Auf dem deutschen Satelliten „EU:Cropis“ wird in naher Zukunft eine Tomatenernte erwartet. | Foto: DLR

Mission „Eu:Cropis“ gestartet

Dosentomaten mal anders

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Von den einigen Tausend Satelliten im Erdorbit dürfte dies jetzt einer der ungewöhnlichsten sein. Seit Dienstag umkreist eine kühlschrankgroße Metalldose unseren Planeten, in deren Inneren sich bald ein Haufen Augentierchen einen erbitterten Kampf um das nährstoffreiche künstliche Urin liefern wird. Am Ende, so hoffen die Wissenschaftler, wird in dem 600 Kilometer hoch fliegenden „Kühlschrank“ unter den extrem lebensfeindlichen Bedingungen des Weltraums eine stattliche Tomatenernte heranreifen.

Die mit einer SpaceX-Trägerrakete erfolgreich ins All gestartete Mission „Eu:Cropis“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gilt als ein Meilenstein auf dem geplanten Sprung der Menschheit hin zu den weiter entfernten Welten des Sonnensystems. Gelingt das Experiment, könnten die Astronauten womöglich eines Tages auf Mond und Mars Gewächshäuser betreiben und dabei den gesamten Abfall effizient recyceln, wie etwa im Science-Fiction-Film „Der Marsianer“ (2015) dargestellt.

Das Herzstück von „Eu:Cropis“ sind zwei von den einzelligen Augentierchen (Euglena gracilis) besiedelte Biofilter, die den Erdboden simulieren. Die den Sauerstoff produzierenden Mikroorganismen sollen das rieselnde Urin in eine Nitratlösung umwandeln: Das ist der Dünger, den die Weltraum-Tomaten später brauchen werden, um zu keimen. Ein LED-Licht soll für die Euglena und die Tomatensamen einen natürlichen Tag-und-Nacht-Rhythmus erzeugen. Mithilfe eines Drucktanks stellen die DLR-Forscher in den beiden kosmischen Gewächshäusern schließlich die irdische Atmosphäre dar.

Bleibt noch die geringere Schwerkraft: Um die Mond- und Marsbedingungen nachzubilden, wird der Satellit sich vom Magnetfeld unseres Planeten abstoßen und dabei unterschiedlich schnell rotieren. So soll dann eine Gravitation entstehen, die jeweils 16 und 38 Prozent der Erdanziehungskraft betragen wird. Die Forscher können das Geschehen an Bord per Video beobachten. „Die Mission ist dann ein Erfolg, wenn unsere Kameras gekeimte Tomate sehen werden“, erklärt der Gravitationsbiologe Jens Hauslage. „Wenn diese dann rote Früchte tragen, bedeutet das, dass die Früchte wiederverwendbare Samen entwickelt haben.“ Für den Kölner Wissenschaftler wäre dies ein „großer Durchbruch“.

Laut Hauslage müssten die Space-Tomaten ziemlich lecker sein. Dies herauszufinden, ist ihm und seinen DLR-Kollegen allerdings nicht vergönnt: Die kostengünstige Mission sieht vor, dass der Satellit mit den Proben nach einem Jahr in der Erdatmosphäre verglüht.