Ob sich der Toilettendeckel öffnet, hängt bei der Pforzheimer Rube Goldberg Maschine an 500 Einzelaktionen. | Foto: Ehmann

Ausstellung in Pforzheim

Luxus pur im neuen Alfons-Kern-Turm

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Private Grünoase inmitten der Stadt, Stühlchen und Tischchen für den Nachwuchs mit Barbie, Playmobil und Monopoly, Schuhe, Porzellan, Schmuck. Alles Luxus!? Sicher, aber warum? Was unterscheidet ein Luxusobjekt vom Alltagsgegenstand und warum treten in der Ausstellung im umgestalteten Alfons-Kern-Turm tibetische Mönche auf?
Antworten dazu gibt es bis 25. Juni 2017 auf drei Etagen bis hin zu Luxus pur, den die Hochschule anlässlich des Jubiläums 250 Jahre Goldstadt betreibt: 88 Studierende arbeiten an der weltgrößten Rube Goldberg-Maschine. Ob sie funktioniert und sich nach 500 Einzelaktionen ein Toilettendeckel öffnet, wird sonntags um 15 Uhr gezeigt. Aufwand, der sicher über das Notwendige hinaus geht.

Bettina Schönfelder und Thomas Hensel thematisieren in der Ausstellung zum Schmuckjubiläum auch den Rückzug in die private Grünoase. | Foto: Ehmann

Pforzheim kann sich den Luxus leisten, solches zu machen und zu hinterfragen, weil „Stadt und Hochschule über vier, fünf Jahre aufeinander zugegangen sind“. Michael Throm, Dekan der Fakultät für Gestaltung, stellt diesen Prozess an den Beginn seiner Würdigung dessen, was Kunsthistorikerin Bettina Schönfelder und Designprofessor Thomas Hensel zum schillernden Begriff Luxus präsentieren. „Er ist ein ganz heißes Eisen in der deutschen Wertschöpfung.“ Throm nennt beispielhaft die wirtschaftliche Rolle, die Premiumautos haben. Die Hochschule spiele damit auch das Thema Schmuck und Ornament in die Zukunft, unterstrich er die Bedeutung des Beitrags und des Alfons-Kern-Turms für eine nachhaltige Wirkung des Jubiläumsgeschehens.

Spielort für Experimente

„Er wird ein Hotspot“, zeigt sich Kulturdezernentin Sibylle Schüssler bereits jetzt überzeugt davon, dass der Gemeinderat richtig entschieden hat und die 400 000 Euro von der Wild-Stiftung für den Umbau gut investiert wurden. Es gelinge so auch eine wunderbare Verbindung zu Stadtbaumeister Alfons Kern sowie zum Design-, Architektur- und Gestaltungsunterricht an der nach ihm benannten Schule, zu der der Turm einst gehörte. Alles zusammen werde zu der in vieler Hinsicht erhofften Belebung des Quartiers führen, sagt die Leiterin des benachbarten Kreativzentrums EMMA, Almut Benkert. Kulturamtsleiterin Angelika Drescher begrüßt den Turm in Pforzheim als einen nachhaltigen Spielort für Experimente. Jubiläumskoordinator Gerhard Baral leitet daraus eine Verpflichtung ab. Der Ort biete die Möglichkeit, das Thema Design über einen langen Zeitraum zu spielen.

Design und Verknappung führen zum Preis

Eine schlichte Birkenstocksandale enthüllt in der Ausstellung vieles von dem, was damit verbunden ist. Allein schon, dass sie mit leuchtendweißer Sohle und marineblau durchgefärbtem Leder daher kommt, hebt sie heraus. Schmuckmacher Patrik Muff setzt dabei auf einen Klassiker, auf Tradition und auf die Qualität des Materials. Ergänzt mit Schnallen aus massivem Sterlingsilber ist der Treter der Aura spießiger Privatheit weit enthoben. Luxus durch Design, Materialwert, Verknappung und Preis. Das Paar zum Statusobjekt gewordener Komfortschuhe kostet um die 400 Euro.

Hidden Wealth

Aber entscheidend muss nicht das sein, was man sieht, sondern was man hat, macht der dritte Teil der Ausstellung deutlich: Hidden Wealth – versteckter oder verborgener Wohlstand. Er zeigt sich im Seidenfutter, von dem nur die Trägerin eines Mantels weiß, oder in einer unsichtbaren Goldkugel in einem Gummiarmreif. Wer die Zeichen erkennt, gehört dazu. Und wer es sich leisten kann, einen leeren Raum zu bespielen, ist auf der Höhe immateriellen Luxus’ angekommen, der dem Zeitgeist gesättigter Gesellschaft entspricht.

„Raum vergolden“ geht täglich

Exklusivität bei Raum und Zeit hat natürlich ihren Preis. Wer edelstes Wasser verkosten (3. Juni) und still sitzen möchte (28. Mai), eine japanische Tee-
zeremonie (17. Juni) oder ein Klangstein-Konzert (22. Juni) reizvoll findet, muss sich anmelden, aber nichts dafür bezahlen: luxus@hs.pforzheim.de. Das gilt auch für die Sand-Mandalas der tibetischen Mönche. Nur „Raum vergolden“ ist einfach so möglich, immer zwischen 17 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung „Luxus!? – Positionen zwischen Opulenz und Askese“ gibt es am 23. und 24. Juni auch ein hochkarätig besetztes Symposium. Danach leistet sich die Hochschule dann noch etwas „Einmaliges in Deutschland“. Anstelle der Werkschau gibt es vom 11. bis 17. Juli eine Designwoche.  http://www.goldstadt250.de