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Kritik an Standortwahl

Geplantes Geothermiekraftwerk in Dettenheim: Bevölkerung soll enger eingebunden werden

In Dettenheim soll ein Geothermiekraftwerk in Zukunft Strom und Wärme produzieren. 2025 könnte es soweit sein. Doch es gibt nach wie vor Fragen und Bedenken zum Bau einer solchen Anlage.

Visualisierung: Das potenzielle Dettenheimer Geothermiekraftwerk im Rußheimer Gewann Schiffmächerstücker wurde in der Animation in ein reales Landschaftsfoto eingepasst. Foto: Rendering Anlage Dettenheim (C) SCG-Architekten

Die Firma „Deutsche Erdwärme“ will möglichst zügig mit dem Projekt eines Geothermiekraftwerks in Dettenheim vorankommen. Geschäftsführer Lutz Stahl und Kommunalrepräsentant Roman Link machten das kürzlich im Gemeinderat deutlich. „Wir sind guter Hoffnung, dass noch in diesem Jahr eine Entscheidung für das Grundstück fällt“, betonte Stahl.

Konkret handelt es sich um eine kommunale, landwirtschaftlich genutzte Fläche im Gewann Schiffmächerstücker. Sie liegt 1.200 Meter vom zukünftigen Rußheimer Neubaugebiet entfernt rechts der L602 in Richtung Huttenheim.

Stahl sprach von einem guten Standort und auch von den Einschränkungen, die sich auf der Gemarkung wegen der vielen Naturschutz-, FFH- und Wasserschutzgebiete ergäben. Mögliche Lärmbelastungen und die Dimensionen des Kraftwerks kamen bereits bei vorherigen Präsentationen im Gemeinderat und bei einer Bürgerversammlung zur Sprache.

„Deutsche Erdwärme“: offen für Gestaltungsvorschläge

„Wir versuchen, das Kraftwerk soweit wie möglich in die Landschaft einzupassen. Wir sind auch offen für Gestaltungsvorschläge. Aber natürlich handelt es sich um eine industrielle Anlage“, räumte Stahl ein. Die Höhe der Gebäude bezifferte er auf acht bis neun Meter, die der Lüftungsanlage auf 13 Meter.

Zur Geräuschbelastung wies er auf einen ausreichenden Abstand zum Ortsrand hin. Beispielhaft führte er dazu Erkenntnisse einer Informationsfahrt zum Geothermiekraftwerk in Holzkirchen an, das in großen Teilen der für Dettenheim geplanten Anlage entspräche. Teilgenommen hatten daran in den Ferien die Bürgermeisterin und Gemeinderäte. Erst 150 Meter vom Werk entfernt hätte man nachts überhaupt schwach etwas wahrgenommen, so Stahl.

Zur Frage von möglichen seismischen Gefährdungen wies Stahl auf die Bohrungen hin, die nicht ins Tiefgebirge vordringen würden. Außerdem seien die Grenzwerte, die eine Abschaltung zwingend machen würden, strenger als in anderen Bundesländern oder im Ausland.

Dieses Thema war in vorherigen Präsentationen ausführlich dargestellt worden. Von der CDU-Fraktion berichteten Manfred Oberacker und Nico Reinacher aber von Bedenken, die ihnen weiterhin von Bürgern angetragen worden seien. Ein Ratsbesucher wollte wissen, was passiere, wenn es tatsächlich zu Gebäudeschäden komme. Stahl erklärte, dass die Firma hoch versichert sei und solchen Fälle, bei denen es sich im Prinzip nur um Putzschäden handeln könne, selbst und damit ohne großen bürokratischen Aufwand beheben werde.

Geplantes Geothermiekraftwerk in Dettenheim soll Strom und Wärme erzeugen

Ein Ratsbesucher erhielt Applaus von ein paar Zuhörern, als er dafür eintrat abzuwarten, wie ein laufendes Kraftwerk in Graben-Neudorf funktionieren werde. Stahl erwiderte dazu, die Zeitpläne bei der sehr langen Vorbereitungsphase seien eng. Erfahrungen in dieser Zeit aus dem Nachbarort würden berücksichtigt. Stahl erläuterte auf Nachfrage zudem die Hintergründe der Auseinandersetzungen in Graben-Neudorf. Die Frage nach der Neutralität der Gutachten sei geklärt.

Das geplante Kraftwerk kann Strom und Wärme erzeugen. Zur Standortwahl äußerte sich Ortsvorsteher Nico Reinacher dahingehend kritisch, dass die Möglichkeiten für eine Anbindung eines Fernwärmenetzes völlig unklar seien. Vor allen weiteren Verfahrensschritten müsse die Grundstückfrage entschieden sein. Bürgermeisterin Ute Göbelbecker (Freie Wähler) hob nochmals die große Bedeutung der weiteren Bürgerinformation und -beteiligung hervor.

Dass diese wegen Corona nur mit Einschränkungen möglich gewesen seien, habe die Projektentwicklung verzögert. Nach einem Grundstücksbeschluss 2021 käme die Bauvoranfrage, der Hauptbetriebsplan und nach Genehmigungen die Bau- und Bohrphase. Eine mögliche Inbetriebnahme des Kraftwerks stellte Stahl bei positivem Verlauf für 2025 in Aussicht.

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