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Nachbarschaftshilfe

Corona: Ältere verzichten aus Sorge vor Ansteckung auf Hilfsleistungen in Ettlingen

Vor allem ältere Menschen sind von der Ausbreitung des Coronavirus bedroht, sie gelten als besonders gefährdet. Umso wichtiger ist es, dass sie in diesen Zeiten auf die Unterstützung durch kirchliche Sozialstationen und Nachbarschaftshilfen vertrauen können. Einige haben aber auch Angst, sich bei den Helferinnen und Helfern anzustecken und haben den Service deshalb vorsorglich abbestellt.

Schutzkleidung wie diese ist in Zeiten von Corona Mangelware. Damit haben Sozialstationen zu kämpfen, die Pflegeleistungen übernehmen. Foto: imago images

So zum Beispiel bei der kirchlichen Sozialstation, die neben Pflegeleistungen auch Hilfe im Haushalt und bei Einkäufen anbietet. „Vor allem bei den hauswirtschaftlichen Leistungen haben uns einige Senioren abgesagt“, berichtet der Pflegedienstleiter Gerd Langner.

Unser größtes Problem ist derzeit
der Mangel an Schutzkleidung,Handschuhen und Mundschutz.Gerd Langner, Pflegedienstleiter Sozialstation Ettlingen

der Mangel an Schutzkleidung,

Apotheken gehen die Rohstoffe für Desinfektionsmittel aus

„Als das Thema aufgekocht ist, haben wir zwar vorgesorgt. Jetzt gehen unsere Vorräte aber dem Ende zu.“ Mehrere Zulieferer habe er kontaktiert – ohne Erfolg: „Es ist nichts mehr auf dem Markt.“ Die ausgehenden Desinfektionsmittel bereiten ihm ebenfalls Sorgen. Zwar hätten die Apotheken angesichts der Lieferengpässe Anfang März die Erlaubnis bekommen, Desinfektionsmittel herzustellen. Schon jetzt hätten sie aber keine Rohstoffe mehr.

Kinderbetreuung ist das größte Problem

Am meisten fürchtet Langner aber die Schließung von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Viele der 120 Angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Sozialstation seien Mütter. Wenn ihre Kinder zuhause bleiben, müssten sie dies gezwungenermaßen auch. Deswegen sei man dabei, eine betriebliche Kinderbetreuung zu organisieren.

Eine Mitarbeiterin, die im Elsass wohnt, komme nicht mehr zur Arbeit, seit die französische Region Grand-Est als Risikogebiet eingestuft wurde. Generell fordere man die Angestellten auf, neben den ohnehin hohen Hygienestandards im Pflegedienst die Ratschläge der Gesundheitsämter zu beachten: soziale Kontakte und vor allem größere Menschenmengen zu meiden.

Das empfehle man auch den Kunden der Sozialstation. Zudem wurden sie darum gebeten, anzurufen, wenn sie oder jemand in ihrem Umfeld infiziert ist oder der Verdacht besteht. Was Einkäufe anbetrifft, bemerkt Langner noch keine zusätzliche Nachfrage: „Viele Supermarktketten bieten ja auch einen Lieferservice an.“

Rotes Kreuz in Malsch kauft für Menschen in Quarantäne ein

In Malsch haben sich derweil mehrere Bürger in einer Facebook-Gruppe zusammengeschlossen, um Menschen in Quarantäne zu helfen. Mehr als 650 Mitglieder zählt sie inzwischen. Der Ortsverband des Roten Kreuzes hat in der Facebookgruppe bekannt gegeben, dass er ab sofort einen täglichen Einkaufsservice für Menschen in Corona-Quarantäne anbietet.

„Wir haben das sowieso alle 14 Tage samstags gemacht“, erklärt der Vorsitzende des Ortsverbandes, Thomas Dinies. „Angesichts der aktuellen Lage bieten wir es jetzt täglich an.“ Zwölf Mitarbeiter stünden für den Service zu Verfügung. Per Handy nehmen sie unter der zentralen Rufnummer (01 62) 2 80 14 78 Aufträge entgegen und liefern das Essen bis vor die Haustür.

Wie hoch die Nachfrage ist, kann Dinies noch nicht sagen, da das Angebot gerade erst ins Leben gerufen wurde. Er erinnert sich an das Jahr 2009, als die Schweinegrippe (Influenza H1N1) in Deutschland ankam. Damals habe man schon einmal einen derartigen Einkaufsservice eingerichtet – „er wurde am Ende aber nicht gebraucht“.

Ich mache mir echte Sorgen.
Irene Weber, Nachbarschaftshilfe Sulzbach

Sehr beunruhigt ist derweil Irene Weber, die für die Nachbarschaftshilfe im Malscher Ortsteil Sulzbach arbeitet. In ihrer Umgebung wohnten viele ältere Menschen, die die Leistungen der kirchlichen Sozialstation und der Nachbarschaftshilfe Malsch nutzten: „Rein theoretisch müssten alle Mitarbeiter in die Häuser in Schutzkleidung rein“, merkt sie an.

Sie fürchtet, dass die Senioren sich ansteckten: „Ich mache mir echte Sorgen.“ Eine ältere Frau haben die Nachbarschaftshilfe schon abbestellt, weil sie den Kontakt zu anderen meiden will. Ihre Kinder versorgten sie jetzt.

Wie wir über die Auswirkungen des Coronavirus berichten

Auf bnn.de berichten wir zurzeit verstärkt über die wichtigsten Entwicklungen rund um Corona in der Region rund um Karlsruhe, Bretten, Pforzheim, Rastatt und Bühl. Jeden Tag schränken Kliniken die Besuchszeiten ein, Schulen schließen, Firmen schicken Mitarbeiter nach Hause. Es ist selbst für unsere Redaktion zeitweise schwierig, den Überblick zu behalten. Deshalb filtern wir für unsere Leser aus der Flut an Informationen, welche der vielen Corona-Meldungen wichtig sind – unter anderem in dieser Übersicht .

Alle Informationen prüfen wir, um keine Falschinformationen zu verbreiten. Viele Menschen, auch in unserer Redaktion, machen sich ohnehin Sorgen. Wir möchten sie informieren und nicht verunsichern.

Zwei unserer Kollegen befassen sich ausschließlich mit dem Thema Corona – als unsere internen Experten. Viele weitere BNN-Redakteure recherchieren täglich zu den Auswirkungen von Covid-19 in den Städten und Gemeinden der Region. Unsere Autoren sprechen mit Entscheidern in den Landratsämtern, Krankenhäusern und in Firmen. Gleichzeitig telefonieren sie (Betroffene treffen wir derzeit nicht persönlich) mit Menschen, die Cafés schließen, Veranstaltungen absagen oder zu Hause bleiben müssen.

So möchten wir dazu beitragen, dass Menschen in der Region sich auf dem aktuellsten Stand halten können, um die richtigen Entscheidungen für ihren Alltag und ihre Gesundheit zu treffen.

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