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Online und im TV

Ballett in der Karlsruher Stadtkirche: Kirchen gehen zu Ostern neue Wege

Wegen der Corona-Krise bleiben auch über Ostern die Bänke in den Gotteshäusern leer. Doch die Geistlichen gehen neue Wege. Die Karlsruher Stadtkirche beispielsweise setzt auf Ballett. Der Auftritt des Solisten des Badischen Staatstheaters wurde vorab aufgezeichnet.

Eigenes für die Karlsruher Stadtkirche hat Staatstheater-Solist José Urrutia eine Choreografie zu einer Arie aus dem Oster-Oratorium von Johann Sebastian Bach erarbeitet. Aufgezeichnet wurde der Tanz am Mittwoch. Foto: jodo

Kirschblütenzweige und die Osterkerze stehen neben dem Alter in der evangelischen Stadtkirche . Osterglocken leuchten in sattem Gelb. Doch wegen der Corona-Krise bleiben auch an den Feiertagen die 1.200 Sitzplätze in dem Gotteshaus am Karlsruher Marktplatz leer.

Dafür gingen dort am Mittwoch Kameras und Mikrofone an, um vorab einen besonderen Gottesdienst aufzuzeichnen, Ballett und Musik inklusive. Innerhalb einer Woche hat Stadtpfarrer Dirk Keller mehrere Künstler für die Produktion gewonnen. Sie kommen nicht gemeinsam für die Aufzeichnung in die Kirche. Abstandhalten ist schließlich das Gebot der Stunde.

Solist des Staatstheaters tanzt vor dem Altar

Für die Sendung, die Baden TV am Sonntag ausstrahlt, werden die einzelnen Beiträge zusammengeschnitten. Trompeter Rudi Scheck ist um die Mittagszeit dran, er steht auf der Empore. Dann tanzt vor dem Kreuz José Urrutia, Solist am Badischen Staatstheater. Die Musik ist da bereits wieder verklungen.

Urrutia hat zusammen mit Ballettdirektorin Bridget Breiner die Choreografie zu einer Arie aus dem Oster-Oratorium von Johann Sebastian Bach entwickelt. Diese Arbeit lief per Videokonferenz. Urrutia trainierte daheim. Er räumte dafür sein Wohnzimmer aus.

Thorwald liest Ostergeschichte

„Die Idee zum Ballett kam von einem Gemeindemitglied“, berichtet Keller, der selbst ein großer Fan dieser Kunst ist. Der Stadtpfarrer hat auch Achim Thorwald, ehemaliger Leiter des Staatstheaters, für sein Projekt gewonnen. Er liest die biblische Ostergeschichte.

Die Studentin Marie Strehlow erzählt, wie sie ihren christlichen Glauben in Corona-Zeiten einordnet. Der Schüler Moritz Richter trägt mit eigenen Worten vor, wie er in dieser Krise Gott sieht. Die musikalische Leitung hat Kirchenmusikdirektor Christian-Markus Raiser. Der einstündige Gottesdienst wird auf Baden TV am Ostersonntag um 9.30, 13 und 21 Uhr ausgestrahlt.

Die Menschen halten zusammen, die Christen stehen zusammen.
Thomas Schalla, evangelischer Dekan

Wegen der Corona-Krise setzen die Dekane der evangelischen und katholischen Kirche in Karlsruhe auch in der Karwoche und an Ostern auf Ökumene. An Karfreitag und in der Osternacht werden – für die Gläubigen nur daheim am Bildschirm erlebbar – Gottesdienste zusammen gefeiert.

„Wir finden, dass dies ein wichtiges Signal ist“, sagt der evangelische Dekan Thomas Schalla: „Die Menschen halten zusammen, die Christen stehen zusammen.“

Gläubige sollen Abendmal zuhause feiern

An Karfreitag überträgt Baden TV ab 15 Uhr aus der Christuskirche. Die Osternacht startet – ebenfalls begleitet von Baden TV – am Samstag um 21 Uhr in St. Stephan. Dort hält Schalla zusammen mit seinem katholischen Kollegen Hubert Streckert den Gottesdienst.

