Skip to main content

Leben für die Gastronomie

Eutinger Urgestein und Gastwirt Addel Steudle wird 85

Das Eutinger Original und der als Wirt bekannte Adolf Steudle wird 85 Jahre alt. Unter seinem Spitznamen „Addel“ ist er seit seiner Jugend bekannt als der Betreiber der Gaststätte „Stadt Pforzheim“, für Einheimische der „Bären“ genannt.

Die Gaststätte „Stadt Pforzheim“ an der Hauptstraße in Eutingen: Sie ist eigentlich nur als „Bären“ bekannt und wurde von Adolf und Marianne Steudle im Jahr 1966 in vierter Generation übernommen. Foto: Oliver Linde

Der Name Steudle ist untrennbar mit dem „Bären“ in Eutingen verbunden, wie die Gaststätte „Stadt Pforzheim“ genannt wird. Vier Generationen der Familie haben diese seit der Eröffnung im Jahr 1875 geprägt. 1998 hat „Addel“ – unter diesem Spitznamen ist Adolf Steudle Junior in der Stadt bekannt - die Gaststätte an Sheryl und Heinrich Schuster übergeben.

Ganz loslassen aber konnte Addel nicht und unterstützte seine Nachfolger in der Küche und beim Wurstmachen. Erst im vergangenen Jahr machte er endgültig Schluss. An diesem Sonntag feiert Addel seinen 85. Geburtstag.

Urgroßvater ersteigerte die Wirtschaft

Urgroßvater August hatte die Wirtschaft einst bei einer Versteigerung erworben, nachdem der Landwirt zuvor schon nebenher den „Adler“ betrieben hatte. Seine Frau Karoline kümmerte sich um das Wohl der Gäste, ihr Mann war auf dem Feld.

Nachdem August Steudle 1875 die damalige „Realgastwirtschaft“ neben seiner Landwirtschaft übernommen hatte, war das Lokal zwischendurch für ein Jahr an den „Bären“-Wirt aus Pforzheim verpachtet worden. Er brachte ein Bären-Aushängeschild mit, damit ihn in Eutingen auch seine Gäste aus der Stadt finden. Diese kurze Episode genügte um im Volksmund die Bezeichnung „Bären“ weiterleben zu lassen, obwohl dies nie der offizielle Name war. Der Pächter ließ auch einen Bären an die Fassade malen. Der ist dort bis heute zu finden.

Im Jahr 1905 übernahm Augusts Steudles Sohn Adolf Wilhelm den Bären mitsamt der Landwirtschaft. Als er 1934 starb führte zunächst seine Witwe das Lokal, in das fünf Jahre später ihr Sohn Adolf eintrat, der zuvor schon den bäuerlichen Betrieb führte und diesen erst 1954 aufgab.

Der „Bärenwirt“ und sein Bär: Adolf „Addel“ Steudle hatte die Skulptur von seinem Stammtisch zu seinem 70. Geburtstag als Geschenk erhalten. Foto: Oliver Linde

Aus dem Fruchtspeicher wurden Gästezimmer. Auch eine neue Küche wurde eingebaut. In diesem Umfeld war Addel, geboren am 16. Mai 1936, aufgewachsen. Dies sollte seinen beruflichen Werdegang bestimmen. Addel Steudle absolvierte die Landwirtschaftsschule und wollte eigentlich auf eine Farm in den USA, als ihm sein Vater erklärte: „Du lernst jetzt Metzger.“ Zumal dies wegen der Hausschlachtungen zusätzliche Einkünfte bringe.

Einen Koch einzustellen, rentiert sich für uns nicht. Das machst du.
Adolf Steudle Senior, Vater von „Addel“ Steudle

Nach der Ausbildung bei der Metzgerei Bach in Brötzingen entschied er sich zudem für eine Lehre als Koch. Die führte ihn nach Esslingen ins Hotel „Post“, danach zur ersten Anstellung ins „Goldene Kreuz“ in Karlsruhe und schließlich zurück in die Heimat - in den 1957 wieder eröffneten „Goldner Adler“ zur Wirtsfamilie Oberndorfer.

Der Ruf von Zuhause

Dann kam der Ruf von Zuhause. Der Mutter, die im Bären die Küche führte, war die Arbeit zu viel und der Vater meinte zu seinem Sohn: „Einen Koch einzustellen, rentiert sich für uns nicht. Das machst du.“ So kehrte Addel im Jahr 1960 heim in den Bären. Die Gaststätte übernahm er von seinen Eltern 1966 mit seiner Frau Marianne, genannt Nanne, die er schon seit der Schulzeit kannte. Damals gab es in Eutingen noch mehr als 20 Gaststätten.

Schon 1963 war der große Saal renoviert worden, 1973 erfolgte ein Anbau. Bis zu 500 Gäste konnten fortan bewirtet werden. Addel selbst war jeden Montag frühmorgens im Schlachthof, wo er die Wurst selbst herstellte. Sein Schwartenmagen wurde zum Geheimtipp. Donnnerstags machte Addel die beliebten Maultaschen. Noch heute werden die legendären Bratkartoffeln zubereitet, die er von seiner Mutter gelernt hatte.

Für Stammtische, private Feiern (bis zu vier Hochzeitsgesellschaften an einem Tag), Versammlungen, Vereine und vieles mehr ist der Bären nach wie vor eine renommierte Adresse. Auch wegen der herzlichen Atmosphäre mit den Töchtern Sonja und Tanja sowie weiteren Familienmitgliedern. Weihnachts- und Jahresfeiern, Silvester- und Faschingsbälle sowie Tänze in den Mai füllten den Saal mit seiner Bühne.

Addel Steudle feiert im kleinen Kreis

Die Corona-Pandemie ist nun eine Zäsur für die Eutinger Traditionsgaststätte. Und wegen Corona kann „Addel“ Steudle, der „Bärenwirt“ seinen 85. Geburtstag nun nur in kleinem Kreis feiern.

Doch zumindest gibt es für ihn einen Hoffnungsschimmer. Den, dass er demnächst wieder wie seit 50 Jahren nach Nals in sein geliebtes Südtirol fahren kann. Bergsteigen, wandern und Rad fahren sind seine Leidenschaft. Nach gesundheitlichen Problemen fühlt sich Addel derzeit wieder fit, erfreut sich an seinem Garten, an Spaziergängen und seinem Umfeld mit seiner Nanne, nebst der Großfamilie, in ihrem Heim an der Friedrich-Silcher-Straße in seiner Heimat Eutingen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang