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Christoph Werner im Interview

„Das hatten wir so nicht erwartet“: DM-Chef über den Ansturm auf Klopapier wegen Corona

Der Karlsruher Drogeriemarkt dm bekam die Corona-Krise in Form eines Kundenansturms auf Toilettenpapier und Desinfektionsmittel zu spüren. "Wir waren zunächst auf die Nachfragesteigerungen nicht vorbereitet", sagt Konzernchef Christoph Werner im Interview mit den BNN.

SYMBOLHAFT: 1 800 Mitarbeiter arbeiten allein in der dm-Zentrale. Foto: Fabry

Der Karlsruher Drogeriemarkt dm bekam die Corona-Krise vor allem in Form eines Kundenansturms zu spüren. Wie der Konzern darauf reagiert und welche Folgen die erhöhte Nachfrage für das Unternehmen hat, darüber sprach Konzernchef Christoph Werner im Interview mit den BNN.

Waren Sie auf eine solche Situation vorbereitet, gab es eine Art Krisenplan bei dm?

Werner: Wir befinden uns derzeit in einer Ausnahmesituation mit Herausforderungen, die es bisher in dieser Form noch nicht gab. Daher hatten wir auch keine Blaupause in der Schublade. Nachdem sich abzeichnete, dass die Situation immer unübersichtlicher wurde, haben wir einen Krisenstab gebildet, der zweimal täglich in einer Konferenzschaltung die aktuelle Lage beurteilt und grundsätzliche Entscheidungen trifft.

Im dm-dialogicum in Karlsruhe haben wir auf einen Notbetrieb umgeschaltet mit fast allen Mitarbeitern in Telearbeit, um unsere dm-Märkte und unsere Verteilzentren dabei zu unterstützen, für unsere Kunden weiterhin verlässlich da zu sein. Oberste Priorität hat für uns im Augenblick die Erhaltung der Gesundheit der Menschen, die Ermöglichung der Verkaufsbereitschaft unserer bundesweit mehr als 2.000 dm-Märkte, und die Sicherstellung der Überlebensfähigkeit des Unternehmens.

Wie gingen sie mit der plötzlichen Nachfrage-Steigerung um?

Da zunächst auch für uns nicht absehbar war, dass die Situation mit dem Coronavirus diese Auswirkungen haben würde, waren wir zunächst auf die Nachfragesteigerungen nicht vorbereitet. Wir haben dann jedoch darauf reagiert und sofort die Abstimmung mit den Herstellern und die Anpassung der internen Prozesse angepackt.

Dass Toilettenpapier in diesem Maße gekauft werden würde, hatten wir nicht erwartet . Die Produktionskapazitäten sind jedoch vorhanden und es wird mit jeder Lieferung in die dm-Märkte geschickt.

Bei welchen Produkten verspüren Sie überdurchschnittliche Nachfrage? Können Sie weiterhin alles anbieten?

Werner: In den letzten Wochen können wir in unseren mehr als 2.000 dm-Märkten in Deutschland eine stark gestiegene Nachfrage unter anderem nach Desinfektions-, Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln, nach Toilettenpapier und nach Bio-Lebensmitteln verzeichnen.

So erklärt sich auch, dass diese Produkte temporär in vielen Märkten nicht verfügbar waren oder sind. Wir haben bereits reagiert und Maßnahmen entlang der gesamten Lieferkette ergriffen, um unsere dm-Märkte schnellstmöglich wieder mit Waren zu versorgen.

Zur Person Christoph Werner

Der Sohn von dm-Gründer Götz Werner leitet den Drogeriemarktfilialisten aus Karlsruhe seit wenigen Monaten. Der 46-Jährige übernahm den Chefposten Ende 2019. Zuvor war Werner in der Geschäftsführung bereits für die Bereiche Marketing und Beschaffung zuständig.

Wie sicher sind Ihre Lieferketten?

Werner: Verlässliche Warenverfügbarkeit ist eines unserer wesentlichen Leistungsversprechen an unsere Kunden. Um diese in den dm-Märkten für unsere Kunden sicherzustellen, stehen wir mit Lieferanten und Produzenten im ständigen Austausch und passen unsere Bestellmengen entsprechend der Nachfrage an.

Herstellerseitig wurden ebenfalls Maßnahmen ergriffen und die Produktionskapazitäten erhöht. Zudem betreiben wir ein fein abgestimmtes Netzwerk aus Logistikzentren, die unsere dm-Märkte mit den Mengen versorgen, die unsere Prognosesysteme errechnen. Wir betreiben in Weilerswist und in Waghäusel Verteilzentren. Zudem sind sieben weitere Volumenverteilzentren auf ganz Deutschland verteilt.

Ist es noch problemlos möglich, Waren zu importieren?

Werner: Grundsätzlich passieren die Warenströme weiterhin die Grenzen, da der Warenverkehr nicht eingeschränkt worden ist. Aus Gesprächen wissen wir, dass die Behörden derzeit mit großer Kraft daran arbeiten, dies auch weiterhin sicherzustellen.

Sie haben auch Märkte im Ausland, speziell in Italien. Wie ist die Situation dort?

Werner: Der Präsident des italienischen Ministerrates hat am 11. März 2020 eine Verordnung erlassen, in der fast alle Geschäfte, Bars und Restaurants geschlossen werden, jedoch auch die Tätigkeit von Geschäften des täglichen Bedarfs regelt. dm-drogerie markt ist in Italien daher weiter geöffnet und für die Kunden da.

Wie verteilen Sie Produkte, wenn es tatsächlich zu Engpässen kommt – haben Sie Märkte, die Sie bevorzugen?

Werner: Wenn es in der Warenbeschaffung zu Engpässen bei einzelnen Produkten kommen sollte, erlaubt es unsere Sortimentsbreite grundsätzlich, unseren Kunden Alternativen anzubieten. Sollten wir intern nicht in der Lage sein die Ware vollständig auszuliefern, konzentrieren wir unsere Kapazitäten vorübergehend auf die für unsere Kunden wichtigsten Produkte. Bei mehr als 12.500 Artikeln im Sortiment können wir flexibel reagieren.

Wie groß ist die zusätzliche Belastung derzeit für Ihre Mitarbeiter?

Werner: Unsere vielen Kolleginnen und Kollegen sind derzeit – durch die Umstände – mit enormen Herausforderungen konfrontiert und erbringen außergewöhnliche Leistungen, indem sie die enormen Warenvolumen bewältigen, den oftmals verunsicherten Kundinnen und Kunden begegnen und teilweise unter gänzlich ungewohnten Rahmenbedingungen in Telearbeit von zu Hause aus und in Konferenzschaltungen ihre Arbeit verrichten.

Durch zentrale Grundsatzentscheidungen und situative Entscheidungen durch die Menschen vor Ort versuchen wir Rahmenbedingungen zu schaffen, dass möglichst alle Menschen die für sie jeweils relevanten Informationen haben und sich orientieren können. Um die Kinderbetreuung zu gewährleisten, sind wir mit Behörden im Austausch, um die eingerichteten Notkindergärten mitbenutzen zu dürfen.

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