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Von „klein und glänzend“ bis hin zu „schwarz und gefährlich“

Dieser Käfer im Raum Karlsruhe ist giftig

Wie viele Käferarten es im Karlsruher Raum genau gibt, können auch Experten nicht sagen. Viele sind es auf jeden Fall. Und von denen, die sie kennen, ist nur einer giftig: der Schwarzblaue Ölkäfer, der unter anderem auf den Rheindämmen bei Rappenwört zu beobachten ist.

Ein Goldglänzender Rosenkäfer frisst Pollen in einer Rosenblüte. Foto: Patricia Klatt

Von Patricia Klatt

Will man die einheimischen Käfer etwas näher beschreiben, ist das nicht so einfach, wie es sich anhört. Man müsste als erstes fragen: Welche denn genau? Denn die Käfer bilden die artenreichsten Insektengruppe mit einer enorm großen Vielfalt, allein in Baden-Württemberg geht man von rund 4.500 verschiedenen Arten aus.

Deutschlandweit sind es um die 6.000, in Mitteleuropa rund 8.000 und weltweit wohl mehr als 350.000 verschiedene Arten. Und das sind beileibe nicht alle. Der Käfer-Spezialist Alexander Riedel vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe beschrieb erst im vergangenen Jahr zusammen mit einem indonesischen Kollegen gleich 103 neue Rüsselkäferarten von der indonesischen Insel Sulawesi.

„Die Käferarten in Deutschland sind wesentlich besser erforscht, aber ihre genaue Zahl im Karlsruher Raum kann man nicht benennen“, sagt Riedel. Es gebe Käfer, für die man hier ein Hotspot sei wie der streng geschützte Heldbock, der mit 30 bis 55 Millimeter Länge eine der größten einheimischen Käferarten ist und in Eichen lebt.

Der Heldbock - ein Riese in Gefahr

„Er war früher in ganz Deutschland verbreitet, wurde aber vom Forst als Schädling angesehen. Die befallenen Bäume wurden gefällt und damit der Lebensraum des Heldbocks immer weiter reduziert“, berichtet Riedel. In Karlsruhe versucht man, dem Käfer mit dem Erhalt alter Eichen und der Förderung der biologischen Vielfalt einen Lebensraum zu bieten, seinen Verbreitungsschwerpunkt hat er in der Stadt selber sowie in dem nördlich gelegenen Hardtwald.

Ebenfalls sehr groß und auch ein Freund alter Eichen ist der Hirschkäfer mit seinem „Geweih“. Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in morsche Eichenstümpfe, aber die großen Käferlarven fressen sich über fünf bis sechs Jahre hinweg im Notfall auch durch morsches Holz anderer Bäume.

Der Schwarzblaue Ölkäfer ist das Insekt des Jahres 2020 - und er ist giftig Foto: Ingo Ludwichowski

Ein weiterer großer Käfer ist der Körnerbock, der bei uns sehr selten ist und als vom Aussterben bedroht gilt. Seine Larven entwickeln sich im morschen, feuchten Holz absterbender Laubbäume. Relativ häufig hingegen kann man in Karlsruhe in den entsprechenden Flugjahren den Maikäfer in den besiedelten Wäldern sowie den einzelnen, baumreichen Stadtteilen fliegen sehen.

Und wenn in den Rosenblüten im Garten ein spektakulär grüngold-schillernder Käfer sitzt, wird das vermutlich der Goldglänzende Rosenkäfer sein, der in den Blüten die Staubgefäße und Pollen frisst. Seine Larven entwickeln sich oft in Komposthaufen.

Siebenpunkt-Marienkäfer ist ein Winzling

Geradezu winzig ist im Vergleich dazu der Siebenpunkt-Marienkäfer, der die Blattläuse im Garten in Schach hält. Andere Käferarten wiederum sind so klein, dass man eine Stereolupe braucht, um sie überhaupt richtig sehen zu können.

Für den Menschen sind die hiesigen Käferarten übrigens harmlos, denn „sie greifen nicht an, können aber beißen wenn man sich ungeschickt anstellt. Das dürfte eventuell ein Problem bei männlichen Hirschkäfern sein, die mit ihren Zangen ordentlich zwicken können“, erklärt Alexander Riedel.

Vor Ölkäfer in Acht nehmen

Auch sei bei den Käfern fast keiner giftig, weiß der Experte. Die einzigen Ausnahmen sind die Ölkäfer mit ihrem Körpergift Cantharidin, das sie vor Fressfeinden schützen soll.

Der Schwarzblaue Ölkäfer, der zum Insekt des Jahres 2020 gewählt wurde und unter anderem auf den Rheindämmen in Rappenwört zu beobachten ist, sollte deshalb mit Vorsicht behandelt werden. „Denn Cantharidin verursacht beim Menschen stark blasige Hautausschläge, wenn der Körpersaft der Tiere auf die Haut gelangt und kann nach Verschlucken im schlimmsten Fall tödlich sein“, betont der Biologe.

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