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Klimawandel

Der Wald im Landkreis Karlsruhe schreit um Hilfe

Der Wald im Landkreis Karlsruhe braucht dringend einen Notfallplan. Immer mehr Bäume müssen vorzeitig gefällt werden, weil sie unter Trockenheit, Schädlingen und Sturmschäden leiden und schließlich absterben. Der Landkreis will noch in diesem Jahr auf 70 Hektar Fläche 185.000 neue Bäume pflanzen.

IMAGE-185202 Foto: N/A

Der Wald im Landkreis Karlsruhe ist gestresst. Er leidet unter Trockenheit, Schädlingsbefall und Sturmschäden – und das seit Jahren. Wie dramatisch die Situation ist, machte Forstamtsleiter Martin Moosmayer in der Sitzung des Kreistagsauschusses für Umwelt und Technik (AUT) deutlich, die am Donnerstag in der Altenbürghalle in Karlsdorf-Neuthard stattfand.

„Alle Baumarten sind von Symptomen befallen“, erläuterte Moosmayer, dass es um die Gesundheit des Waldes nicht gut bestellt ist. Dies zeige sich deutlich an geschädigten und abgestorbenen Bäumen sowie großen Kahlflächen. Durch die Trockenheit verlieren die Bäume Blätter und Nadeln, die Kronen werden lichter. „Das ist die Fieberkurve des Waldes, die zeigt, dass da etwas nicht stimmt“, erklärte der Forstamtsleiter.

Die Situation sei wesentlich ernster als in den 80er-Jahren, als das Waldsterben großes Thema gewesen sei. Mit Zahlen untermauerte er den kritischen Zustand: Durch Dürre, Käfer- und Pilzbefall mussten im Landkreis 2019 über 140.000 Festmeter Schadholz eingeschlagen werden. Die Sturm- und Dürreschäden belaufen sich zu Beginn dieses Jahres schon auf 75.000 Festmeter. An planmäßiges Arbeiten sei derzeit nicht zu denken.

Der Wald ist "Opfer des Klimawandels"

Moosmayer machte klar, dass in Zukunft weiter mit extremen Wetterverhältnissen zu rechnen ist: „Der Wald ist ein Bioindikator für den Klimawandel im Grad seiner Schädigung. Er ist Opfer des Klimawandels, aber auch Teil der Lösung, da er ein riesiger CO2-Speicher ist.“

Aus diesem Grund sei es wichtig, den Schaden schnell wieder zu beheben. Durch die Waldschäden müssen 2.500 Hektar Fläche wieder bepflanzt werden. Auf 70 Hektar sollen in diesem Jahr 185.000 Pflanzen angebaut werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro. Der Fokus liegt dabei auf Baumarten mit einer größeren Wärmetoleranz, wie Eichen und Elsbeeren.

Die Arbeit im Walderhalt werde erschwert, so machte es Moosmayer deutlich, da nicht immer genügend Pflanzgut sowie finanzielle Mittel und Fachpersonal zur Verfügung stünden. Erfreulich sei daher, dass das Land Baden-Württemberg einen „Notfallplan Wald“ aufgelegt habe. Der Landkreis hat als Soforthilfe 25.000 Euro erhalten. Zwei Stellen im gehobenen Forstdienst seien zur Unterstützung zwischenzeitlich in Werkverträgen besetzt worden. „Die helfen draußen an der Front mit, das ist dringend erforderlich“, erklärte Moosmayer.

Preise in der Holzindustrie sinken durch Corona

Ein weiteres Problem sei, dass durch die Pandemie die Holzproduktion still stehe. Die Preise würden sinken, es könnten mit der großen Masse an Schadholz weniger Erlöse erzielt werden. Das würde sich schließlich auch finanziell auf die Waldhaushalte der Kommunen auswirken.

Wir wissen noch nicht, wie die Bäume den Sommer überleben sollen.
Martin Moosmayer, Forstamtsleiter

Sorgenkind bleibt der Hardtwald: „Wir wissen noch nicht, wie die Bäume den Sommer überleben sollen“, sagte der Forstamtsleiter über die „beängstigende“ Situation dort. Es brauche dringend ein Konzept, wie der Wald überhaupt erhalten werden könne.

Dem pflichtete auch Felix Geider (Freie Wähler) bei: „Im Hardtwald stirbt der Wald großflächig ab.“ Die Bäume leiden schon lange unter dem Stress, aber jetzt sei der Klimawandel voll angekommen. Den Bericht über den aktuellen Zustand des Waldes im Landkreis bezeichnete er als „Katastrophe“. Die Kommunen seien unterschiedlich stark betroffen, aber doch alle „sehr sehr heftig“.

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