Für den Erhalt des Gebäudes Hauptstraße 4 in Achern macht sich eine Bürgerinitiative stark.
Für den Erhalt des Gebäudes Hauptstraße 4 in Achern macht sich eine Bürgerinitiative stark. | Foto: privat

„Erhalt im öffentlichen Interesse“

Acherner Initiative will Abriss in Hauptstraße verhindern

„Die Bewahrung des historischen Erbes – das ist unsere Aufgabe.“ Johannes Mühlan, Siegfried Stinus und Peter Storch kämpfen mit der von ihnen ins Leben gerufenen Initiative um den Erhalt des Hauses der ehemaligen Höheren Bürgerschule (Hauptstraße 4) in Achern. Die 1877 gegründete Einrichtung ist die Keimzelle des heutigen Gymnasiums.

Nicht unter Denkmalschutz

Tatsächlich ist das von der Stadt Achern durch die Wahrnehmung eines Vorkaufsrechts erworbene Gebäude im Zusammenhang mit der anstehenden Neugestaltung des gesamten Areals an der Lammbrücke von der Abrissbirne bedroht. Die Bürgerinitiative möchte erreichen, dass die Stadt in dem anstehenden städtebaulichen Wettbewerb den Erhalt des spätklassizistischen Bauwerks festschreibt. Das im Inneren baulich immer wieder veränderte Gebäude stehe offiziell zwar nicht unter Denkmalschutz, stelle angesichts der geschichtlichen, kulturellen und stadthistorischen Bedeutsamkeit jedoch ohne Zweifel ein „Kulturdenkmal“ dar, dessen Erhalt „im öffentlichen Interesse“ sei. Entschieden widersprechen die Mitglieder der Initiative nach einem Besichtigungstermin den Äußerungen von Oberbürgermeister Klaus Muttach, der das Haus als „unbewohnbar“ eingestuft hatte.

Planer aus der Weinbrenner-Schule

Die an die Illenau erinnernde Architektur des Gebäudes stammt nach Ansicht von Experten aus der Schule des vor 250 Jahren geborenen badischen Baumeisters Friedrich Weinbrenner. Einer Expertise des Präsidenten der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft, Ulrich Maximilian Schumann (Karlsruhe), zufolge sei das Gebäude ein Werk des Weinbrenner-Neffen Johann Ludwig Weinbrenner oder des Weinbrenner-Schülers Hans Voss, der auch die Heilanstalt Illenau plante. Schumann weiter: „Uns beschäftigt nicht nur, dass hier, falls es tatsächlich zum Abriss kommen sollte, ein wichtiges Zeugnis der regionalen Kunst- und Kulturgeschichte unwiederbringlich verloren ginge, sondern auch, das die ohnehin schon stark zerrissene Häuserzeile der Hauptstraße einen ihrer attraktivsten Bausteine verlieren würde.“

Von 1877 bis 1905 befand sich die Höhere Bürgerschule in dem Gebäude Hauptstraße 4. Daraus entstand später das heutige Acherner Gymnasium .
Von 1877 bis 1905 befand sich die Höhere Bürgerschule in dem Gebäude Hauptstraße 4. Daraus entstand später das heutige Acherner Gymnasium . | Foto: Max Pache

„Sinnbild für weiblichen Bildungsanspruch“

Doch es ist nicht nur die Architektur – vor allem sind es historische Argumente die nach Ansicht der Initiative für den Erhalt des Hauses sprechen. Der erste Besitzer Carl August von Neuenstein stammt aus einem bedeutenden Adelsgeschlecht, das bereits im Mittelalter im Renchtal ansässig war und im Lauf der Geschichte auch Bezugspunkte zu Oberachern und Großweier hatte. Für den Erhalt des Gebäudes spreche ferner dessen Nutzung als Höhere Bürgerschule. Diese sei als Symbol für Acherns Weg in die Moderne und ein Zeugnis für Acherns Bildungskultur zu werten. Vor dem Hintergrund der seinerzeit letztlich erfolgreich geführten Debatte um die Aufnahme von Mädchen könne dieses Gebäude „als Sinnbild für die Anerkennung der Gleichberechtigung und eines weiblichen Bildungsanspruchs gewertet werden“.

Eine Absage erteilten die Mitglieder der Initiative der jüngst ins Gespräch gebrachten Idee, im Zuge der Umnutzung des Areals lediglich die Fassade des Hauses zu erhalten. Dies komme nur unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht – in diesem Fall müsste zumindest auch die Seitenfassade erhalten werden.

„Es handelt sich um ein qualitätsvolles Gebäude, das die fundamentalen Kategorien der Architektur – Solidität, Nutzbarkeit und Schönheit – auf zeitlose Weise verbindet“ (Ulrich Maximilian Schumann, Präsident der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft, Karlsruhe)