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Wissenswertes zum Weinfass

Handwerkergilde holt Küfer zum Brettener Peter-und-Paul-Fest

Ganz Bretten fiebert Peter und Paul entgegen. Noch etwas über drei Wochen, bis Stadtvogt Peter Dick und Schultheiß Martin Wolff das Fest eröffnen. Bei der Darstellung des Leben und Treibens anno 1504 in der belagerten Stadt darf natürlich auch das Handwerk nicht fehlen. Mit dabei ist dieses Jahr mit Frederik Zink wieder ein Küfer.

Das traditionelle Küferhandwerk präsentiert Frederik Zink über das Peter-und-Paul-Fest. Dabei fertigt er nicht nur Weinfässer, sondern auch kleinere Holzgefäße. Foto: BNN

Ganz Bretten fiebert Peter und Paul entgegen. Noch etwas über drei Wochen, bis Stadtvogt Peter Dick und Schultheiß Martin Wolff das Fest eröffnen, für das erneut die BNN als Sponsor wirken. Bei der Darstellung des Leben und Treibens anno 1504 in der belagerten Stadt darf natürlich auch das Handwerk nicht fehlen.

In der Oberen Kirchgasse, in der Unteren Kirchgasse, aber auch am Seedamm und auf dem Viehmarktgelände gibt es handwerkliche Darbietungen; am Festsamstag übrigens ab 15 Uhr, wie ein Sprecher der Handwerkergilde mitteilt. Mit dabei ist dieses Jahr mit Frederik Zink wieder ein Küfer, dessen Wirken die BNN erläutern.

Traditionsreicher Handwerksberuf

Der Küfer übt einen sehr alten, traditionsreichen Handwerksberuf aus, der seit dem 7. oder 8. Jahrhundert existiert. Seine Aufgabe besteht in der Herstellung und Reparatur von Holzgefäßen aller Art. Im deutschsprachigen Raum gibt es für den Küferberuf verschiedene Bezeichnungen, je nach dem Gefäß, das in der jeweiligen Gegend hergestellt wird. So heißt der Küfer in Nord- und Ostdeutschland „Böttcher“, was von Bottich, einem großen, oben offenen Holzgefäß abgeleitet ist. In Nordbayern bezeichnet man kleinere Bottiche als „Bütten“, woher die Berufsbezeichnung „Büttner“ stammt. In Weingegenden verwendeten die Winzer oben offene und tiefe Holzgefäße, die „Kufen“ genannt wurden. Daher kommt die Bezeichnung „Küfer“ in West- und Süddeutschland vor. In Südbayern schließlich sagt man „Schäffler“, hergeleitet von „Schaff“, ebenfalls ein oben offenes Gefäß.

Küferhandwerk hat zunehmend an Bedeutung verloren

Es fällt auf, dass es sich bei all den genannten Holzgefäßen um gerade Gefäße handelt, was darauf schließen lässt, dass bauchige Fässer für Bier, Wein, Schnaps und mehr, die man heute eigentlich in erster Linie mit diesem Handwerk verbindet, offenbar erst in neuerer Zeit hinzugekommen sind. Durch den zunehmenden Einsatz moderner Technik hat das Küferhandwerk in den letzten Jahrzehnten viel von seiner früheren Bedeutung verloren. Doch seit einigen Jahren gibt es einen gewissen Umschwung: Holzfässer und -gefäße, sei es für Wein oder Bier, zum Einlegen von Sauerkraut, als Pflanzkübel oder auch zu Dekorationszwecken sind wieder im Aufwind.

Mehrere Stufen bei Fassherstellung

Bei der Fassherstellung unterscheidet man mehrere, deutlich voneinander getrennte Stufen, deren erste die Daubenfertigung ist. Verwendet wird hauptsächlich Eichen-, für Kübel Nadelholz. Das Holz wird senkrecht oder schräg zu den Jahresringen geschnitten. Danach muss es luftgetrocknet werden, und zwar pro cm Stärke ein Jahr (von beiden Seiten), das heißt, ein vier Zentimeter starkes Holz muss zwei Jahre lufttrocknen, bevor es zur Verarbeitung kommt. Zur Bearbeitung wird das Werkstück (Daube) in eine Schnitzbank eingespannt und die Innenseite mit einem Schnitzeisen (Reifmesser) oder Krummeisen ausgehöhlt. Der Küfer erstellt ein Model, das alle Maße und Radien verkörpert, welche das zukünftige Fass haben wird. Die Seiten werden so bearbeitet, dass sie sich an beiden Enden verjüngen. Auf der Fügebank, die einem großen umgedrehten Hobel gleicht, bekommen die Dauben in Feinarbeit ihre endgültige Form. Die Längskanten werden so abgehobelt, dass die einzelnen Dauben einen bestimmten Winkel zueinander haben. Dadurch entsteht die Rundung des Fasses.

Reifen bringen das Fass in Form

Seine endgültige Form erhält es durch das Aufziehen der Reifen; dies ist der Beginn der Montage des Fasses. Es wird unterschieden zwischen Setzreifen die für die Fassgröße benötigte Anzahl von Dauben halten können, und den dazu passenden Haltereifen für die gegenüberliegende Seite. Die Krümmung der Dauben wird durch Treibreifen erzielt, die sehr dick sind und starkes Hämmern aushalten können. Früher waren diese aus Eschenholz, heute aber sind sie für gewöhnlich aus Eisen. Auch die Kopfreifen, die zur Verstärkung der Fassenden beim Biegen der Dauben dienen, müssen sehr strapazierfähig sein.

Nach dem Zusammenstellen der Dauben muss das Fass gedämpft werden, die Dauben werden durch Hitze und Wasser erweicht, damit sie sich biegen und in den Haltereifen zusammenpressen lassen. Nach dem Abkühlen werden die beiden Fassböden angebracht. Dann glättet man die Außenseite des Fasses. Erst danach kommen die vorgesehenen Fassreifen darüber.

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