Franz Beckenbauer schreitet 1967 zum Länderspiel gegen Marokko. Hinter ihm Lothar Ulsaß, Siggi Held und Jupp Heynckes. | Foto: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger

Die Länderspiele im Wildpark

Gutes Pflaster für die Nationalelf

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Die Weltmeister testeten für die nächste WM – und die sündhaft teure neue Haupttribüne war 1993 gut genug für Repräsentationszwecke. Am 13. Oktober 1993 erlebte Karlsruhe das vorerst letzte Gastspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Jeder Schuss ein Treffer hieß es in den ersten zwölf Minuten gegen Uruguay. Guido Buchwald, Andi Möller und Karl-Heinz Riedle netzten ein.

5:0 gegen Uruguay

Hinterm Tor der damals international zweitklassigen „Urus“ prangte ein riesiges Transparent „Bühlertal“. Am Ende bejubelten 29 000 ein 5:0. In der 87. Minute machte Stefan Effenberg Platz für Thomas Ritter. Der damalige Lauterer sollte später für drei Jahre zum KSC stoßen. Im Wildpark holte er sich dank Trainer Berti Vogts dem Titel „Vize“ in der Statistik für die wenigstens Länderspielminuten eines einmaligen Nationalspielers.

5:1 gegen die Schweiz

Bereits beim ersten Länderspiel im Wildpark durften 1955 gegen Norwegen Weltmeister bewundert werden: Die 54er Jupp Posipal, Werner Liebrich Horst Eckel und Fritz Walter, der ein Tor zum 2:0 beisteuerte. Es handelte sich um einen der raren Siege von Seppl Herberger kurz nach dem Wunder von Bern. Kurz vor Weihnachten 1962 führte Uwe Seeler gegen die Schweiz eine Elf mit den heute unbekannten Wilden, Reisch oder Heiß aufs Feld. Immerhin sprang vor 48 000 ein klares 5:1 heraus.

„Dürftiges 5:0“ gegen Zypern

Mehrere Nationalspieler aus der zweiten Reihe durften 1965 ernsthaft ran: Zypern war Gegner in der WM-Qualifikation. Ein „dürftiges 5:0“ bilanzierte das „Sport Magazin“. Die 40 000 Zuschauer seien „murrend und zischend“ abgezogen. Die Zyprioten erwiesen sich als durchschnittliche Regionalliga-Mannschaft.  Doch die deutschen Spieler fanden kaum ein Durchkommen. Wenn man von den Toren absieht, die je zwei Mal Wolfgang Overath und Klaus-Dieter Sieloff sowie Heinz Strehl erzielten. Der Nürnberger wurde troztdem nie wieder in die Nationalmannschaft berufen.  Helmut Schön freute sich immerhin über den ersten Sieg als Bundestrainer, nach zwei Unentschieden seit seinem Amtsantritt als Nachfolger von Seppl Herberger. Die Zeitung Haravghi aus Nikosia stellte vom Karlsruher Spiel folgendes heraus: „Die deutschen Fußballfreunde spendeten der Zypern-Mannschaft Beifall sowohl für ihre heldenhafte Haltung als auch für ihre Würde.“

Mit einem KSC-Spieler 5:1 gegen Marokko

Als die DFB-Elf bereits 1967 wieder antrat, war KSC-Spieler Klaus Zaczyk dabei. Er traf sogar im Februar 1967.  Die weiteren Torschützen: Lothar Ulsaß, der mit Braunschweig überraschend Deutscher Meister werden sollte in jenem Jahr, Jupp Heynckes bei seinem Länderspieldebut und Johanne Löhr, Marokko nahm die obligatorischen fünf Erinnerungstore aus Karlsruhe plus Ehrentreffer mit.
Bei YouTube lässt sich Günter Netzers Flachfreistoßroller vom 2:0 gegen Albanien 1971 bewundern. Georg Schwarzenbeck debütierte auf Wunsch von Franz Beckenbauer. Sechs Gladbacher standen auf dem Platz – und der siebte wurde eingewechselt. Mit dem Bau der WM-Stadien für 1974 geriet Karlsruhe lange ins Abseits als Länderspielort. Nur Borussia Mönchengladbach sorgte für globales Flair. Die „Fohlen“ trugen ihr Weltpokal-Rückspiel gegen Boca Juniors Buenos Aires am 1. August 1978 in der badischen Fremde aus – und unterlagen mit 0:3. Beim Gegner gastierte mit Alberto Tarantini wieder ein Weltmeister im Wildpark.