Der Bauplatz für das Hotel Motel One mit Sky Bar ist seit dem Abriss eines über 50 Jahre alten Betonklotzes vorbereitet. Vor dem Hochsommer wird mit dem Neubau begonnen.
Der Bauplatz für das Hotel Motel One mit Sky Bar ist seit dem Abriss eines über 50 Jahre alten Betonklotzes vorbereitet. Vor dem Hochsommer wird mit dem Neubau begonnen. | Foto: jodo

Karlstor nach Norden gesperrt

Karlsruhe bekommt eine „Sky Bar“ hoch über der Kriegsstraße

Anzeige

Karlsruhe bekommt einen City-Boulevard: An der Kriegsstraße herrscht der Bauboom. Bald entsteht ein Hotel der Kette Motel One. Die  Neugestaltung des Ettlinger Tors wird geplant: Neue Hochhäuser sind denkbar. Zudem möchte der Bauträger Unmüssig einen Neubau an Stelle des Postgiroamts stellen.

Mit über zwei Jahren Verspätung wird vor den Sommerferien der Bau des Hotels „Motel One“ an der Kriegsstraße beginnen. Der Freiburger Bauträger Hans-Peter Unmüßig bestätigt den BNN den aktualisierten Zeitplan. Demnach kann das laut Unmüßig inzwischen 50 bis 70 Millionen Euro teure Großprojekt gegenüber vom Nymphengarten Ende 2022/Anfang 2023 fertig sein.

Die Verzögerung liegt in dem langen Verfahrensweg bis zur Baureife begründet. Doch jetzt hat der Gemeinderat mit fast einstimmiger Mehrheit das Bebauungsplanprozedere mit dem Satzungsbeschluss beendet. Mit der Baugenehmigung rechnet Unmüßig nun in wenigen Wochen.

Es ist dem Zeitgeist geschuldet

Bauträger Hans-Peter Unmüßig

Für den langwierigen Genehmigungsprozess macht der Bauträger nicht langsam mahlende Mühlen in der Stadtverwaltung verantwortlich, sondern die Verkomplizierung der Bebauungsplanverfahren durch immer neue Bestimmungen. „Es ist dem Zeitgeist geschuldet“, bedauert Unmüßig. Dabei ging es besonders um das Erfüllen der Schallschutzauflagen und des Parkplatznachweises.

320-Betten-Hotel mit „Sky Bar“

Das zehngeschossige Haus mit viel Glasfronten enthält neben dem Low-Budget-Hotel mit 320 Betten in 250 Zimmern und Büroflächen ein Café und ein Restaurant im Erdgeschoss sowie eine „Sky Bar“ unter dem Dach. Diese Flächen sind laut Unmüßig bereits vermietet. Dazu kommen Wohnungen. OB Frank Mentrup spricht von 25 Wohneinheiten, darunter fünf Sozialwohnungen.

Der Vorgängerbau aus den 1970er Jahren war ein siebenstöckiges Verwaltungsgebäude. Der Betonklotz stand seit 2012 leer und wurde 2019 abgerissen. „Motel One“ ist eine 2000 gegründete und stark expandierende Münchener Hotelgruppe mit rund 60 Häusern. In der Regel kostet dort eine Übernachtung rund 70 Euro.

Karlstor für Autos Richtung Europaplatz gesperrt
Die massiven Behinderungen am Karlstor haben begonnen. Die Autos können den Knoten nicht mehr direkt auf der Karlstraße von Süden nach Norden Richtung Europaplatz queren. In den nächsten Wochen werden nach und nach für den Bau des Autotunnels unter der Kriegsstraße weitere Einschnitte für alle Verkehrsteilnehmer kommen. Auch der Straßenbahnverkehr wird betroffen sein. Die Kasig erklärt die aktuelle Regelung: „Die Autos können aber vom Hauptbahnhof durch die Karlstraße kommend am Karlstor nach rechts in die Kriegsstraße abbiegen, auf Höhe der Ritterstraße den Wender nehmen und wieder entlang der Kriegsstraße auf das Karlstor zufahren, um von dort nach rechts in die Karlstraße Richtung Europaplatz abzubiegen.“ Am 1. April wird das Karlstor für den Autoverkehr auch von Norden nach Süden gesperrt. Beide Unterbrechungen gelten bis ins nächste Jahr. Die Straßenbahn kann das Karlstor ab 20. April nicht mehr queren. Ab September rollt sie für ein halbes Jahr über Hilfsbrücken.

