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Thomas-Cook-Insolvenz

Karlsruhe, Pforzheim und Mittelbaden: So erleben Reisebüros und Kunden die Pleite

Die Thomas-Cook-Pleite beschäftigt auch die Reisebüros der Region. Ihre Kunden sind verunsichert. Die einen, weil sie mit einem Veranstalter des Unternehmens verreist sind. Die anderen, weil ihre geplante Reise vielleicht abgesagt wird und sie möglicherweise sogar Geld verlieren.

Telefonieren kann anstrengend sein - je nachdem, wen man an der Strippe hat. Foto: N/A

Thomas Cook hat Insolvenz eingereicht. Was bedeutet das für die Reisende in Karlsruhe, Pforzheim oder Mittelbaden? Unsere Redakteurin hat mit Reisebüros gesprochen und verrät wie der Montagmorgen nach der Hiobsbotschaft gelaufen ist.

Carsten Hechts Telefon klingelt ununterbrochen. „Es rufen natürlich viele Kunden an“, sagt der Inhaber eines Reisebüros in Karlsruhe-Neureut. Und auch in anderen Agenturen der Region sorgt die Thomas-Cook-Pleite dafür, dass die Mitarbeiter immer wieder zum Hörer greifen müssen.

Eine wirkliche Antwort haben Reisebüros noch nicht

Die Fragen der Anrufer sind meist dieselben: Wer ist von der Insolvenz der britischen Veranstalter des Konzerns betroffen? Auch Urlauber, die bei den deutschen Töchtern von Thomas Cook eine Reise gebucht haben? Also auch Kunden von Neckermann Reisen, Thomas Cook Signature, Öger Tours, Bucher Last Minute und Air Marin? Die Antwort von Carsten Hecht ist stets dieselbe:

Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Erst dann gebe es Antworten. Und erst dann könne er den Anrufern sagen, ob der geplante Urlaub mit Thomas Cook stattfindet oder nicht. Momentan ist lediglich sicher, dass Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September nicht durchgeführt werden. Zudem stoppte Thomas Cook den Verkauf sämtlicher Reisen auch in Deutschland.

Das Reisebüro Hecht hat keine Kunden, die derzeit mit Neckermann oder einer anderen Cook-Marke unterwegs sind. Damit zählt die Agentur zu den Ausnahmen. Doch auch bei anderen Unternehmen ist die Zahl vergleichsweise gering. Denn die Sommerferien sind vorbei. Nach Angaben von Thomas Cook verbringen momentan rund 140.000 Deutsche einen Urlaub mit Veranstaltern des Konzerns.

Kunden im Ausland sind informiert

Ein Anruf, den im Paradies keiner braucht: Die Pleite des Reiseveranstalters. Foto: N/A

„Wir haben die Betroffenen sofort informiert“, sagt Heribert Frey, Geschäftsführer der drei Filialen vom „Pforzheimer Reisebüro“. Auch die Mitarbeiterinnen vom TUI Reisecenter in Gernsbach kontaktierten nach der Bekanntgabe der Insolvenz gleich ihre Kunden im Ausland. „Falls notwendig, werden wir uns darum kümmern, dass sie nach Hause kommen“, betont TUI-Reiseverkäuferin Antje Seidenberg. Ob tatsächlich Flüge gestrichen werden, steht momentan noch in den Sternen. Condor – die deutsche Fluggesellschaft gehört zur Thomas Cook Group Airline – will vorerst weiterfliegen. Sie bringt nach eigenen Angaben alle Gäste, die sich bereits an ihrem Urlaubsziel befinden, nach Deutschland zurück.

Reisebüros hoffen auf Solidarität

Pauschalreisende müssen sich im Grunde keinen Sorgen machen. Heben die Condor-Maschinen nicht mehr ab, befördern andere Fluggesellschaften diejenigen, die Anreise und Hotel im Paket gebucht haben. Sollte es dennoch Probleme geben: „Wir unterstützen unsere Kunden“, versichert Frey und unterstreicht: „Das ist schließlich nicht die erste Pleite, die uns trifft.“  Und Reiseverkäuferin Seidenberg ergänzt: „Ich hoffe auf ein solidarisches Verhalten der anderen Veranstalter.“ Die Flughäfen in der Region, der Baden-Airport und der Stuttgarter Flughafen, sind bisher nur geringfügig von der Pleite der britischen Thomas Cook betroffen.

Individualreisende gehen leer aus

Ein Flugzeug im Landeanflug auf einen Flughafen. Foto: Robert Michael

Was aber machen Reisende, die jetzt an sich die Koffer packen wollten? Müssen sie um ihr Geld fürchten? „Pauschalreisende erhalten alles zurück“, sagt Frey. Nur wer eine Einzelleistung, also lediglich einen Flug oder eine Unterkunft gebucht hat, geht leer aus.

Das Budget für Pauschalurlauber ist begrenzt

Pauschalreisen sind abgesichert. Das schreibt der Gesetzgeber vor. Doch es kann durchaus sein, dass der zur Verfügung stehende Betrag nicht reicht. Denn im Topf der Versicherer sind pro Jahr maximal 110 Millionen Euro.

Thomas Cook hat in Deutschland allerdings noch keine Insolvenz angemeldet. Die Insolvenzversicherung greift erst, wenn die deutsche Tochter diesen Schritt geht. Thomas Cook Deutschland ist nach TUI das zweitgrößte Reiseunternehmen in der Bundesrepublik.

Und wie sieht es bei Reisebüros von Thomas Cook aus? Die waren am Montag nach Bekanntgabe der Insolvenz zuerst schwer erreichbar und durften dann nichts sagen.

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