ZiSch | Heinrich-Hertz-Schule Karlsruhe | Klasse 1BK2T
Vielen Menschen macht es Spaß, in einer großen Gruppe eine Radtour zu unternehmen. | Foto: dpa

Heinrich-Hertz-Schule

Radtour in großer Gruppe

Michael Patel | Klasse 1BK2T
Heinrich-Hertz-Schule Karlsruhe 

Gemeinsam für einen besseren Nahverkehr in der Stadt

Jeden letzten Freitag im Monat, in vielen Städten rund um die Welt, um 18 Uhr Ortszeit: Viele Radfahrer treffen sich scheinbar plötzlich und unorganisiert für eine Tour durch die Stadt, jeder mit seinem eigenen Grund für die Teilnahme. Gemäß der Grundidee der Critical Mass, welche es nun seit 1992 in San Francisco gibt, fahren viele, um dem Fahrrad in der Stadt mehr Aufmerksamkeit zu schenken, eine bessere Luft- und Lebensqualität anzustreben oder weil es einfach Spaß macht, in einer großen Gruppe eine Radtour zu unternehmen.

So ging es auch mir, als ich das erste Mal bei der Critical Mass dabei war. Ohne Anmeldung oder Bekannte bei der Critical Mass, fuhr ich pünktlich zum Karlsruher Kronenplatz, wo sich auch schon rasch über 100 Leute mit Fahrrädern versammelten und kurz darauf losfuhren. Eine bunte Mischung aus Rennrädern, Liegerädern, Lastenrädern, Mountainbikes, Velomobilen, elektrisch unterstützten Fahrrädern, sogenannten Pedelecs, normalen Cityrädern und einem „Sound-Bike“ für etwas unterhaltende Musik ergaben ein eindrucksvolles Bild. Natürlich machten die ausgefallenen Fahrräder der Gruppe sofort neugierig und so kam ich recht schnell ins Gespräch und lernte die ersten anderen Teilnehmer mit ihren Fahrrädern kennen.

Weniger Radwege in Amerika als in Deutschland

Es wurde über Fahrkomfort, Sichtbarkeit im Straßenverkehr und Kosten geredet. Wichtige Themen für das Fahren mit dem Fahrrad, denn die Straße wird häufig mit viel schnelleren Autos geteilt und so kann es leicht zu gefährlichen Situationen kommen, wenn nicht alle Verkehrsteilnehmer aufeinander achten. Ein Thema, wegen dem die Critical Mass besonders in Amerika sehr viele Radfahrer zusammenbringt, da dort deutlich seltener Radwege zu finden sind.

Aber auch bei uns in Karlsruhe kann noch viel getan werden, wie ein vergleichender Blick in Richtung Kopenhagen zeigt. Dort gibt es teilweise mehrere Meter breite, mehrspurige Fahrradwege und der Radverkehr wird so oft wie möglich vom Kraftfahrzeugverkehr getrennt, um für alle Verkehrsteilnehmer mehr Sicherheit zu gewährleisten. Für einen solchen Ausbau der Fahrradwege setzt sich aber nicht nur die Critical Mass ein, sondern auch der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) und der VCD (Verkehrsclub Deutschland).

Routen sind frei von Gefahrenquellen

In meinen weiteren Gesprächen mit anderen Radfahrern während der Critical Mass erfuhr ich, dass sich viele aus ökologischen Gründen für das Fahrrad entschieden haben. Das Fahrrad verursacht unter anderem keine Abgase und muss nicht regelmäßig betankt werden. Durch letzteres entsteht auch ein enormer finanzieller Vorteil für Pendler – einmal ein Fahrrad gekauft, entstehen kaum noch laufende Kosten, dazu ist man in vielen Teilen der Stadt sogar schneller am Ziel als mit dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr.

Nachdem sich die Critical Mass langsam dem Ende näherte, wurde kurzerhand von einer Gruppe geplant, dass wir uns doch nach der Tour in ein Restaurant oder Café setzen könnten, um sich auch abseits des Fahrrades kennenzulernen.

Die Touren der Critical Mass gehen quer durch Karlsruhe und Umgebung, werden jedes Mal von jemand anderem geplant und in einem angenehmen Tempo gefahren. Die Länge der Routen ist im Schnitt zehn Kilometer und wird im Sommer etwas länger. Soweit es möglich ist, werden Wege gewählt, die frei von Schienen und anderen Gefahrenquellen sind, somit ist die Fahrt für Alt und Jung entspannt machbar. Seit 2016 ist in Karlsruhe außerdem die Polizei dabei und hilft, Gefahrensituationen mit anderen Fahrzeugen auf der Straße zu vermeiden und der Gruppe genügend Platz zu schaffen.