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Andreas Vetter

Karlsruher Streetfotograf: Auf der Straße zum goldenen Schnappschuss

Der Karlsruher Streetfotograf Andreas Vetter hält Straßenszenen mit einem Klick fest. Dabei gelingen ihm malerische Schnappschüssse. Er gewinnt der Fächerstadt Reize ab, die mancher Betrachter gar nicht in Baden vermutet.

ANDY VETTER ist ein Streetfotograf aus Begeisterung für die Vielfältigkeit des Lebens, wie man es auf der Straße findet. Ihm gelingt es, der Momentaufnahme vom Rheinhafen bleibende Wirkung zu geben. Dahinter Motive aus der großen weiten Welt. Foto: Sandbiller
Der Karlsruher Streetfotograf Andreas Vetter hält Straßenszenen mit einem Klick fest. Dabei gelingen ihm malerische Schnappschüssse. Er  gewinnt der Fächerstadt Reize ab, die  mancher Betrachter gar nicht in Baden vermutet.

Andy verkörpert zeitlos den positiven Typen. Wenn der 58-Jährige auf jemanden zugeht, knipst er ganz unwillkürlich sein Lächeln an und löst etwas aus: Das Gegenüber fühlt sich wahrgenommen, öffnet sich selbst und lässt sich gerne ablichten. Oft klickt Andreas Vetter auch, ohne vorher sein Objekt zu fragen. Schließlich visiert der Fotograf nicht lange mit einem großen Objektiv an, sondern er schnappt mit schnellen Schüssen per Smartphone-Kamera zu.

Der flüchtige Augenblick

Vetter ist Streetfotograf. Ein Meister des schnellen Blicks für die lohnende Momentaufnahme auf offener Straße. Da wird nichts gestellt, nicht gepost, nichts extra scharf gestellt. Es geht um den flüchtigen Augenblick, um das Festhalten der besonderen Konstellation im Straßenbild.

Da sieht Karlsruhe wie Paris aus

Andreas Vetter aus der Klauprechtstraße in der Südweststadt scheint dafür wie geschaffen. Erst seit drei Jahren geht der Karlsruher auf die Blitzfotojagd – und doch hat er es schon zum Fotokünstler gebracht, der seine Werke von Straßen aus aller Welt in der Fächerstadt ausstellt. Aber es müssen gar nicht die spektakulären Situationen aus New York oder Nizza sein – auch Karlsruhes Straßen gewinnt Andy Vetter ausdrucksstarke Motive ab.

Sieht doch wie Paris aus

Die meisten Betrachter wollen es kaum glauben: „Das soll in Karlsruhe sein, das sieht doch wie Paris aus“, schwärmen sie. Andreas Vetter ist mit der beeindruckenden Nachtaufnahme vom Schattenmann auf der Hirschbrückentreppe auch etwas ganz Besonderes gelungen: Diese vermeintliche Szene vom Montmartre ist ein Stück Heimat des Fotografen – und so bedeutungsschwanger dieses Nachtfoto den Betrachter anspricht, so banal ist seine Entstehungsgeschichte. „Ich hab vor dem Schlafengehen noch den Hund ausgeführt“, berichtet Vetter. Und weil ihn, vielleicht auch seinen Hund, die Hirschbrücke, dieses Jugendstilstück Paris mitten in der Südweststadt, so anzieht, hält der Streetfotograf die Augen offen und passt dadurch den richtigen Moment ab.

DIE HIRSCHBRÜCKENSTIEGE in der Südweststadt wirkt auf dem Nachtbild von Vetter wie die Fluchttreppe eines Einsamen in einer Pariser Nacht. Foto: Sandbiller

Ein Mann kommt um die Ecke

Ein Mann kommt um die Ecke und springt die Stufen im Treppengang zur Brücke hinauf. Nicht der Hund, sondern der Herr schnappt unbemerkt von hinten mit der Smartphonekamera zu. Und ein einzigartiger Augenblick in einer Karlsruher Winternacht ist eingefangen: Wie ein mysteriöser Mond beleuchtet eine Straßenlaterne aus einem Kranz kahler Äste, die wie ein Spinngewebe wirken, die Szene: Flankiert von dunklen Wänden mit gleißenden Graffiti strebt der Dunkelmann in der Mitte der Treppe nach oben in die Nacht – und seine Beine ziehen in diesem Licht einen zweistrahligen Schattenwurf mit.

