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Fahrermangel nicht behoben

In Karlsruhe fallen vermehrt Stadt- und Straßenbahnen aus

Mehrere Jahre dauerte es, bis das Thema Fahrermangel bei Albtal Verkehrsgesellschaft (AVG) und Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) „abgeräumt“ war. Im Frühjahr gab es „Entwarnung“. Doch bereits seit Juli häufen sich wieder Fahrtausfälle. Dies betrifft nun vor allem die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) – im Stadtbereich.

Bei Straßenbahnen in Karlsruhe gibt es aktuell vermehrte Fahrtausfälle wegen eines „temporären Fahrermangels“. Bei der in den zurückliegenden Jahren stark kritisierten AVG sind mittlerweile alle Stellen besetzt. Foto: Jehle

Mehrere Jahre dauerte es, bis das Thema Fahrermangel bei Albtal Verkehrsgesellschaft (AVG) und Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) „abgeräumt“ war. Im Frühjahr gab es „Entwarnung“, so schien es. 140 neue Triebfahrzeugführer hatte allein die AVG innerhalb der vorangegangenen vier Jahre ausgebildet. Für Juni wurde ein nunmehr „ausgeglichener Personalbestand“ prognostiziert. Doch bereits seit Juli häufen sich wieder Fahrtausfälle. „Betriebsbedingte Gründe“, heißt es dann auf der Anzeigetafel. Dies betrifft nun vor allem die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) – im Stadtbereich.

Von unserem Mitarbeiter Stefan Jehle

„Der Krankenstand bei den Verkehrsbetrieben schwankt von Tag zu Tag. Er bewegt sich derzeit zwischen zehn und 15 Prozent“, bestätigt ein KVV-Sprecher auf Anfrage. Der erhöhte Krankenstand führe momentan wieder „zu vereinzelten Fahrtausfällen im Stadtgebiet von Karlsruhe“.

Welche Linien besonders betroffen sind

Darüber würden die Fahrgäste über die verschiedenen Auskunftsmedien informiert – etwa die dynamischen Informations-Anzeiger an den Haltestellen und auf der KVV-Website. Wenn man so will: Es ist dies nun „ein temporärer Fahrermangel“. Betroffen sind nach Informationen der BNN insbesondere die städtischen VBK-Straßenbahnen der Linien 1, 2, 3, 4 und 6 sowie zeitweilig die S2, die zwischen Stutensee und Rheinstetten verkehrt.

Der Wert für einen „ausgeglichenen Personalbestand“, so sagt KVV-Sprecher Nicolas Lutterbach, liege „bei den VBK bei 452, der aktuelle Ist-Wert bei 458 Fahrerinnen und Fahrern“.

In früheren Jahren war es vor allem die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG), die unter Fahrermangel zu leiden hatte. Im Dezember 2016 ging man in die Offensive, und schaltete erstmals ganzseitige Anzeigen: Thematisiert wurde „die Mangelware Fahrpersonal“. Dies aus Anlass des Fahrplanwechsels und damals anstehender neuer Preiserhöhungen. Die Rede war auch „von einem Fair-sprechen“. Alles sollte sich zum Besseren wenden.

AVG hat inzwischen alle offenen Stellen besetzt

Die Verkehrsbetriebe in der Karlsruher Tullastraße haben in der Tat viel getan, viele neue Auszubildende angeworben. Der AVG fehlten damals 40 Fahrer, jede zehnte Stelle war also unbesetzt. Die Stellen bei der AVG sind inzwischen alle wieder besetzt. Der Wert für den ausgeglichenen Personalbestand liege „bei der AVG bei 367, der aktuelle Ist-Wert bei 364 Fahrerinnen und Fahrern“, so der KVV-Sprecher.

Die neuerlichen – aber anhaltenden – Fahrtausfälle auf den städtischen Strecken der VBK seit den Sommermonaten hatten auch wieder die Aufsichtsräte der Verkehrsbetriebe beschäftigt. Das bestätigte Oberbürgermeister Frank Mentrup bei seiner jährlichen Sommer-Pressekonferenz Ende Juli.

Image des Verkehrsverbundes nimmt Schaden

Seit mehreren Jahren nagt die Misere mit – temporär, oder dauerhaft – fehlenden Fahrern erkennbar am Image des Karlsruher Verkehrsverbundes. Zumindest bei den Stadtbahnlinien der AVG sind Zugausfälle nun aber offenbar Geschichte. Die seit Herbst 2014 verstärkte Anwerbung und zahlreiche Qualifizierungsmaßnahmen zeigten Erfolge. Die Attraktivität des Berufs Triebwagenführer könne aber nur durch attraktive Arbeitszeitgestaltung und bessere Bezahlung „längerfristig behoben werden“, sagen derweil Gewerkschaftsvertreter.

Aktueller Krankenstand eher untypisch

Erkrankungen in Sommermonaten und Frühherbst in der aktuellen Häufung sind freilich eher untypisch. Erfahrungswerte der Vergangenheit zeigen: Vor allem von Januar bis März gibt es die höchsten Krankenstände, teilweise dann mit bis zu einem Sechstel der Fahrbelegschaft.

Bei 18,7 Prozent lag der Anteil erkrankter Fahrerinnen und Fahrer bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) beispielsweise schon einmal im Februar 2015. Mit erwartungsgemäß entsprechenden Folgewirkungen auf das Überstunden-Budget der übrigen im Fahrdienst aktiven Kolleginnen und Kollegen.

Zwei Verkehrsbetriebe

Der Nahverkehr in Karlsruhe und dem Umland ist in zwei verschiedenen Gesellschaften organisiert. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), die als Kernstück gelten, haben rund 1 300 Mitarbeiter und betreiben hauptsächlich das innerstädtische Karlsruher Bahn-, Bus- und Schienennetz. Die jährlichen Umsatzerlöse liegen bei rund 128 Millionen Euro.

Die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) ist, wie die VBK, hundertprozentige Tochter der Stadt Karlsruhe beziehungsweise einer städtischen Holding (KVVH). Die AVG betreibt die überregionalen S-Bahn-Linien, mit denen zehn Landkreise und über 100 Kommunen im Nordwesten des Landes bedient werden. Die AVG hat, laut aktuellen Geschäftsbericht 2018, rund 950 Mitarbeiter – bei Umsätzen von knapp 230 Millionen Euro. Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) ist übergeordnet für beide Gesellschaften tätig und für die Fahrplanerstellung und Fahrpreisgestaltung sowie -einnahmen zuständig.

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