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Regierungspräsidium untersagt Fällungen

Pappel-Posse in Linkenheim-Hochstetten: Warum der Wald auf der Insel Rott gesperrt ist

Eigentlich wollte die Gemeinde Linkenheim-Hochstetten auf der Insel Rott 80 Bäume fällen. Das Regierungspräsidium legte sein Veto ein. Darunter leidet jetzt unter anderem auch ein Angelverein.

Unikate: Die neuen Verbotsschilder verwehren jeglichen Personen den Zugang der Waldrundwege. Ohne Erlaubnis für Verkehrssicherungen blieb der Kommune keine Wahl. Foto: Alexander Werner

Verbotsschilder schienen nach der Freigabe der beiden grundsanierten westlichen Zufahrtsbrücken auf der Hochstetter Inseln Rott eigentlich der Vergangenheit anzugehören. Nun kehrten sie plötzlich auf andere Weise zurück. Betroffen ist dieses Mal das Wald- und Uferareal der vorgelagerten Altrheininsel. Es entspannt sich südlich und nördlich auf Höhe der Altrhein- bis zur alten Drehbrücke auf rund zehn Hektar.

An den abgehenden Waldrundwegen weisen nun im Namen des Gemeinderats mit Hinweis auf das Landeswaldgesetz Schilder ein striktes Begehungsverbot wegen enormer Astbruchgefahr aus. Mit Bedauern tut die Gemeinde kund, dass die höhere Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums (RP) ihr leider die nötigen Verkehrssicherungsarbeiten versagt habe.

Gefährliche Pappeln

Die Gefahren gehen von einem kleineren Teil des Pappelbestands aus. Es handelt sich um rund 80 Pappeln, die meist 80 Jahre alt sind und 20 Jahre über der Hiebreife liegen. Die Problematik reifte schon seit geraumer Zeit. Einzugreifen war dem Forst zuvor wegen des problematischen Abtransports des Holzes wegen Brückentragkraft und -sperrungen nicht möglich.

Im Mai hatte Revierförster Friedhelm Booms dem Rat ein rundes Konzept präsentiert, um das Problem zu lösen. In einer großen Aktion sollten die Bäume im unter Naturschutzaspekten passenden Zeitfenster im September und Oktober entnommen und über eine zusätzliche temporäre Pontonbrücke weggeschafft werden. Begleitend sollte im Süden durchforstet werden. Der Rat stimmte zu. Beschlossen wurde, im Anschluss vor allem mit Eichen nachzuforsten, das Gebiet waldwirtschaftlich als Refugium stillzulegen und dafür Ökopunkte zu beantragen.

Doch nach der Artenschutzvorprüfung war alles passé. Im Oktober berichtete Bürgermeister Michael Möslang im Gemeinderat, dass das Regierungspräsidium das Vorhaben gestoppt habe. Grund war ein potenzielles anteilsmäßiges Vorkommen von Fledermäusen auf 20 Bäumen, wenn diese denn ihre Winterquartiere beziehen würden.

Angelverein verliert 70 Prozent seiner Gewässer

Wie Möslang erläutert, sollten in entsprechendem Umfang Nistkästen an gesunden Bäumen angebracht werden. Das aber habe die Behörde abgelehnt. „Eigentlich wollten wir der Natur etwas Gutes tun“, betonte er schon im Oktober. In der Situation mit ihren „Megagefahren“ aber seien nun Begehungsverbote unumgänglich gewesen. „Das öffentliche Interesse an dem Zugang ist zumindest für die Naherholung und die Angler sehr hoch“, betont er.

Als Möglichkeiten bliebe nach jetzigen Stand, bei gewissen forstlichen Maßnahmen den Rest zusammenbrechen lassen oder eine Stilllegung. Weitere Gespräche mit dem RP sollen folgen und auch mit dem Wasserwirtschaftsamt. Die Verkehrssicherheit tangiert ebenso über die Rheinverbindung in Richtung Rheinfahrrinne anschwemmendes Totholz.

Beim Forst, dem die Behörde ins Metier und Konzept funkte, enthält man sich der öffentlichen Kommentare. Beim Anglerverein Hochstetten weicht die erste große Enttäuschung der Ernüchterung. „Wir haben 70 Prozent unserer Angelgewässer verloren“, beklagt Vorsitzender Christian Schneider. „Aktuell haben wir nur noch 200 aktive Angler“, ergänzt er. Schon die Brückenschließungen hätten einen sich jetzt fortsetzenden Mitgliederschwung bedingt. Die Gefährdungslage sei so, dass schon leichter Wind zu Astbruch führe. Insofern wäre ein Begehen mit oder ohne Verbot nicht verantwortbar. Das Hegefischen habe man am Altrheingewässer schon seit drei Jahren ausgesetzt.

„Alle Vereinsaktivitäten sich stark eingeschränkt“, hebt Schneider hervor. Dies betreffe bei rückläufigen Mitgliederzahlen ebenso die in Zusammenarbeit mit dem Forst stattfinden regelmäßigen Arbeitseinsätze der Angler in Gewässerpflege und Naturschutz. Der Verein habe sich auch an den im Zuge der Baumentnahmen geplanten Neupflanzungen im Frühjahr beteiligen wollen. Bürgermeister Möslang sieht die Bedeutung der Vorgänge keineswegs nur punktuell. Denn sie würden übergemeindlich grundsätzliche Fragen bezüglich einer Waldwirtschaft in Auenwäldern aufwerfen.

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