ZiSch| Heinrich-Hertz-Schule Karlsruhe | Klasse 1BK2T
Heinrich-Hertz-Schule, 1BK2T | Foto: Heinrich-Hertz-Schule Karlsruhe

Heinrich-Hertz-Schule

Das gemeinsame Leben der Menschen

Anzeige

Vedat Kanlier und Edin Hodzic | Klasse 1BK2T
Heinrich-Hertz-Schule Karlsruhe

Zwei 18-Jährige berichten über ihre Religion

Zuerst einmal möchten wir dem Leser eine Aufgabe stellen. Denken Sie an einen Elefanten, nun an einen Tisch und zuletzt stellen Sie sich einen Terroristen vor.

An was haben Sie gerade gedacht? Bei dem Elefanten und dem Tisch stellt sich jede Person etwas anderes vor. Der eine denkt vielleicht an einen roten, der andere vielleicht an einen blauen Tisch. Doch bei einem Terroristen stellen sich die meisten das Gleiche vor: einen aus dem Nahen Osten stammenden Muslime mit einem Turban und einem „Salafisten-Bart“. Dieses Sinnbild eines Terroristen ist in uns beinahe eingepflanzt.

Der Islam ist längst ein Teil von Deutschland. Laut einer Statistik vom Bundesinnenministerium leben in Deutschland rund fünf Millionen Muslime, das entspricht etwa 4,5 Prozent der Bevölkerung. Viele Muslime in Deutschland mit einem Migrationshintergrund haben sich der Gesellschaft angepasst und akzeptieren die Vielfalt der Kulturen hier. Sie gehen zur Arbeit, möchten ein friedliches Leben haben und sehnen sich nach der Glückseligkeit. Natürlich gibt es Ausnahmen von Individuen, die sich unserer Gesellschaft nicht angepasst haben und sich nicht integrieren. Doch das sind meistens die Ausnahmen. In jeder Gesellschaft heutzutage gibt es die sogenannten „schwarzen Schafe“, die sich einfach nicht anpassen möchten. Doch ist das nicht das Ziel einer gelungenen Gesellschaft, miteinander zu leben und sich gegenseitig zu helfen für eine gemeinsame Glückseligkeit? Nur wenn alle einzelnen Personen gemeinsam kooperieren, werden sie sich auch selber stärken.

Die Religion kann einen Menschen stärken

Um der Einsamkeit zu entfliehen, suchen Menschen meistens eine Gemeinde oder eine Religion. Die Religion kann einen Menschen stärken und auf dem Weg, den diese Person beschreitet, begleiten. Sie kann ebenso aber eine geschwächte Person desorientieren und auf die falsche Bahn führen. Doch dies passiert in den seltensten Fällen.

Der Islam ist heutzutage ein Feindbild in den meisten Augen und differenziert sich angeblich vom Frieden. Bei gewissen Personen entsteht der Hass sofort, sobald sie das Wort „Islam“ überhaupt hören. Dabei ist der Islam eine friedliche Religion, die von gewissen Personen ausgenutzt wird, um ihre eigenen Vorstellungen zu begründen. Dabei wird die Einigkeit von Menschen im Islam großgeschrieben. So heißt es zum Beispiel im Koran, Sure 103 Vers zwei und drei: „Die Menschen sind wahrhaftig im Verlust; außer denjenigen, die glauben und gute Werke tun und sich gegenseitig die Wahrheit ans Herz legen und sich gegenseitig zur Geduld anhalten.” Nur gemeinsam sind wir Menschen stark und können Großes bewegen, dabei ist es irrelevant, an was die Personen glauben und woher die Personen stammen.

Für viele Migranten ist es schwer in Deutschland Fuß zu fassen aufgrund der Herkunft, des Aussehens und gegebenenfalls der anderen Glaubensrichtung. Auch wenn Migranten sich in die Gesellschaft integrieren, werden sie oft von dieser nicht als einer von ihren Kreisen akzeptiert. In ihrer Heimat beziehungsweise von ihrem Herkunftsland werden diese Menschen oft nicht mehr als einer ihres Gleichen gesehen. In Deutschland sind sie Ausländer, in ihrem Herkunftsland sind sie Deutsche. Das ist ein ganz großes Problem für Migranten: ihnen fehlt die Zugehörigkeit. So kann man sagen, dass Gemeinden oft eine Zuflucht für Menschen sind, die keine Zugehörigkeit haben. Das ist auf eine Weise sehr schön und für die Menschen ein Stück Glück zu einer Gemeinschaft zu gehören, doch das Problem ist, dass somit der Spalt zwischen Deutschen und Migranten immer größer wird.

Der Imam hält jede Woche eine Rede

Wir, die Verfasser dieses Artikels, sind zwei 18-jährige Jungs, die den Islam als ihre Religion anerkennen. Wir beide besuchen soweit wie möglich jeden Freitag unsere Gemeinde beziehungsweise unsere Moschee, um das wöchentliche Freitagsgebet auszuüben. Dabei hält der Imam jede Woche eine Rede bevor wir, die muslimische Gemeinde, gemeinsam betet. Der Imam fordert uns immer wieder auf, gemeinsam stark zu sein und den Leuten zu beweisen, dass wir eine friedliche Religion sind. Er möchte, dass wir Gutes tun und anderen Leuten helfen, egal welcher Religion oder Nationalität sie angehören. Wir sollten das Böse vermeiden und anderen Menschen keinen Schaden beifügen: Leben und leben lassen.

So etwas wie eine Hasspredigt haben wir beide nie in unserem Leben bis jetzt erlebt, so wie es häufig in den Medien veröffentlicht wird. Unsere Gemeinde und auch viele andere muslimische Gemeinden bieten einen Tag der offenen Tür an, um Menschen mit Interesse einen Blick auf die wahre Repräsentation des Islams und deren Bedeutung zu gewähren.

Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, öffnen viele muslimische Gemeinden ihre Pforten, um zu zeigen, dass der Islam zu Deutschland gehört. Dazu laden die Gemeinden auch Nicht-Muslime auf eine offene Diskussion ein, die von internationalen Spezialitäten begleitet wird, wie zum Beispiel arabischem Tee und türkischem Gebäck. Die Vereinsmitglieder hoffen auf eine rege Teilnahme der Karlsruher Bürger und wünschen, dass die Begegnungen an diesem Tag zu Brücken des Dialogs und des besseren Verständnisses werden.

Menschen aus Fleisch und Blut

Für eine schöne und gesicherte Zukunft ist das Leben miteinander die Lösung. Durch Kommunikation untereinander können wir Vorurteile beseitigen, die Werte des anderen verstehen und vielleicht sogar nachvollziehen. Wir sind alle Menschen mit denselben Bedürfnissen wie beispielsweise Freunde und Gemeinsamkeit. Unser Appell an den Leser /die Leserin ist es, weltoffener zu sein gegenüber allen Menschen auf dieser Welt, egal zu welcher ethnischen Zugehörigkeit diese Person gehört. Denn am Ende des Tages sind wir immer noch Menschen, die zusammen lachen, weinen, feiern und trauern. Menschen aus Fleisch und Blut.