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An der Hochschule für Gestaltung wird Studium zur Kunst

In Berlin lässt sich bestimmt super Kunst studieren, aber in Karlsruhe hinterlässt man damit eindeutig mehr Eindruck. Das sagen drei Studierende der HfG, die es wissen. Im Interview sprechen sie darüber, was sonst noch das Studium zur Kunst werden lässt.

Mit ihren Lichthöfen im alten IWKA-Gebäude in der Südwest-Stafdt hat die HfG beeindruckende Ausstellungsmöglichkeiten. Hier und in den angeschlossenen Seminarräumen spielt sich ein großer Teil des Studentenlebens an der HfG statt. Foto: Evi Künstle
Mehr Kunstwerkstatt denn Hochschule, mehr Experimentierwerkstatt als Fertigungshalle: Die Staatliche Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe ist seit 1992 schöpferisches Epizentrum im Karlsruher Südwesten, untergebracht direkt neben dem Zentrum für Kunst und Medien in der markanten alten IWKA-Produktion. Die Hochschule hat sich über viele Jahre einen herausragenden Ruf erarbeitet. Warum das so ist und was das Studium an der HfG so spannend macht, erklären im Gespräch Johanna, Bruno und Moritz, die im zehnten Semester Kommunikationsdesign an der HfG studieren.

Knapp 400 Studierende sind derzeit an der HfG eingeschrieben – in Studiengängen wie Medienkunst, Kommunikationsdesign, Produktdesign, Ausstellungsdesign und Szenographie, Kunstwissenschaft und Medienphilosophie.

Kommunikationsdesign ist ein weitreichender Begriff. Welche Lehrinhalte stecken an der HfG dahinter?

Bruno: Kommunikationsdesign an der HfG ist inhaltlich sehr breit aufgestellt. Neben dem klassischen Grafikdesign, wie es auch in einer Ausbildung gelehrt wird, beschäftigt man sich darüber hinaus mit künstlerischen und konzeptionellen Aspekten des Fachs. Der Grundgedanke ist, dass sich der Studierende mit einer Problematik oder Vorgabe befasst und sie konzeptionell und visuell umsetzt.

Die Manhattan Bar, ein Projektraum in einer vorübergehend leerstehenden Bar, von außen während einem Konzert von Sloe Paul. Foto: David Heitz

Moritz: An der HfG wird der Begriff Grafik- und Kommunikationsdesign ganz konsequent erweitert um die elektronischen Medien – das klassische Gestalten für Print wird ausgebaut und fortgesetzt für die Neuen Medien und das Internet.

Das Studium entwickelt sich mit den persönlichen Vorlieben

Welche Arbeitgeber kommen denn dafür nach dem Studium in Frage?

Johanna: Ich könnte mir durchaus vorstellen, nach der Zeit an der HfG selbstständig als Kommunikationsdesignerin weiterzuarbeiten. Die Zeit an der Hochschule ist dafür die beste Vorbereitung, da man dort bereits im Rahmen kleiner oder großer Projekte und Kollaborationen beinahe natürlicherweise viele Kontakte knüpft. Daran lässt sich in der Zeit nach dem Studium bestens anknüpfen. Aber es gibt natürlich auch Absolventen, die zunächst beispielsweise in eine Agentur gehen um dort eine gewisse Routine zu entwickeln.

Die Manhattan Bar wird für einen Tag zum TV-Studio und streamt analog und digital. Foto: Mona Mayer

Moritz: Während des Studiums entwickeln oder ändern einige Studierende die Vorstellung dazu, was sie gerne später im Berufsleben machen wollen. Da hat jeder seine eigenen Präferenzen. Viele können sich auch vorstellen, später angestellt zu sein. Die Struktur des Studiums hingegen ist auf eigenständiges Arbeiten und Kollaborationen hin ausgelegt, in dem Sinn geht die Tendenz mehr Richtung Selbstständigkeit nach dem Studium.

Vom Buchverlag zur Öffentlichkeitskampagne

Welche Projekte sind es denn zum Beispiel, die ihr im vergangenen Semester angegangen habt?

