeit vor der Entdeckung von Penicillin durch Alexander Fleming im Jahr 1928 versetzt.

Die Gefahr ist seit Jahren bekannt, doch es tut sich wenig. Einerseits, weil sich die medizinischen Standards in den Ländern weiter stark unterscheiden. In Südeuropa werden etwa viel häufiger Antibiotika eingenommen, was auch die Zahl der Resistenzen erhöht. Durch den teils ungeregelten Gebrauch der Antibiotika in der Landwirtschaft gelangen die Substanzen mit dem Fleisch in die Körper der Menschen. Ein weiteres Problem ist, dass die Pharmafirmen keine Antibiotika mehr entwickeln, weil sich dies finanziell kaum für sie lohnt. Diese Forschung müsste dringend forciert und gefördert werden.