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Tag des offenen Denkmals

Kunst und Konzert: Acherner interessieren sich für die Restaurierung der Reithalle

Die Acherner Reithalle hat eine bewegte und interessante Geschichte. Diese wurde am Tag des offenen Denkmals wieder lebendig.

Nicht digital, aber mit Corona-Abstand: Am Tag des offenen Denkmals hatte die Acherner Reithalle ihre Türen geöffnet. Es gab Kunst und Geschichte. Foto: Daniela Busam

Von unserem Mitarbeiter Wolfgang Winter

Der Tag des offenen Denkmals wurde am Sonntag bundesweit digital gefeiert. Allein Achern und eine kleine Handvoll weitere Kommunen tanzten aus der Reihe. In der Hornisgrindestadt wurde durch die Illenau geführt und die unter Denkmalschutz gestellte Reithalle für das Publikum geöffnet. 2020 wurde, coronabedingt, zum ersten Mal „das Engagement, mit dem die Beteiligten Denkmale digital erlebbar machen in den Fokus gerückt“, erklärte die für den Denkmaltag zuständige Teamleiterin Sarah Wiechers.

Astrid und Gerold Weber, die Eigentümer der Immobilie, stellten zwar seit gestern die Homepage des Bauwerks online, wollten aber darüber hinaus die Neugierde der Acherner für die Restaurierung der Reithalle befriedigen. Das attraktive Beiprogramm tat sein Übriges, dem weit vor 11 Uhr einsetzenden Besucheransturm zu sichern. Die amtliche Anordnung, dass auf Grund des Abstandsgebots nicht mehr als 500 Gäste gleichzeitig anwesend sein durften, konnten die Veranstalter leicht erfüllen, da auf dem weitläufigen Areal ein kontinuierliches Kommen und Gehen herrschte.

600 Quadratmeter große Ausstellungsfläche

Das Acherner Geliasa-Quartett um Gerda Hahn eröffnete den Denkmaltag mit einem ansprechenden Konzert. Die Freiburger Kunsttherapeutin Anita Baum gab anschließend eine gelungene Einführung in die von Jenny Masny-Schoenenberg kuratierte Kunstausstellung. Unter dem Titel „Kunst, die bei der Seele wohnt” erhielten 30 Künstler die Möglichkeit, ihre Exponate zu zeigen. Malerei, Bildhauerei, Fotokunst, Videokunst, Skulpturen und Installationen waren auf der 600 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche gleichermaßen vertreten.

Hier freute sich zum Beispiel der Acherner Claus-Peter Huber, seine geheimnisvoll anmutenden Infrarot-Fotos zu präsentieren und die dazu ersonnene Technik zu erläutern. Auch die Skulpturen von Ralf Klause, der zusammen mit seinem ebenfalls bildhauerisch begabten Sohn Arthur ausstellte, stießen wie die Arbeiten der anderen Künstler auf großes Interesse.

Nicht zuletzt wurde die Geschichte und Architektur der Reithalle lebhaft diskutiert. Im März 1946 wurde Oberst Jean Petit (1894 bis 1997), zum Leiter der „Ecole interarmes de perfectionnement des officiers d’Achern“ ernannt. Der hoch dekorierte Offizier eröffnete in der Illenau am 1. Mai 1946 eine Dependance der berühmten französischen Militärschule Saint-Cyr.

300 höhere Dienstgrade wurden aus Frankreich, Übersee, Österreich und Deutschland nach Achern abkommandiert. In einem Prospekt wurden die schönen Innenräume der Illenau gelobt. Fotos des Außenbereichs zeigten einen neu errichteten Sportparcours.

Auf den Illenau Wiesen wurde 1946/47 außerdem die für die Offiziersschulung genutzte Reithalle gebaut. Architekt Josef Waßmer beauftragte Karl-Ludwig Roß mit den statischen Berechnungen. Der zögerte trotz der lukrativen Angebots, bereitete ihm doch die 20 Meter große Spannweite der Halle Kopfzerbrechen.

Waßmer akzeptierte keine Widerrede und erklärte: „Du hast studiert, das wirst Du können“, weiß heute Martin Roß, der Sohn des 2002 verstorbenen Gründers des Acherner Ingenieurbüros zu erzählen. Sein Vater, war der richtige Mann, in der richtigen Position. Er hatte über die sogenannte Nagelbrettbinder-Methode der spektakulären Dachkonstruktion, eine Dissertation verfasst.

Mein Vater hatte damals vorausgesagt, eines Tages wird die Reithalle wieder zu neuen Leben erweckt.
Martin Roß, Sohn des 2002 verstorbenen Gründers des Acherner Ingenieurbüros

2005 gastierte in der Reithalle Halle das SWR Sinfonieorchester und der Kölner Obertonchor. Am Sonntag erinnerten sich viele Besucher der älteren Generation an das Kunstspektakel. „Mein Vater hatte damals vorausgesagt, eines Tages wird die Reithalle wieder zu neuen Leben erweckt“, erinnert sich Martin Roß. Er sollte, zum Glück für Achern, recht behalten.

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