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Bekannt durch „Delphinsommer“ und Aenne-Burda-Doku

Baden-Badener Drehbuchautorin Regine Bielefeldt lässt in ihre ersten Kinderbücher viel Persönliches einfließen

Regisseure von Filmen kennen Zuschauer eventuell noch, aber Drehbuchautoren? Regine Bielefeldt hat an Filmen wie „Delphinsommer“ und „Aenne Burda - Die Wirtschaftswunderfrau“ gearbeitet. Trotzdem muss sich die Baden-Badenerin immer wieder beweisen.

Vielfältig interessiert: Die Drehbuchautorin Regine Bielefeldt hat auch Kinderbücher geschrieben. Inspiration für ihre Geschichten sammelt sie in einem eigenen Archiv aus Zeitungsaussschnitten und Büchern. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Regine Bielefeldt hat ihr Büro in der Baden-Badener Fußgängerzone. In der kleinen Dachgeschosswohnung der Dreh- und Kinderbuchautorin stehen sauber sortiert Ordner voller Zeitungsartikel und Bücher. Dort lagert die 46-Jährige alles, was sie inspiriert oder was sie für eines ihrer Projekte recherchiert hat.

Aktuell arbeitet die Baden-Badenerin parallel an rund 25 Projekten, die sich in verschiedenen Stadien befinden. „Mir gefällt mein Job, weil er so vielfältig ist, ich tauche jeden Tag in eine andere Welt ein“, sagt Bielefeldt. Vor Kurzem zeigte die ARD eine Wiederholung von „Aenne Burda - Die Wirtschaftswunderfrau“, einen zweiteiligen Film, für den Bielefeldt das Drehbuch geschrieben hat.

Drehbuchschreiben ist ein Beruf, kein Hobby

Die gebürtige Geilenkirchenerin hat Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover studiert. Bei einem Arztbesuch stieß sie zufällig auf einen Artikel über den Beruf eines Drehbuchautors, sie hat sich daraufhin auf ein Stipendium an der Drehbuchwerkstatt München beworben und bekam eine Zusage.

Persönliche Geschichte: In dem Film Delphinsommer verarbeitet die Drehbuchautorin Regine Bielefeldt ihre katholische Kindheit. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Regine Bielefeldt tritt selbstbewusst auf, sie will, dass ihre Arbeit ernst genommen wird. „Ich hasse die Frage, ob ich davon leben kann“, sagt sie, Drehbuchautorin sei ihr Beruf und kein Hobby.

Der „Küken-Bonus“ bringt Vorteile

Das war aber nicht immer so. Die Wahl-Baden-Badenerin hat mit 21 Jahren angefangen, in ihrem Beruf zu arbeiten. „Die Kollegen haben beim Mittagessen plötzlich angefangen, über ihr eigenes Abitur zu sprechen, um mich einzubinden, und ich dachte mir, mit mir könnt ihr auch über Literatur sprechen“, erinnert sie sich.

Trotzdem brachte ihr der „Küken-Bonus“ auch Vorteile, meint sie: „Die Leute haben mich einfach mal machen lassen.“ Als Dozentin für das Drehbuchschreiben weiß sie - heute ist es nicht leicht, in den Beruf reinzukommen. „Es werden sehr viele Leute ausgebildet, aber der Bedarf ist nicht im gleichen Maße vorhanden“, erklärt sie.

Trotzdem sei sie beeindruckt von den Ansätzen, die junge Leute hätten, sie sollten nur wissen, dass die Fähigkeiten genauso wichtig seien wie die Ideen.

Grabenkämpfe mit Regisseuren

Bielefeldt sagt, sie lasse in ihre Projekte zwar nicht immer absichtlich etwas Persönliches einfließen, aber in Drehbuchgesprächen werde dann doch auch über Privates gesprochen. „Bekannte von mir sagen, Aenne Burda klingt in dem Film an manchen Stellen genau wie ich, wir hätten den gleichen Duktus“, verrät sie.

Große ARD-Doku: Regine Bielefeldt hat das Drehbuch „Aenne Burda - Die Königin der Kleider“ geschrieben. Ihre Freunde sagen, die Hauptfigur spreche vom Duktus her genau wie sie. Foto: Sidney-Marie Schiefer

Ein weiteres sehr persönliches Projekt war für sie der Film „Delphinsommer“. „In dem Film habe ich meine katholische Kindheit verarbeitet“, erläutert Bielefeldt. Ansonsten bestehe ihre Arbeit viel aus technischen Gesprächen, beispielsweise über die Länge von Dialogen.

Diese gingen nicht immer zu ihrer Zufriedenheit aus: „Man führt tagelang Gespräche mit der Regie und dann wird es doch anders umgesetzt als besprochen.“ Sie spricht von „Grabenkämpfen“, die beiden Parteien ausfechten würden.

Die Autorin fordert mehr Recht auf Mitsprache

Immer wieder komme es vor, dass die Arbeit von Drehbuchautoren nicht gewürdigt werde. Nach der erfolgreichen Ausstrahlung des fiktionalen Zweiteilers „Aenne Burda“ wurde sie sowohl nach dem Erscheinen des ersten als auch des zweiten Teils von der Fachzeitschrift Blickpunkt Film ignoriert. Der Film sei quasi als Alleinwerk der Regisseurin zugeordnet worden.

Deswegen engagiert sie sich für die Initiative „Kontrakt 18“, bei der sich Autorinnen und Autoren zusammentun und für mehr Mitspracherecht in der Produktion kämpfen. „Ich habe mir schon Feinde gemacht, weil ich auf diese Regelungen bestanden habe“, betont Bielefeldt. Sie sei sogar schon einmal aus einer Serienproduktion rausgeworfen worden.

Zwar habe sie sich mittlerweile als Drehbuchautorin etabliert, trotzdem müsse sie sich bei jedem neuen Auftrag wieder vorstellen und beweisen: „Schreiben haben wir alle in der Schule gelernt, deswegen fehlt der Respekt.“

Die Arbeit an Kinderbüchern ist neu

Komplett neu war für Bielefeldt die Arbeit als Kinderbuchautorin. Anfang des Jahres hat sie ihr erstes Buch „Paula Prima und der Klassendieb“ herausgebracht. Am 23. Oktober folgte der zweite Teil der Reihe. „Die Bücher sind für mich eine Herzensangelegenheit, ich habe sie für meine Tochter geschrieben, die stand als kleines Kind nicht auf Fantasy“, sagt die Autorin.

In den Geschichten rund um Paula geht es darum, wie Kinder moralische Entscheidungen treffen. Die Handlungen spielen an einer Ganztagsschule, betont Bielefeldt: „Das habe ich vorher in Deutschland so noch nicht gelesen.“ Wer sich in Baden-Baden auskenne, erkenne außerdem, dass die Schule trotz viel kreativer Freiheit dem Pädagogium ähnele.

Auch in diese Bücher lässt die Autorin Persönliches einfließen: „Ich will zeigen, dass die Berufstätigkeit von Eltern kein Problem ist, dass Ganztagsschulen für viele Kinder ein guter Ort sind und für einige sogar die Chance bieten, Defizite des Elternhauses zu kompensieren.“ Gerne hätte die Autorin ihr Buch auf Lesereisen beworben, wegen der aktuellen Corona-Situation sei dies allerdings nicht möglich.

Hinweis der Redaktion

In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Name der Drehbuchautorin sei bei der Berichterstattung über die Aenne-Burda-Dokumentation zweimal nicht im Pressematerial aufgetaucht. Diese Aussage wurde korrigiert.

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