Bruno: Zusammen haben wir drei unter anderem an einem Publikationsprojekt gearbeitet, in dem wir konzeptionell, strukturell und inhaltlich ein Buch gestaltet haben und das als quasi Kleinstverlag selbst verlegen. Dazu haben wir uns mit einer befreundeten Studentin zusammengetan, die über die Verwendung von griechischer Säulenarchitektur im modernen Kontext Materialien zusammengetragen hat.

Das erste Buch von Accidental Interest Books am Strand in Ostende, Belgien. Foto: Moritz Appich

Moritz: Ganz konkret praktisch war die Gestaltung der Sommerausstellung im vergangenen Jahr für die HfG. Jährlich wird die Konzeption und Umsetzung dafür ausgeschrieben und jeder kann sich darauf bewerben. Wer den Zuschlag erhält, entwirft im Austausch mit Lehrenden des Fachbereichs Kommunikationsdesign und der Pressestelle die Kampagne im Print und online und arbeitet dafür auch mit den Studierenden zusammen, deren Beiträge zu sehen sein werden.

Ein City-Light Plakat zur Bewerbung des Rundgangs. Auf den Plakaten wurden Arbeiten von Studierenden gezeigt. Foto: Johanna Schäfer

Johanna: Der Rundgang ist eine Art Semesterabschluss und findet regelmäßig im Juli statt. Zu sehen gibt es Arbeiten aus dem Winter- und Sommersemester, 2019 unter dem Motto kollektiv , kollaborativ , kooperativ . Die Ausstellung wird zeitintensiv vorbereitet und abgestimmt, dauert selber aber nur ein langes Wochenende.

Kommunikation mit Menschen ist das Fundament

Was sind denn da die Herausforderungen bei der Konzeption einer solchen Ausstellung?

Johanna: Es ist die große Zahl an Menschen, die in das Vorhaben mit integriert werden müssen oder in den Entstehungsprozess mit eingebunden werden – jeder mit eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen. Herausfordernd darüber hinaus war der Entwurf einer Kampagne für die Öffentlichkeit, wenn viele der auszustellenden Werke noch gar nicht fertig gestellt waren – oder noch nicht einmal abzusehen waren. Da waren bis zu 2 Wochen vor der Veranstaltung noch recht kurzfristige Entscheidungen zu fällen.

Ein Display in der Ausstellung des Fachbereichs Produktdesign auf dem die Leaflets auslagen. Foto: Alexander Theis

Was macht denn das Studieren an der HfG eigentlich so spannend und besonders?

Moritz: Der Kreis an Studierenden an der Hochschule ist recht überschaubar, der Freiraum und die Möglichkeiten für die Studierenden sind entsprechend großzügig angelegt. Die Unterstützung seitens der Hochschule und der Dozenten ist ebenso ausgeprägt. Gleiches gilt für die Infrastruktur vor Ort.  Die Überschaubarkeit wiederum fördert auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den Studierenden.

Ein s Display das im Außenbereich vor dem Pavillion Ecke Baumeisterstraße/Lessingstraße angebracht war, der auf den Rundgang an der HfG hinweist. Foto: Judith Milz

Bruno: Die große Zahl der verschiedenen Studiengänge und der Umstand, dass man zwingend ein Nebenfach belegen muss, erweitert noch einmal den studentischen Horizont und fördert Kollaborationen zwischen eher entfernteren Studienrichtungen, was die Möglichkeiten an Projekten noch einmal erheblich erweitert. Außerdem gibt es einfach viele studentische Initiativen, wie beispielsweise die Kino-Vorstellungen im „Blauen Salon“ der HfG.

Johanna: Solche studentischen Initiativen haben auch einen höheren Stellenwert an der HfG, einfach dadurch schon, dass man sich durch die relativ kleine Zahl an Studierenden ziemlich gut kennt und vernetzt ist. Es ist ungleich einfacher, so etwas anzustoßen und an den Start zu bringen. Wir haben auch weniger Vorlesungen als an einer klassischen Universität. Es kommt nur sehr selten vor, dass einer spricht und der Rest hört nur zu. Das Studium ist unter anderem durch viel Seminar- und Projektarbeit direkt an der HfG geprägt.