Da in keinem Gotteshaus aktuell ein Abendmahl zelebriert werden kann, laden die Geistlichen die Gläubigen ein, dies zuhause zu tun. „Nach der Predigt wird dafür Musik gespielt. Dann geht es mit den Fürbitten weiter“, so Schalla.

Heimspiel für Landesbischof

Der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh setzt an Karfreitag auf ein Heimspiel: Gemeinsam mit Pfarrerin Claudia Rauch, Kirchenmusikdirektor Raiser an der Orgel und Tenor Bernhard Gärtner feiert er ab 10.15 Uhr in der Kleinen Kirche einen Gottesdienst.

Die Gläubigen können auch da nicht vor Ort dabei sein, das Geschehen aber im Livestream verfolgen.

Der Landesbischof steht im Anschluss ab 11.15 Uhr eine Stunde lang telefonisch für Predigtgespräche zur Verfügung. Die Rufnummer dazu wird im Gottesdienst eingeblendet, teilt die Landeskirche mit.

Kleine Kirche Foto: Michael Schorpp

Die will ein Zeichen der Inklusion setzen: Um Gehörlosen eine barrierefreie Teilhabe zu ermöglichen, wird der Gottesdienst nach dem Livestream mit einer Übersetzung in Gebärdensprache zur Verfügung stehen.

Handpuppen diskutieren über Auferstehung

Auch andere Pfarrer und Pfarreien gehen in der Krise neue Wege. Die evangelische Kirche Neureut zum Beispiel. In Kirchfeld setzt Pfarrer Albrecht Fitterer-Pfeiffer auf das Internet. An Karfreitag wird es einen Kurzgottesdienst geben, der auf der Homepage der Gemeinde online gestellt wird.

Am Ostersonntag ist darüber hinaus ein Gespräch zweier Handpuppen geplant, das sich an Kinder richtet. Thema dieses Impulses ist die Frage „Was ist Auferstehung?“

Pfarrer Pascal Würfel von der Kirchengemeinde Neureut-Nord ruft seine Gemeindeglieder dazu auf, Fotos dem Pfarramt zukommen zu lassen. „Wir werden sie ausdrucken und an den Bankreihen anbringen, sodass jeder und jede zumindest ein bisschen das Gefühl hat, dennoch mit dabei zu sein“, so Würfel.

Das Geschehen in der Osternacht soll auf dem Instagram-Account des Pfarrers und später auf der Homepage der Kirchengemeinde veröffentlicht werden. Um auch weniger online-affinen Gemeindemitgliedern die Möglichkeit zu geben, Gottesdienst mitzufeiern, werden Osterpredigten ausgedruckt und verteilt.

Rosinenbrötchen an Gründonnerstag

An Gründonnerstag, dem Tag des letzten Abendmahls, probiert man in dem Stadtteil ebenfalls etwas Neues: Wer möchte, kann sich Rosinenbrötchen-Tüten abholen, also Brot mit der getrockneten Frucht des Weinstocks, so die Idee. Dazu erhält jeder ein kleines Faltblatt mit Text und Gebet zur Feier zu Hause.

Ab 10 Uhr liegen die Pakete am Donnerstag vor der Kirche Neureut-Nord in der Neureuter Hauptstraße und vor dem Lutherhaus im Kiefernweg bereit – solange der Vorrat reicht, längstens bis 16 Uhr.

In der Durlacher Stadtkirche steht eine Osterkerze, an der Gläubige in der Osternacht ihre Kerze entzünden können. „Mit dem nötigen Abstand können die Menschen dies tun“, erklärt der evangelische Dekan Schalla.

In Grötzingen wiederum seien Osterkerzen nach vorherigem Registrieren an Gemeindemitglieder verteilt worden.

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