Cyberkriminalität
Nach einer Reihe von Attacken im Netz rüstet sich die EU gegen zukünftige Cyberangriffe. | Foto: Silas Stein

Kommentar

Digitaler Nachholbedarf

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Die EU bewegt sich in Sachen gemeinsame Cybersicherheit, das ist die gute Nachricht. Die schlechten Nachrichten lauten: Europa ist damit reichlich spät dran. Außerdem ist der am Donnerstag vereinbarte Zeitplan für die koordinierte Verteilung der Cyberkompetenzen unter den 28 Partnerländern, den Schutz von kritischen Infrastrukturen sowie den Aufbau einer wirksamen Abwehr der mutmaßlich russischen Angriffe im Netz womöglich nicht ehrgeizig genug, um den erwarteten Schaden für die Demokratie auf dem Kontinent abzuwenden.

Zur Erinnerung: 2019 finden neben der Europawahl noch ein gutes Dutzend wichtiger Abstimmungen in verschiedenen EU-Staaten statt. Bei einigen von ihnen ist die Gefahr real, dass Hacker im Auftrag fremder Regierungen Einfluss auf Wahlkämpfe und -ausgänge nehmen könnten. Die Frage ist nicht ob sie zuschlagen, sondern wann. In Brüssel und Berlin scheint man fest davon auszugehen, dass nach Russland zurückverfolgbare Angreifer dies bereits früher versucht haben. So schnell wie von manchen fortgeschrittenen Ländern gewünscht lassen sich jedoch die digitalen Brandmauern der EU nicht hochziehen.

Immerhin: die Richtung stimmt. Die Nato hat mit ihrem Kompetenzzentrum für Cyberabwehr eine kollektive Antwort auf die Verletzbarkeit des virtuellen Netzes gefunden. In Estland werden Hacker-Attacken analysiert, Gegenstrategien erarbeitet und Experten geschult. Etwas ähnliches hat nun auch die EU vor. Zudem sollen die Cyber-Maßnahmen in den Ländern aufeinander besser abgestimmt werden. Interessant ist schließlich die Erwähnung der kollektiven Abschreckung gegen Cyber-Angreifer in den Gipfel-Dokumenten. Brüssel muss bald zumindest in Grundzügen darstellen, was und wie damit erreicht werden kann.