Karlsruhe ist nicht Berlin

Wie kann man denn das Studentenleben an der HfG beschreiben?

Johanna: Das Studentenleben an der HfG passiert viel an der Hochschule selber. Gerade, weil ein großer Teil der Kommilitonen eben nicht wegen der Stadt gekommen sind, sondern wegen des Rufs der Hochschule für Gestaltung. Daher gibt es anfangs oft wenig Bezugspunkte außerhalb der Hochschule und man hat zunächst einmal viel mit seinen Mitstudierenden und der HfG als unmittelbares Lebens- und Arbeitsumfeld zu tun.

Moritz:  Ich sehe das ähnlich. Viel passiert einfach an der HfG selber. Manchmal wünscht man sich, dass die Stadt selber mehr bietet an Veranstaltungen neben dem Studium – es passiert aber eben nun nicht so viel wie in größeren Städten. Umso erfreulicher ist es dann aber, wenn man dann doch die eine oder andere spannende Veranstaltung entdeckt, die man so nicht erwartet hätte. Oder man ergreift selbst die Initiative, macht sein eigenes Ding und nutzt die Chancen, die sich hier in einer weniger überfrachteten Szene ergeben.

Bruno: So wird beispielsweise Berlin vielleicht als eine Art Gegenpol zu unserem Leben hier in Karlsruhe wahrgenommen, da viele Absolventen nach ihrem Abschluss dort im Kunst-und Kulturbereich arbeiten. Ich denke während des Studiums hat es auch seine positiven Seiten in einer kleinen Stadt angesiedelt zu sein. Es ist eine Art produktive Alternativlosigkeit. Die Motivation, etwas Eigenes zu machen wäre unter Umständen nicht so groß, wenn es schon 40 andere Ausstellungen gleichzeitig gibt.

Was könnte man dem jüngeren Selbst mit auf den Weg geben?

Wie lange studiert man denn an der HfG üblicherweise?

Bruno: Die maximale Dauer des Studiums beträgt 14 Semester, die Regelstudienzeit liegt bei neun. Dazu gehört aber immer noch ein Praxissemester, während dem man üblicherweise vier Monate bei in einer Agentur oder einem Studio verbringt. Ein Semester am Ende wird dann normalerweise für das Diplom aufgewandt.

Wurde eigentlich Eure Erwartungen zu Beginn des Studiums erfüllt? Oder gar übertroffen?

Bruno: Rückblickend bin ich froh, an der HfG gelandet zu sein. Und dass ich hier sehr fächerübergreifend unterrichtet werde, von der Theorie beginnend, hin zu freien Projektarbeiten und Kollaboration mit Kunstschaffenden.

Die Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ist in einer ehemaligen Munitionsfabrik untergebracht. Foto: Evi Künstle

Johanna: Ich hatte es mir zu Beginn viel handwerklicher zu Beginn vorgestellt – bin aber froh, dass dazu noch einige Aspekte dazugekommen sind, die ich so nicht abgesehen hatte. Der Anspruch auch sehr praktische Arbeiten konzeptionell zu entwickeln und anschließend begründen und präsentieren zu können ist ein wesentlicher Teil unserer Ausbildung hier, von dem wir glaube ich sehr profitieren.

Moritz: Die Vorstellungen, die man als Schüler vom Studium oder vom Beruf des Grafikers hat, sind ja oft recht aus der Luft gegriffen. Viele Möglichkeiten kann man noch gar nicht kennen, mangels eigenen Wissens oder Erfahrungen. Ich glaube ich hatte gar nicht so konkrete Erwartungen, fände es aber durchaus witzig, mich jetzt nach fünf Jahren noch einmal mit meinem jüngeren Ich zu unterhalten.

Online gibt es ausführliche Informationen zum Studienangebot der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe .

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