Ein Auto fährt nachts auf einer Straße (Symbolbild)
Rätselhafter Unfall im Schwarzwald (Symbolbild). | Foto: imago

Schlimmer Unfall bei Schömberg

Mann schläft auf Straße und wird überfahren: Viele offene Fragen

Anzeige

Mitten in der Nacht liegt ein Mann auf der Straße und schläft. Ein Autofahrer hält an, will ihm helfen, doch er schafft es nicht, den Mann von der Fahrbahn zu ziehen. Plötzlich rauscht ein zweites Auto heran, die junge Frau am Steuer hält nicht an, sie fährt mit Tempo 100 über den auf der Straße liegenden 51-Jährigen, der lebensgefährlich verletzt wird.

Es ist ein Fall, der viele Fragen aufwirft. Ereignet hat sich das alles in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf der Landesstraße 346 zwischen den Dörfern Oberreichenbach-Igelsloch und dem Schömberger Teilort Oberlengenhardt im Landkreis Calw.

Warum lag der Mann auf der Straße?

Viel los ist dort in der Nacht nicht, die Straßen sind dunkel und führen meist durch den Wald. Warum lag der Mann überhaupt auf der Straße? War er betrunken? Das kann die Polizei noch nicht beantworten. Eine Blutprobe wurde dem Mann entnommen, ist aber am Montagvormittag noch nicht ausgewertet. Ansprechbar ist er nicht, er wurde nach dem Unfall mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Klinik nach Tübingen gebracht. Am Montag war über seinen Zustand nur so viel zu erfahren: Er lebt.

Mehr zum Thema: Mann liegt im Dunkeln auf der Straße, Auto überrollt ihn

Die Autofahrerin, die den Mann überfuhr, hatte gegenüber der Polizei angegeben, sie sei durch die Schweinwerfer des abgestellten Autos am Straßenrand geblendet gewesen. Sie habe den Mann also überhaupt nicht gesehen und sie konnte offenbar auch nicht einordnen, was sich genau auf der Straße abspielte. Die Frau fuhr laut Polizei mit etwa 100 Stundenkilometern, was auf diesem Abschnitt der Landesstraße auch erlaubt sei. Der Autofahrer, der dem Mann auf der Straße helfen wollte, gab an, dass er die Frau noch durch Winken zum Anhalten bewegen wollte. Er hatte versucht, den Schlafenden von der Fahrbahn zu ziehen, doch der Mann war offenbar zu schwer. Er hatte auch die Warnblinkanlage seines Wagens eingeschaltet.

19-Jährige war nicht betrunken

Doch es nützte alles nichts. Der Mann musste mit ansehen, wie die 19-Jährige den Schlafenden überrollte, der quer zur Fahrbahn lag. Erst danach hielt die Frau an. Nach Angaben der Polizei hatte sie keinen Alkohol getrunken, es wurde auch keine Blutprobe entnommen. An ihrem Wagen entstand laut Polizei ein Sachschaden von 3000 Euro.

Das ist hier natürlich ein besonderer und dramatischer Fall.

Michael Uhrig, ADAC Nordbaden

Dass es gerade an Unfallstellen immer wieder auch dazu kommt, dass Ersthelfer in Gefahr geraten, darauf weist der ADAC regelmäßig hin. „Das ist hier natürlich ein besonderer und dramatischer Fall“, sagt Michael Uhrig vom ADAC Nordbaden. Grundsätzlich sei das Thema Absichern einer Unfallstelle aber ein sehr wichtiges. Dabei gelte es, einige Dinge zu beachten. „Zuerst ist es wichtig, die Unfallstelle und auch sich selbst zu sichern“, betont Uhrig. Also das eigene Fahrzeug möglichst sicher am Straßenrand abstellen, Warnblinkanlage anstellen, die Polizei verständigen, Warnweste anziehen, möglichst auch ein Warndreieck etwa 50 Meter von der Unfallstelle entfernt platzieren. Der nächste Schritt sei dann eine mögliche Hilfe für Betroffene oder Verletzte.

Hat die Frau Schuld am Unfall?

Mit dem Fall wird sich nun auch die Staatsanwaltschaft Tübingen beschäftigen. Sie wird letztlich auch klären müssen, ob der jungen Frau eine Schuld an dem Unfall anzulasten ist. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung wurde bereits eingeleitet, so der Leitende Oberstaatsanwalt Michael Pfohl. Das Gutachten eines Sachverständigen soll klären, ob sich die 19-Jährige sorgfaltswidrig verhalten hat und ob der Unfall vorhersehbar und vermeidbar gewesen wäre.

Außerdem bleibt zu klären, warum der Mann auf der Straße lag. Nach Angaben der Polizei stammt der 51-Jährige aus Breisach.