BNN-Redakteur Holger Keller schafft mal wieder. Dieses Mal geht es mit der Putzkolonne über die Klotze. | Foto: Patric Kastner

#holgerschafft

Wie Heinzelmännchen in der Dämmerung

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Es ist noch Nacht, als ich in die Klotze komme. 4.40 Uhr zeigt mir meine Uhr an. Für #holgerschafft werde ich an diesem Samstagfrüh zusammen mit der Putztruppe das auflesen und wegfegen, was die Besucher den Freitag über an Müll auf dem Gelände haben liegen lassen. Nicht wenig, denke ich. Aber Günter Eckert, dessen Unternehmen für die Reinigung zuständig ist und den ich um 5 Uhr vor der Hauptbühne treffe, sieht das anders: „Das ist noch recht überschaubar. Wegen des Regens gestern und da die Besucher ja am Freitag erst ab 17 Uhr auf das Gelände kommen.“ Darüber hinaus haben sich die anfallenden Müllmengen in den vergangenen Jahren durch das Zutun der Veranstalter und zu dessen Freude gut entwickelt. 2013 waren es 24,89 Tonnen Restmüll, im vergangenen Jahr nur noch 14,43 Tonnen. Dafür stieg der Wertstoffmüll im selben Zeitraum von 1,32 auf 7,48 Tonnen.

Wieder mit dem Rechen unterwegs

Gegen Viertel nach fünf sind wir komplett. Das Arbeitsgerät, im übrigen schon wieder ein Rechen, Handschuhe und Warnwesten, werden verteilt. Beim Briefing, abgehalten im gelb-fahlen Schein der Hauptbühne-Beleuchtung, erklärt Eckert, was zu tun ist, wie wir den Besen halten sollen („Sonst gibt es Blasen an den Fingern!“) und dass wir bis 13 Uhr Zeit hätten – dann wird das Gelände wieder für die Besucher geöffnet.

Es dämmert schon langsam, als wir den Hügel stürmen. Von oben nach unten durchrechen. Das steile Gelände hat mit einem Rechen in der Hand genau die gleichen Tücken wie mit einem Getränkebecher – es ist rutschig, der Regen vom Vortag hat die Erde aufgeweicht. Vorsichtig reche ich Flaschen, Papier, gebrauchte Regenponchos und Plastikbecher zu einem Haufen zusammen, die dann mit Schaufel und Besen in die am Weg stehenden Tonnen befördert werden. Vom Hügel geht es vor die Hauptbühne. Mehr Becher, mehr Ponchos, achtlos weggeworfen.

Optimalerweise sollte sich die Kolonne in einer Linie über das Gelände bewegen – hin und wieder muss geordnet werden, damit die Reihe steht. Auch ich bewege mich das eine oder andere Mal aus der Reihe – ein kurzer Pfiff vom Vorarbeiter, ein Blick zurück und schon steht die Formation wieder.

Härtetest an der DJ Bühne

Wir kommen zügig voran – hin und wieder wird  ein mobiler Sauger heran gefahren und fischt den Unrat vom Rasen. Gerade haben wir den Bereich vor der Hauptbühne verlassen. Der Unterschied ist wie Tag und Nacht, hell ist es nun auch schon seit einer Stunde.  Ich blicke den Karl-Wolf-Weg hoch in Richtung Kühler Krug. Noch liegt die Kultur- und Feldbühne vor uns. Das Gelände ist weitläufig, wenn man jeden Quadratmeter nach Müll absucht. Immerhin misst es 24 Hektar.

Tatsächlich sind wir aber schnell mit den Bereichen an Kultur- und Feldbühne durch. Erstaunlich wenig Müll hat sich hier angesammelt. Der letzte Härtetest für die Putzkolonne ist die DJ Bühne. Hier liegt deutlich mehr Unrat, doch dank der asphaltierten Fläche kommen wir mit den Besen gut voran. Nach wenigen Minuten ist die große Tanzfläche wieder sauber.

Eckert ruft die Truppe zusammen, spendiert Applaus für eine gute Leistung an diesem Morgen. „Kennt ihr die Geschichte mit den Heinzelmännchen?“ Eckert schaut aber auch auf den Sonntag: „Da wird eine ganze Menge mehr Müll rumliegen.“