Familienbild: Ein Bentley Continental GT3, wie er auch auf Rennen eingesetzt wird, umrahmt von zwei Blower Bentleys. | Foto: Bentley Media

Die Geschichte von Bentley

100 Jahre Geschwindigkeit und Luxus

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Luxus, Komfort und Dynamik auf höchstmöglichem Niveau: Wie kaum eine andere Automarke zelebriert Bentley das Automobil als Objekt der Leidenschaft und technischer Perfektion. Die Modelle sind zum einen Hingucker und zum anderen Fahrmaschinen im besten Sinn. Damit liegen sie immer noch, einhundert Jahre nach Firmengründung ganz auf Linie des Firmengründers. Das Oldtimer-Meeting Baden-Baden feiert die Luxusmarke Bentley, die 2019 Ehrengastmarke in der Kurstadt ist.

Bentleys Firmengründer Walter Owen Bentley am Steuer eines Rennwagens. Der ehemalige Royal Airforce-Pilot hatte ein Faible für hohe Geschwindigkeiten. | Foto: Bentley Media

Das Rennfahren lag Walter Owen Bentley im Blut – schnelle Fahrzeuge waren seine Leidenschaft. Doch der 1888 in London geborene hatte ein Problem mit den Fahrzeugen zur damaligen Zeit. Die Gefährte, die zur Wende auf das 20. Jahrhundert und kurz danach auf den Straßen unterwegs waren, waren in seinen Augen laut, gefährlich und zu schlicht. Und zu langsam. Als Pilot in der Royal Air Force war er Geschwindigkeit gewohnt. W.O. Bentley, selber Ingenieur und Konstrukteur, wandte sich selbst der Entwicklung von Fahrzeugen zu, die seinen hohen Ansprüchen an Fahrleistung, Komfort und Sicherheit entsprachen. Im Januar 1919 wurde das Unternehmen Bentley Motors im Londoner Stadtteil Cricklewood gegründet. Es war auf der Autoausstellung in London 1919, als Bentley sein erstes Auto vorstellte.

1921 kam das erste Serienmodell von Bentley

Im September 1921 wurde das erste Produktionsfahrzeug dann fertig gestellt. Der Bentley 3 Litre war in der Standversion etwa 70 PS stark und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 129 Stundenkilometer. Die schnellste Version Super Sports erreichte sogar die prestigeträchtige Marke von 100 Meilen pro Stunde, etwa 160 Stundenkilometer. Der Bentley 3 Litre Super Sports war damit zum damaligen Zeitpunkt das schnellste Serienstraßenfahrzeug der Welt. 1924 gewann ein Bentley 3 Litre Super Sports die zweite Ausgabe des 24 Stunden-Rennens von Le Mans.

Drei der in Le Mans im Jahr 1929 eingesetzten Bentleys. Das Unternehmen gewann das Rennen in den Jahren 1924, 1927, 1928, 1929 und 1930. | Foto: Bentley Media

Im selben Jahr wurden 462 Chassis des Typs 3 Litre verkauft. Sie gehörten damals zu den herausragendsten Automobile, die man für Geld kaufen konnte. Und immer noch stand hinter dieser Idee des Exklusiven Firmengründe W.O. Bentley. „Ich wollte ein schnelles Auto produzieren, ein gutes Auto. Das Beste in seiner Klasse“, wird er zitiert. Es folgten zahlreiche Geschwindigkeits- und Langstreckenrekorde bei legendären Rennen wie Indianapolis, Isle of Man und Brooklands. Nach 1924 konnte Bentley noch die Le Mans-Rennen von 1927, 1928, 1929 und 1930 für sich entscheiden.

Der Umbruch mit Rolls Royce

Die 30er-Jahre brachten sportlicher Erfolge zum Trotz finanzielle Herausforderungen für die Marke Bentley, die letztlich im Jahr 1931 vom Rolls-Royce Konzern übernommen worden ist. Das erste Automodell nach der Übernahme war der Bentley 3 ½ Litre, der in Derby produziert wurde. Mit dem Fahrzeug wurden die besten Eigenschaften der Marken Bentley und Rolls-Royce verbunden. Agilität mit Luxus, Kraft mit Ruhe.