Übernachten am neuen Boulevard

Einen Vorteil hat die Verzögerung: Immerhin beziehen die ersten Hotelgäste ihr Zimmer mit Blick auf den Nymphengarten, wenn die Kriegsstraße keine Tunnelbaustelle mehr ist, sondern ein Boulevard mit relativ wenig Autoverkehr, mit Straßenbahnen im Rasengleis und mehreren Baumreihen. Andererseits wird dadurch an der Kriegsstraße Höhe Lammstraße zum Leidwesen der Anwohner ein gutes Jahr länger gebaut.

Dabei müssen sie sich überhaupt auf weitere Jahre mit großem Baustellenbetrieb am kommenden City-Boulevard einrichten: Gerade ist die Planerwerkstatt für die Neugestaltung des Ettlinger Tors eingerichtet worden. Dabei spielt die Südwestseite des Ettlinger Tors und damit der mögliche Abriss des Landratsamt-Hochhaus oder dessen Totalsanierung eine Hauptrolle.

Möglicherweise zwei neue Hochhäuser

Kommt der Abriss, dann können an der Südseite der Kriegsstraße zwischen dem Ettlinger Tor und dem Motel One bei der Badenwerkstraße um 2025 gar zwei neue Hochhäuser als städtebauliche Zeichen der Architekturstadt Karlsruhe hochgezogen werden.

Die internationalen Koryphäen werfen in der Zukunftswerkstatt für die Stadtarchitektur aber auch einen Blick auf andere Seiten des Ettlinger Tors: Dabei geht es vor allem um die Südostecke im Winkel Kriegsstraße und Ettlinger Straße, wo heute das Pavillon-Provisorium „K.“, das Millionending zur Präsentation des zwölfjährigen Stadtumbaus „Kombilösung“, als Solitär an der sonst leeren Kante zum Theaterquartier steht.

Der Abriss des Postgiro-Amts ist anvisiert

Aus gutem Grund kann bei der Werkstattarbeit der Architektenköpfe auch die Nordostseite des Ettlinger Tors nicht ausgespart werden: Dort steht das von vielen Menschen heute als hässlich empfundene ehemalige Postgiroamt. Es ist ein Abrissobjekt. Auch dort ist ein städtebaulich anspruchsvolles Neubauprojekt beabsichtigt.

 

Postgiroamt
Der Riegel an der Kriegsstraße, das frühere Postgiroamt zwischen Ettlinger Tor (links) und Kreuzstraße (rechts), kann um 2025 verschwinden und durch einen Neubau ersetzt werden. Am Autotunnel wird gebuddelt, Ende 2021 soll er fertig sein. | Foto: jodo

Und wer steckt dahinter? Da schließt sich der Kreis an der Kriegsstraße. Wiederum der Freiburger Bauentwickler Hans-Peter Unmüßig mit seiner „Unmüssig Bauträgergesellschaft Baden mbH“. Er hat die Immobilie gekauft, er will sie abreißen, wenn die Bedingungen für ihn stimmen, und er wird sie dann durch einen per Wettbewerb gekürten Neubaukörper ersetzen.

Er disponiere bei diesem Objekt langfristig, erklärt Unmüßig jetzt. Wenn die Werkstatt und ein anschließendes Bebauungsverfahren für das Ettlinger Tor eine ansprechende Lösung bringen, dann will Unmüßig sich beteiligen und für einen passenden Neubau an der Nordostecke statt des Postgiroamts sorgen, versichert der Unternehmer.

Unmüßig verschließt sich nicht dem Abriss

„Aber erst muss ich wissen, wohin die Reise bei dieser städtebaulichen Entwicklung geht“, unterstreicht der Bauträger. Er müsse dabei aber „auch die Kosten im Auge behalten“. Grundsätzlich wolle er sich „dem Schönheitswettbewerb für die städtebauliche Entwicklung nicht verschließen“, sagt Hans-Peter Unmüßig.

Er hält das Postscheckamt für „kein Glanzstück“. Auch deshalb wünscht er sich „quantitativ und qualitativ eine Veränderung, die städtebaulich und wirtschaftlich funktioniert“. Unmüßig erwartet bis 2025 Klarheit. „Bis dahin vermieten wir das Objekt“, man könne das Gebäude aber auch weiter auf diese Weise nutzen, bekräftigt er.