Blaulicht um dunkle Gestalten

Mit seinen Fotos holt Andy Vetter das Beständige genauso wie das in einem Wimpernschlag Vergehende von der Straße auf die Leinwand: Da hängt die Dampffahne des Kohlekraftwerks am Rhein im Südwestwind quer im Himmel über dem Hafenbecken, wo der von einem Kran überragte Kai leer gefegt in gelecktem Grau vor der Kulisse der Industrieromantik ruht.

EIN BLAULICHTKANAL mit dunklen Gestalten ist der U-Strab-Tunnel auf diesem unter- irdischen Schnappschuss von Andreas Vetter. Foto: Vetter

Auch der Unterwelt in der Baustellenstadt gewinnt Andreas Vetter eine flüchtige und farbige Impression ab: In der Betonschachtel, wo in zwei Jahren nach zwölf Jahren Bauzeit die U-Strab rollt, bewegen sich die Schattenrisse neugieriger Karlsruher. Und mit Blaulicht spiegeln sich die dunklen Gestalten im Wasser, als hielten sie sich an einem Höhlensee mit magischer Anziehungskraft auf.

Urbanität festgehalten

Selbst an dem bei den Stadtgestaltern wenig beliebten Strahl des Sonnenfächers findet der Streetfotograf Erhellendes. In noch hellblauer Stunde der angebrochenen Dämmerung auf der Waldstraße beherrschen schwarze Radfahrer wie moderne Ritter die Straßenszene. Doch Vetter lässt unter dem Abendhimmel in seiner Momentaufnahme auch das Helle hervorstechen: Eine Fahrradlampe wirft ihren Lichtkegel – und die Majolikaplatten der Bürger leuchten wie der letzte Strahl der güldenen Sonne.

EIN GOLDENES BAND dient den Radlern in der Waldstraße als Leuchtstrahl. Foto: Sandbiller

Vetter bildet das Leben ab, das Situative auf der Straße und damit „das Urbane, das Karlsruhe auch hat“. Er schafft künstlerische Zeitdokumente. Wenn er auf die Jagd nach Straßenfotos geht, läuft der starke Familienmensch am liebsten ohne Frau und Tochter, sogar ohne den Hund bis zur Selbstvergessenheit durch die Nacht. Er schießt sich dann mit einigen Aufnahmen warm, bis ihn der Flow packt. Dann kann es sein, dass er Dinge und Augenblicke entdeckt, deren nachträgliche Betrachtung für Momente glücklich machen.

Inzwischen gehört der Karlsruher zur deutschen Streetfotografen-Szene. „Wir tauschen uns in der Community aus“, berichtet er. In Köln hat er sich beim Workshop per gemeinsamem „Streetwalk“ fortgebildet. In Berlin hat er bei der US-Szene-Größe Eric Kim neue Möglichkeiten dieser Kunst erworben.

Tiefschürfender Blick

Den Blick für das Besondere hat der Karlsruher über Jahrzehnte als Globetrotter geschärft. Und so bringt Vetter aus Karlsruhe und der ganzen Welt Streetfotos mit in seine Altbauwohnung in der Südweststadt. Als studierter Geologe hat er zunächst in der Arbeitswelt eines Mineralologen in der Industrie den tiefschürfenden Blick trainiert. Seit 25 Jahren arbeitet Andy Vetter als Physiotherapeut. Da hat er viele Berührungsängste verloren. Diese Erfahrungen stärken den Fotokünstler auf offener Straße. Da kann er mit öffnendem Lächeln selbst dunklen Stellen helle Seiten mit der Kamera abgewinnen.

Ausstellung

Streetfotos von Andreas Vetter sind bei CAS Software im Technologiepark, CAS-Weg 1, bis 28. Februar in der Präsentation „Urban Life – die Stadt und ihre Menschen“ ausgestellt und montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr zu sehen.

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