Wohin führt der Weg? Der Blower Bentley gehört zu den legendärsten Fahrzeugen des Unternehmens – obwohl der Firmengründer W.O. Bentley dem Konzept eines turboaufgeladenen Motors nur wenig abgewinnen konnte. Einflussreiche Käufer verlangten jedoch nach dem Auto. | Foto: Bentley Media

Kunden äußerten im Lauf der Jahre den Wunsch nach größeren Aufbauten – der drei Liter Motor kam so langsam an seine Grenzen. So wurde der Six Speed Salon mit einem sechseinhalb Liter Motor gebaut. Es war die Krönung an Kraft und Muskulosität, die Bentley mit den Vorkriegs-Grand Tourern erreichte. Noch heute nehmen die Bentley-Designer das niedrige Dach und die langgezogene, mächtige Motorhaube als Inspiration für ihre Fahrzeuge.

Komfort und Geschwindigkeit auf vier Rädern: Ein Bentley S2 Continental Flying Spur, der zwischen 1959 und 1962 gebaut worden ist. 187 PS aus 6,2 Litern Hubraum beschleunigten das Gefährt auf maximal 183 Stundenkilometer | Foto: Bentley Media

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Crewe, etwa 45 Kilometer südlich von Manchester, zum neuen Firmensitz Bentleys. Der Industriestandort bot die besten Voraussetzungen für den Automobilbau – entsprechend wurden Fahrzeuge entwickelt, die den hohen Anspruch des Unternehmens auch gerecht werden konnten. 1952 beispielsweise wurde mit dem Bentley R-Type Continental ein gut 193 Stundenkilometer schneller Grand Tourer vorgestellt, der sich den Ruf als schnellster und luxuriösester Viersitzer der Welt erwarb. Es ist der letzte Bentley, der noch ohne das entsprechende Gegenstück des Mutterkonzerns Rolls-Royce produziert wurde.

In den 1980er-Jahren schöpfte Bentley neuen Elan

Das hinderte Bentley aber nicht daran, in den folgenden Jahren weiter wegweisende und stilprägende Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. 1965 wurde die T-Serie vorgestellt, baugleich zum Rolls Royce Silver Shadow. Ab 1971 fuhr dann die T-Serie weiter unter der Bezeichnung Corniche. 1994 wurde daraus dann der Continental, wie er auch heute noch bei den Kunden beliebt ist. Graziös im Design, sanft aber unnachgiebig in der Leistungsentfaltung: So konnte Bentley sein Renommee als Hersteller hoch performanter und luxuriöser Fahrzeuge wieder ausbauen.

In den 80er-Jahre wurde diese Identität und das Selbstverständnis weiter entwickelt, unter anderem mit dem Mulsanne, der als Turbo-Variante mit seinen etwa 300 PS in sieben Sekunden auf 100 sprintete – das Schwestermodell von Rolls Royce, der Silver Spirit, benötigte für diese Übung 10 Sekunden. Die letzte Evolutionsstufe des Modells war der RT Turbo mit 425 PS, der von 1997 bis 1999 produziert worden ist.

Zwischen Tradition und Aufbruch: Bentley 8 Litre, gebaut zwischen 1930 und 1932 zusammen mit einem Bentley Mulsanne. | Foto: Bentley Media

1998 erwirbt die Volkswagen Gruppe Bentley und führt das traditionsreiche Unternehmen im Sinn von O.W. Bentley fort. Mehr noch: Volkswagens Investitionen gaben dem Unternehmen ungeahnten Auftrieb. 2001 kehrte Bentley zu seinen Ursprüngen zurück, nahm mit zwei EXP Speed 8s an Le Mans teil und gelangte auf Anhieb auf den dritten Platz. Es war der erste Podiumsplatz nach 71 Jahren.