Nora Welsch ist die neue Behindertenbeauftragte von Baden-Baden und erzählt von ihrem Job.
Mit Herz dabei: Die kommunale Behindertenbeauftragte Nora Welsch kann die Welt zwar nicht von heute auf morgen ändern, möchte aber in ihrem Amt kontinuierlich einen Beitrag hierzu leisten | Foto: Julian Meier

27-Jährige im Rollstuhl

Baden-Badener Behindertenbeauftragte: „Ich habe immer kämpfen müssen“

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Nora Welsch ist seit Mitte Februar die neue kommunale Behindertenbeauftragte von Baden-Baden. Sie hat Beate Wirth abgelöst und zieht nach 100 Tagen Amtszeit eine erste Zwischenbilanz. Welsch verrät der Redaktion der BNN, was ihren Job ausmacht.

Sie ist seit Mitte Februar bei der Stadt angestellt und zieht nach 100 Tagen im Amt eine erste Zwischenbilanz. Die 27-Jährige hat eine Muskelerkrankung und sitzt selbst im Rollstuhl. In ihrem Leben habe sie immer für Dinge kämpfen müssen, erklärt die junge Frau. Umso ehrgeiziger engagiere sie sich nun für Menschen, die keine eigene Lobby haben und verleiht ihnen eine Stimme.

Welsch hat vielseitiges Tätigkeitsfeld

Sie kümmert sich um Anliegen jeder Art: Sie ist die Ansprechpartnerin für die Bürger des Stadtkreises und berät zu Themen wie dem Wohnungsmarkt, der Mobilität und dem Leben mit Assistenz. Ihre Vorgängerin Beate Wirth hat sich für die bauliche Barrierefreiheit eingesetzt. Hier möchte Welsch ansetzen und die Arbeit weiter voranbringen.

Man muss laut sein, damit man gehört wird.

Nora Welsch, kommunale Behindertenbeauftragte 

Auch die inklusive Jugendarbeit liegt der jungen Frau am Herzen. Je früher Menschen mit und ohne Behinderung zusammenkämen und lernten miteinander umzugehen, desto besser, erklärt Welsch. Eines ihrer aktuellen Projekte beschäftigt sich mit der Barrierefreiheit des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Hier gibt die junge Frau Impulse zu einer Umgestaltung des Parks bis 2030, um behinderten Menschen einen Urlaub im lokalen Raum möglich zu machen.

Die Behindertenbeauftragte möchte ihre Erfahrungen weitergeben

Der Beruf sei für Welsch besonders inspirierend, da sie täglich das Gefühl habe, etwas Sinnvolles zu tun und Menschen mit ihrem Engagement zu erreichen. Sie selbst ist mit 19 Jahren aus ihrem Elternhaus ausgezogen und ist nach Mainz gezogen.

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Das Gefühl von Freiheit hat sie also schon früh erlebt und möchte das auch anderen Menschen mitgeben. Die Behindertenbeauftragte reist zudem viel. Sie erzählt, dass sie bereits in den Niederlanden auf einem barrierefreien Schiff segeln war. Besonders viel Platz in der Kabine habe sie dort nicht gehabt. Durch diese Erfahrung habe sie jedoch viel gelernt. Sie möchte anderen Menschen Mut machen, sich außerhalb ihrer Komfortzone zu bewegen und an solchen Extremsituationen zu wachsen.

Barrierefreiheit ist ein zentrales Thema

Sie ist sich sicher, Barrierefreiheit sei ein zentrales Thema und gehe jeden etwas an. So profitieren nicht nur Rollstuhlfahrer von Rampen, sondern auch Eltern mit Kinderwagen oder ältere Menschen. Auch die digitale Barrierefreiheit betreffe viele Menschen. Hierzu hat die gebürtige Heidelbergerin Richtlinien zusammengefasst, die es bei der Umstrukturierung der Internetseiten von öffentlichen Stellen zu berücksichtigen gilt. Das Informationsangebot soll künftig auch für Blinde und Menschen mit eingeschränkter Sehkraft zugänglich gemacht werden, indem Inhalte vorgelesen werden.

Mehr zum Thema: Barrierefreiheit auf der Website der Stadt Baden-Baden

Welsch will sich für andere stark machen

Welsch hat bereits die Seminarleitung der Deutschen Kinderhospizakademie übernommen und Kindern Städtereisen ermöglicht. Ihr Bedürfnis, sich für andere einzusetzen, hat sich spätestens mit dieser Position abgezeichnet. Als Welsch die Ausschreibung der Stadt gesehen hat, war ihr klar: „Ich möchte mich für andere stark machen.“

Bürger können dienstags von 10 bis 12 Uhr telefonisch unter (0 72 21) 93 20 18 oder per E-Mail behindertenbeauftragte@baden-baden.de Kontakt zu Welsch aufnehmen.