Gastgeber in Berlin war der Goldstadt-Sponsor und sächsische Nobeluhren-Hersteller Glashütte Original, der neuerdings mit Stolz nach außen trägt, dass seine Zifferblätter aus der Wiege der deutschen Uhrmacherkunst an der Enz stammen. | Foto: Hilse

Goldstadt feiert auf Berlinale

„Das ist längst eine Bürgerbewegung“

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Im Hintergrund dröhnt das Lachen von Catherine Deneuve und der rote Teppich vor dem großen Haus liegt eigentlich auch gar nicht für die Pforzheimer aus. Doch die lassen es sich nicht nehmen, ihren großen Abend zu feiern, als wären sie die absoluten Superstars der Berlinale. In der „Golden Bear Lounge“ des Grand Hyatt, im glitzernden Umfeld des großen Berliner Filmfestivals, beging die Goldstadt am Dienstagabend ihr „Coming out“. Aus der Werkbank des Schmucks soll jetzt endlich eine Weltmarke des Glamours werden.

„Made in Pforzheim“ wird mit Stolz getragen

Sponsor, Gastgeber und großes Vorbild dieser Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling ist an diesem Abend der einstige Volkseigene Betrieb „Glashütte Uhren Kombinat“. Längst sind die Sachsen zur Nobelmarke der mechanischen Uhrenkunst aufgestiegen. Unter dem Markenzeichen „Glashütte Original“ produzieren sie nicht nur hochwertige Zeitmesser, sie tragen auch mit Stolz das „Made in Pforzheim“ auf ihren Zifferblättern.

Traditionsindustrie ist unser Juwel, mit dem wir glänzen

„Und diese Zifferblätter sind Ausdruck hochwertigen Designs, für das wir in Pforzheim stehen“, sagte Oberbürgermeister Gert Hager beim Gala-Empfang zum Schmuckjubiläum. Es sei kein Zufall, dass sich die Sachsen das größte sichtbare Einzelteil ihrer Uhren aus der Goldstadt holten. „Solch ein Design muss ja in Pforzheim produziert werden.“ Wesentlicher Teil dieses Erfolgs sei neben der Traditionsindustrie auch die Hochschule. „Die ist nicht nur unser Pfund, mit dem wir wuchern, sie ist unser Juwel, mit dem wir glänzen.“

Baral lobt „Wir-Gefühl“

Festivalkoordinator Gerhard Baral sieht das Jubeljahr der Goldstadt schon jetzt als großen Wurf. „Wir haben ein Wir-Gefühl geschaffen. Pforzheim redet nicht über seine Probleme, sondern über das, was uns ausmacht. Und mit Goldstadt 250 haben wir eine Geschichte, die wir weitererzählen können.“

Längst sei das Jubliäum kein Fest der Branche mehr. „Das ist eine Bürgerbewegung geworden. Und ich schau schon mal weiter auf das Jahr 2022, wenn wir die Ornamenta neu beleben und dann jedes Jahr auf der Berlinale unsere neuesten Ideen präsentieren“, so Baral.

Botschafter für die Goldstadt

Dass sich selbst „Enzkreiskinder“ am Goldstadtglamour berauschen können, beweist Fools-Garden-Sänger Peter Freudenthaler, der als Botschafter seines Oberzentrums in der Welt unterwegs ist. „Ich werde immer wieder mit der Aussage konfrontiert, Pforzheim sei doch nicht besonders schön. Und wir haben in der Geschichte ja auch sehr viel Pech gehabt. Aber es gibt sehr viele schöne Ecken und wenn man genau hinschaut, dann wird es immer attraktiver.“

Als Moderator des Abends trat Pforzheims wichtigster Botschafter in Berlin und auf den Weltmeeren auf. Als Co-Gastgeber wurde aus dem Juwelier Georg Leicht unmerklich ein „Jubelier“, der seine Gästen gekonnt zu Lob und Preis der Goldstadt animierte. So fiel der SPD-Bundestagsabgeordneten Katja Mast ein, dass sie all jene Politkollegen, die sie nach ihrer Heimat fragten, stets zu Leichts Auslagen im Hotel Adlon führe. „Und mit dem Blick auf die Schmuckstücke im Schaufenster des Juweliers sage ich dann, da komme ich her.“ Und Masts CDU-Kollege Gunther Krichbaum schlug den Bogen von der Traditionsindustrie zur Präzisionstechnik. „Denn Pforzheim ist längst schon mehr als Schmuck und Uhren.“

Diese Ursprungsbranche vertritt nach wie vor der in Pforzheim beheimatete Bundesverband Schmuck und Uhren. Und dessen Präsident, der Brötzinger Unternehmer Uwe Staib, brachte mit einem Glas Champagner in der Hand und der sprichwörtlichen Pforzheimer Zurückhaltung die Euphorie der Marketingexperten, Künstler und Politiker wieder auf den Boden der Realitäten. „Das Glas ist halb voll.“ Immerhin.