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Behälter aus den 80ern

Kennen Sie diese Mülltonne? Sammler aus Ostdeutschland sucht Exemplar in Karlsruhe

Alexander Smoljanovic aus Wanzleben bei Magdeburg sammelt Mülltonnen. Er ist auf der Suche nach einem bestimmten Exemplar, das in 80er-Jahren in Karlsruhe im Einsatz war. Wer mit ihm redet, gewinnt den Eindruck: Unsere Art der Müllabfuhr ist nicht alternativlos.

Alexander Smoljanovic und seine Mülltonnen: Der 21-Jährige sammelt Abfallbehälter - und sucht ein besonderes Exemplar aus Karlsruhe. Foto: privat

Vor rund 15 Jahren drückte ein Nachbar Alexander Smoljanovic mal eine Miniatur-Mülltonne in die Hand. Ein kleines Geschenk, dass sich zu einem großen Lebensthema entwickelte. Smoljanovic war damals noch ein Kind - heute, im Alter von 21 Jahren, ist er Deutschlands vermutlich populärster Mülltonnensammler. Zahlreiche Zeitungsartikel sind über ihn erschienen, dazu zwei TV-Beiträge.

Smoljanovic, der bei seinen Eltern in Wanzleben nahe Magdeburg lebt, weiß, dass seine Leidenschaft etwas schräg anmutet. „Die meisten Leute finden es dann aber ganz interessant, wenn ich Ihnen erzähle, warum ich das mache“, sagt er. Mit seiner Sammlung von aktuell 85 echten Mülltonnen und 300 Miniaturen will er nämlich vergangenes Wissen bewahren - und für einige Dinge sensibilisieren, die bei der Müllentsorgung besser laufen könnten. Und dem Bürger am Ende womöglich bares Geld sparen würden.

Mülltonnen sind immer schlechter geworden

„Mülltonnen sind ja ein Thema, über das sich eigentlich erst mal niemand Gedanken macht“, sagt Smoljanovic. „Man stopft Müll rein, der wird abgeholt und alle paar Jahre muss die Tonne ausgetauscht werden.“ Ungefähr an diesem Punkt würde die Sache dann interessant, findet Smoljanovic. Mülltonnen, sagt er, seien über die Jahrzehnte nämlich immer schlechter geworden. „Weil sich aber niemand für Mülltonnen interessiert, merkt das natürlich niemand.“

Smoljanovic sammelt nicht jede Mülltonne, sondern nur Exemplare, die bestimmte Kriterien erfüllen: Sie dürfen nicht mehr auf dem Markt sein, sollten optional von einem Hersteller stammen, den es nicht mehr gibt und jedenfalls nach einer Herstellungsweise gefertigt sein, die heute nicht mehr angewandt wird.

Am Ende schlägt sich jede neu angeschaffte Tonne auch in den Abfuhrgebühren nieder.
Alexander Smoljanovic, Mülltonnensammler

„Tatsächlich gibt es da große Unterschiede“, stellt er fest. „Früher hat man Tonnen gebaut, die lange gehalten haben.“ Qualität habe sich aber irgendwann auf dem Mülltonnen-Markt nicht mehr durchsetzen können, vielmehr hätten Kommunen und Entsorgungsbetriebe auf günstigere Modelle umgestellt - und dabei entsprechende Qualitätseinbußen in Kauf genommen.

Wenn Smoljanovic auf der Suche nach Mülltonnen durch die Republik reist oder in Gespräche über sein Hobby gerät, stellt er immer wieder fest, dass vielen Menschen diese Entwicklung offenbar entgangen ist. „Es gibt dann manchmal so Aha-Momente, wenn Leuten bewusst wird, dass die schwarze Tonne vor ihrem Haus seit dreißig Jahren im Einsatz ist, während später eingeführte Behälter schon ein paar Mal erneuert worden sind.“ Smoljanovic findet, dass Mülltonnen eine gute Qualität haben sollten - „denn am Ende schlägt sich jede neu angeschaffte Tonne auch in den Abfuhrgebühren nieder. Da wäre es im Grunde besser, einmal in was vernünftiges zu investieren.“

