Wir suchen euer badisches Lieblingswort.
Über Social Media haben wir euch nach euren Badischen Lieblingswörtern gefragt. Sprachwissenschaftler Tobias Streck gefällt das Wort "Muggeseggele" in der Mundart am Besten. | Foto: Hora/BNN-Montage

Tag der Muttersprache

„Alla“ ist das Lieblingswort der BNN-Leser: Das sagt ein Sprachwissenschaftler darüber

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Am internationalen Tag der Muttersprache (21. Februar) feiert die Unesco die Vielfalt der Sprachen. Damit lenkt sie auch Aufmerksamkeit auf die 50 Prozent der weltweit etwa 6.700 gesprochenen Sprachen, die vom Verschwinden bedroht sind. Sprachwissenschaftler Tobias Streck sagt: „Wenn nicht etwas passiert, besteht die Gefahr, dass Dialekte verloren gehen.“

Auf die Frage, ob er selbst Badisch spricht, antwortet Streck: „Badisch schwätzen immer nur die Badener selbst.“ Seinen Dialekt bezeichnet er als Niederalemannisch. In der Linguistik sei der politisch entstandene Begriff „Badisch“ nicht üblich, sagt Streck.

„Badisch“ meint eigentlich Alemannisch oder Fränkisch

Durch das BNN-Verbreitungsgebiet geht dem Experten zufolge eine sprachliche Grenze: Südlich von Rastatt spreche man Alemannisch, nördlich von Rastatt Fränkisch. Ein Unterschied zwischen den Dialekten seien die Zwielaute. So sage man im Norden Rastatts, etwas ist „liib“ und spricht vom „Brude“. Im Süden hingegen sagt der Alemanne „liäb“ und „Brueder.“

Die zwölf Lieblingswörter auf Badisch der BNN-Leser. Danke für Eure Teilnahme!
Die zwölf Lieblingswörter auf Badisch der BNN-Leser. Danke für Eure Teilnahme! | Foto: Bodamer

Zum Tag der Muttersprache hat die BNN nach eurem badischen Lieblingswort gefragt. Der eindeutige Gewinner – Trommelwirbel –  ist: „Alla“! Laut dem Alemannischen Wörterbuch, das Tobias Streck mit herausgibt, steht der Zuruf für „Auf“, „Rasch“, oder „Vorwärts“.

Im Ausdruck „Alla, mach’s gut“ stehe das badische Lieblingswort in etwa für „alsdann“. Das Wort „Alla“ könne man als „gesamtbadisch“ oder sogar südwestdeutsch bezeichnen, sagt Streck. Es käme sowohl in alemannischen als auch in fränkischen Dialekten vor.

Ein weiteres Lieblingswort der BNN-Leser ist „Babbedeggl“. Es landete auf Platz zwei. So nennt der Badener das Verpackungsmaterial aus Karton und auch salopp den Führerschein. „Muggebatscher“, im Hochdeutschen als Fliegenklatsche bekannt, kam bei der Umfrage auf den dritten Platz – mit fünf Stimmen Vorsprung.

Nicht jeder liebt das Badische

Sein persönliches Lieblingswort sei „Muggeseggel“, sagt Sprachwissenschaftler Streck. Das bedeute sowas wie „eine winzige Kleinigkeit“. Als weiteres beliebtes Wort unter Badenern kenne er „Schlecks“ – das stehe für Marmelade. „Dialekte bieten reichhaltige Möglichkeiten: Viele schätzen die blumige Ausdrucksweise“, sagt Streck.

Dialekte wie die badische Mundart werden jedoch nicht von allen wertgeschätzt. Bei einer Umfrage der BNN gaben immerhin 46% der Befragten an, Hochdeutsch zu bevorzugen oder Dialekte im Allgemeinen abzulehnen.

Die sinkende Beliebtheit zeigt sich auch in Untersuchungen, berichtet Streck: „Von Generation zu Generation verringert sich die Anzahl derer, die Dialekt sprechen.“ Zwar sei eine Prognose nicht angebracht, sagt der Sprachwissenschaftler: „Dennoch muss man sich eingestehen: Wenn nicht etwas passiert, besteht die Gefahr, dass Dialekte verloren gehen.“ Das sei auch schon anderen Sprachen passiert, die nicht weitergetragen wurden.

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Tag der Muttersprache
Die UNESCO hat vor 20 Jahren den 21. Februar zum Tag der Muttersprache erklärt. Das Ziel der Veranstaltung sei, auf die große Bedeutung der Vielfalt von Kulturen und Sprachen hinzuweisen, sagte die Pressesprecherin der UNESCO. In diesem Jahr stünden die Begleitveranstaltungen unter dem Motto „Sprachen ohne Grenzen“. Auch regionale Mundarten werden in den Diskussionsrunden behandelt.

Den Freiburger SC-Fanshop gibt es auf Badisch

„Trikots, Stutze, Schals ganz kommod im Dialekt iikaufe“ – das kann man im Online-Fanshop des SC Freiburg. Dieser wurde 2018 ins Badische übersetzt. Streck war einer der Initiatoren. Die Übersetzung der Webseite kam dem Sprachwissenschaftler zufolge bei den Freiburger Fans gut an.

Anfragen von anderen Fußballvereinen haben ihn aber noch nicht erreicht. „Auch der KSC hat sich bisher nicht gemeldet“, sagt Streck. Immerhin können badische Lokalpatrioten den Fahrplan der KVV in Muttersprache studieren: Die Karlsruher Verkehrsbetriebe übersetzten im vergangenen Jahr den Netzplan ins Badische.