BNN-Redakteur rückt mit dem Rechen Algen, Schlick und Schlamm auf die Pelle. | Foto: Patric Kastner

#Holgerschafft

Mit dem Rechen gegen Algen, Schlick und Schlamm

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Es ist 6.30 Uhr am Montagmorgen in der Günther-Klotz-Anlage. Ich stehe am Rand des Modellbootteiches und blicke auf das Wasser. Algen haben sich in den vergangenen Wochen auf dem Gewässer breitgemacht, grüne Narben treiben träge auf der Oberfläche. Ein süßlich-modriger Geruch liegt über der Szenerie, Mücken steigen auf im Licht des frühen Morgens. Schon bis zum Mittag muss dieser See komplett leer sein. Bald soll hier nämlich die DJ-Bühne für das Fest stehen – und ich werde mithelfen, das Wasser aus dem Betonbecken in die nahe Alb zu befördern. Mein Blick schweift nach oben, zur grauen Wolkendecke hin. Regen war angekündigt, aber noch hält es.

Es sind gut zwei Handvoll Helfer, vom Gartenbauamt der Stadt, und dem Fest-Aufbauteam, die gegen 7 Uhr anrücken. Alle tragen sie Gummistiefel und lange Hosen. Auch stülpe die klobigen Arbeitsschuhe über, hole mir einen der großen Rechen ab, die auf der Ladefläche eines orangefarbenen Transporters der Stadt liegen und warte auf Anweisungen. Doch bevor wir in dem trüben Wasser waten können, muss der Ablauf zur Alb geöffnet werden. Dort, wo See und Alb sich am nächsten kommen, schrauben die Helfer mit einem schweren Kreuz die Klappe nach oben. Aus dem anfänglichen Gluckern erwächst ein Rauschen, die Oberfläche des Sees gerät in Bewegung. „Ab in den See“, kommt das Kommando.

Zeit für die Gummistiefel

Die Zeit der Gummistiefel ist angebrochen, ich steige vorsichtig und staksigen Schrittes in den See. Wie griffig kann so ein schlammiger Grund schon sein? Ausreichend, wie sich schnell herausstellt. Am Rand ist das Wasser etwa 25 Zentimeter tief. Das komplette Team hat sich gleichmäßig am Seerand verteilt, das Arbeitsgerät im Anschlag.

„Immer in Richtung des Ablaufs schieben, mit dem abfließenden Wasser“, werden wir instruiert. Ich drücke den Rechen durch das brackige Wasser, schiebe Schlick, Algen und andere Wasserpflanzen auf einer kleinen Bugwelle in Richtung des abströmenden Wassers. Nach 20 Minuten bekommt das Team Unterstützung – ein Schneeräumer mit montiertem, kleinen Pflug rollt auf einer Rampe von außen ins Becken. Die ersten zwei oder drei Meter zum Rand sind bereits trocken gelegt, der Fahrer des Räumers zirkelt um die stetig kleiner werdende Wasserfläche, schiebt den Morast vor sich her.

Es ist jetzt 10 Uhr durch. Mit der Zeit kostet es Kraft, den Rechen durch den immer schlickiger werdenden Seegrund zu pflügen. Das zurückweichende Wasser gibt mehr vom schlammigen Untergrund frei. Noch dazu ist das Wetter schlechter geworden. Aus einem zaghaften Tröpfeln ist ein kapitaler Regenguss geworden. Regencapes werden in Eile verteilt, aber da klebt mir die Kleidung schon an der Haut, einzig meine Füße in den Gummistiefeln. Immerhin hält das Wetter die Mücken vom Fliegen und Stechen ab. Hin und wieder fischen wir Pflastersteine und Flaschen aus dem See – den Unrat legen wir an den Rand.

Gegen 11 Uhr ist es nur eine kleine Pfütze im Regen, die übrig geblieben ist und langsam und stetig mit den letzten Resten an Algen und Schlick abfließt. Die Arbeit ist getan, die DJ-Bühne kann kommen. Aus den Gummistiefeln geht es wieder in die Sportschuhe – durchnässt bis auf die Sohle.