Unsere Müllabfuhr ist nicht alternativlos

Smoljanovic ist durch sein Hobby zu einer Art wandelndem Kompendium der bundesrepublikanischen Mülltonnengeschichte geworden und hat Kontakte zu zahlreichen ehemaligen Produzenten und Entwicklungsingenieure aufgebaut. Viele von ihnen seien längst im Ruhestand, manche bereits gar nicht mehr am Leben. „Und mit ihnen verschwindet dann das Wissen darüber, wie früher gute Mülltonnen gebaut wurden - und das die Müllabfuhr, wie wir sie heute kennen, auch nicht alternativlos ist.“

Als Beleg dafür führt Smoljanovic die niederländische Stadt Tilburg ins Feld. Dort kommen sogenannte Zweikammer-Mülltonnen zum Einsatz, die die gleichzeitige Abholung von zwei Müllsorten möglich machen. Die Müllfahrzeuge in Tilburg sind dafür entsprechend ausgerüstet.

Ausgetüftelt hat das System schon in den 1970er-Jahren der Erfinder Rolf Schiller aus Konstanz. Eine in der Bodensee-Stadt durchgeführte Modellstudie mit den Zweikammer-Tonnen kam damals zu dem Ergebnis, dass Mülltrennung umso besser funktioniere, desto weniger Tonnen die Menschen öffnen müssen, um ihre Abfälle zu entsorgen. Als Erklärung dafür zogen die Entwickler die menschliche Faulheit heran: Wer für Papier und Restmüll zwei Deckel anheben muss, neige wohl eher dazu, beides in eine Tonne zu werfen oder versehentliche Fehlwürfe zu produzieren.

Anders als in den Niederlanden ist in Deutschland diese Art der Entsorgung nie weiter verfolgt worden - was Mülltonnensammler Smoljanovic für eine verpasste Chance hält: „Es braucht bei diesem Modell nur zwei statt vier Tonnen im Vorgarten, zudem würden sich auch die Fahrten der Entsorgungsfahrzeuge reduzieren“, sagt er. Seine Vermutung: der Ansatz habe sich in Deutschland nicht durchgesetzt, weil weniger Fahrten unterm Strich auch weniger Geld für die Entsorger bedeuten würden. „Mit Müll kann man schließlich ziemlich viel Geld verdienen - und niemand schaut zu genau hin, wie das Geschäft läuft.“

Diese Tonne sucht Smoljanovic in Karlsruhe

In Karlsruhe und Umgebung ist Smoljanovic schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einer ganz bestimmten Mülltonne: Sie wurde in den 1980er-Jahren von der Firma Klaus Äpfelbach hergestellt, hat ein Volumen von 240 Liter und kommt in tiefschwarzer Farbe daher:



Diese Tonne des Herstellers Klaus Äpfelbach aus Frankfurt sucht Alexander Smoljanovic. Ihr Volumen beträgt 240 Liter, hergestellt wurde sie zwischen 1981 und 1988. Foto: Smoljanovic

„Der Farbton war damals eine Besonderheit. Man hat die Oberfläche der Tonne mit einem bestimmten Farbengemisch behandelt, damit sie antistatisch wird und Müll nicht haften bleibt“, erklärt Smoljanovic. Aus Unterlagen und Prospekten weiß er, dass die Tonne auch in Karlsruhe im Einsatz gewesen sein muss - und hofft nun, noch ein solches Exemplar zu finden. „Irgendein BNN-Leser hat die sicher noch im Garten oder im Keller stehen“, hofft Smoljanovic.

Als Teil seiner Sammlung könnte das Exemplar dann eines Tages zu ungeahnten Ehren kommen: Im ehemaligen Ladengeschäft seiner Großmutter würde Smoljanovic gern irgendwann ein Museum einrichten, um seine Sammlung rarer Mülltonnen zu präsentieren. Aber auch, um Bewusstsein für die Qualität unscheinbarer Dinge zu schaffen und dafür, dass eine andere Müllabfuhr möglich ist.

Wenn Smoljanovic übrigens gerade nicht Mülltonnen nachforscht, arbeitet er als Bürokaufmann. Seit dem Sommer ist er ausgelernt, für die Prüfungen hat er sogar sein Hobby ein paar Wochen hintenangestellt. „Man muss eben sauber trennen - das ist mein Erfolgsrezept.“

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