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Bis zu 8.000 pro Tag

Analyselabor aus Neuthard recycelt benutzte FFP-Schutzmasken

Medizinische Schutzmasken sind in Krankenhäusern immer noch knapp – die Hersteller können die gesteigerte Nachfrage kaum bedienen. Die Helios-Kliniken haben daher ein Verfahren gesucht, um benutzte FFP-Schutzmasken wieder sicher aufzubereiten. Und sind in Neuthardt fündig geworden.

Genau hingeschaut hat Markus Heneka von RJL Micro & Analytic bei den FFP-Masken. Der Monitor zeigt eine Aufnahme der mehrlagigen Membrane. Foto: cah

Von Armin Herberger

Deutschlandweit wurde in Instituten geforscht, beispielsweise in München, Hannover, Bad Homburg und Karlsruhe. Grünes Licht für ein zuverlässiges Verfahren gab es erst nach einer genauen Prüfung – und die fand in Neuthard statt.

Die RJL Micro & Analytic GmbH in Karlsdorf-Neuthard ist ein Analyselabor, das mit Röntgen-Mikrotomographie und Rasterelektronenmikroskopie die Mikrostruktur von Werkstoffen ins Visier nimmt. Zu den Kunden gehören eigentlich Automobilzulieferer, die Getriebeteile durchchecken lassen oder Pharmaunternehmen, die einzelne Schichten von Tablettenhüllen im Detail sehen wollen.

Anfrage unter großer Geheimhaltung

„Die Anfrage von Helios kam in der Woche vor Ostern, alles unter großer Geheimhaltung“, sagt Seniorchef Bernhard Heneka. Der Erstkontakt fand über das Web-Formular statt, am nächsten Tag folgte der Anruf, wann die ersten Proben vorbeigebracht werden können. Die zu testenden Masken kamen mitunter via Taxi aus Leipzig. Ein ICE-Kurier brachte nachts um halb zwei eine Lieferung aus Schwerin.

„Die ersten Proben haben wir in kompletter Schutzmontur für unsere Geräte vorbereitet“, berichtet Geschäftsführer Markus Heneka – schließlich war nicht klar, ob sie mit Viren belastet waren. Mittels Rasterelektronenmikroskope und dreidimensionaler Röntgenmikrotomografie wurden die sieben Schichten der gebrauchten Masken mit denen von Neuware verglichen. Außerdem wurde das Partikelrückhaltevermögen der Membranen bis in den Nanometerbereich getestet.

Bislang gab es kein Verfahren, das nach der Sterilisation auch die Funktionalität der Maske erhalten hat
Markus Heneke, Geschäftsführer RJL Micro & Analytic GmbH

„Bislang gab es kein Verfahren, das nach der Sterilisation auch die Funktionalität der Maske erhalten hat“, sagt Heneka. Methoden mit Chemikalien oder Bestrahlung zerstörten das Gewebe und machten es unbrauchbar.

Die Lösung war schließlich die richtige Kombination aus Temperatur und Zeit: So werden die Masken zunächst trocken für 35 Minuten bei 70 Grad Celsius in Desinfektionsgeräten behandelt. Anschließend erfolgt zusätzlich die Aufbereitung in Umluft-Konvektoren bei 70 bis 75 Grad Celsius über insgesamt neun Stunden. Dafür mussten die Öfen speziell kalibriert werden, denn wenige Grad darunter freut die Viren, mehr darüber schädigt die Maske.

Wichtige Alternative bei Lieferengpässen

Bis zu 8.000 Masken können somit pro Tag recycelt werden. Die Kosten für die Aufbereitung dürften im ähnlichen Bereich wie die Neuanschaffung liegen, aber bei den Lieferengpässen derzeit eine wichtige Alternative. „Man war schon jahrelang an dem Thema dran, aber es gab keinen Druck“, sagt Laborleiterin Marion Graf.

Der Druck in der Branche macht das Familienunternehmen jetzt zu einer relevanten Einrichtung: RJL Micro & Analytic wird das Projekt auch künftig begleiten und eng in ein Konzept zur ständigen Qualitätskontrolle eingebunden sein.

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